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Am falschen Ort zur falschen Zeit

Burgwedel Am falschen Ort zur falschen Zeit

Ein Großaufgebot der Polizei samt Helikopter hat im vergangenen August zwei angebliche Graffiti-Sprayer in einem Maisfeld bei Bennemühlen aufgegriffen. Vor dem Amtsgericht Burgwedel stellte sich am Dienstagvormittag jedoch heraus: Die beiden hatten sich aus einem ganz anderen Grund dort versteckt.

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Das Amtsgericht Burgwedel hat am Dienstagavormittag zwei angebliche Sprayer freigesprochen.

Quelle: Symbolbild

„Wir wollten nur einen Joint rauchen und sind deshalb ins Feld gegangen“, schilderte der 20-jährige Angeklagte gestern den einschneidenden Augustnachmittag. Mit nicht einmal einem Gramm Marihuana hätten er und sein Kumpel gegen 18.45 Uhr dann den Schock ihres Lebens bekommen, als ein Polizeihubschrauber plötzlich über dem Maisfeld kreiste und mehrere Beamte sie aufforderten, herauszukommen.

„Wir haben die Drogen schnell weggeschmissen und gemacht, was man uns gesagt hat“, ergänzte der  Mitangeklagte. Erst nachdem sie eine halbe Stunde in Handschellen bei der Polizei gesessen hätten, verstanden sie, was ihnen eigentlich vorgeworfen wurde. „Die beiden waren überrascht und beeindruckt von unserem Kräfteaufgebot“, bestätigte auch ein Polizist gestern im Amtsgericht Burgwedel.

Eigentlich – so war die Polizei damals überzeugt – hatte man aber nicht zwei junge Männer beim Kiffen erwischt, sondern zwei Graffiti-Sprayer aufgegriffen, die kurz zuvor eine S-Bahn am Bahnhof Bennemühlen bemalt hatten. Ein S-Bahn-Mitarbeiter hatte die beiden Männer beim Sprayen erwischt. „Als ich einen festhielt, bekam ich einen heftigen Tritt in den Rücken von dem anderen, und beide sind geflüchtet“, schilderte das 44-jährige Opfer den Tathergang. Der Lokführer hatte zudem aus 130 Meter Entfernung gesehen, wie die beiden Unbekannten über den Bahnsteig und einen Parkplatz flüchteten – mutmaßlich direkt in das Maisfeld, in dem die beiden Angeklagten sich gerade mit einem Joint amüsieren wollten.

„Sie waren wohl am falschen Ort zur falschen Zeit“, betonte Amtsrichterin Franziska Vandrey ihren Freispruch. Denn auch, wenn für den Staatsanwalt ein „Geschmäckle“ blieb: Einen Beweis gab es nicht dafür, dass die jungen Männer die Sprayer waren. Auch die Handys, die beide ebenso wie ihre Anziehsachen und ihre DNA freiwillig zur Überprüfung ablieferten, waren frei von Spuren und Indizien. Die Personenbeschreibungen der Zeugen gingen zudem über kräftige Staturen und zwei Sturmhauben nicht hinaus – eine Zeugin hatte die Sprayer sogar vom Feld weglaufen sehen.

Der Freispruch war die logische Folge. Heilsam war die polizeiliche Verfolgung und Festnahme für die beiden jungen Angeklagten offenbar dennoch: „Wir dachten ja wirklich, die ganze Polizei kommt, weil wir Drogen nehmen.“

Von Carina Bahl

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