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Mutter ins Heim, Rente in die Tasche

Burgwedel Mutter ins Heim, Rente in die Tasche

Statt die Rente seiner Mutter für deren Pflegeheimkosten zu verwenden, hatte ein Burgwedeler das Geld monatelang anderweitig ausgegeben. Dafür verurteilte ihn das Amtsgericht jetzt zu einer Freiheitsstrafe, die es zur Bewährung aussetzte.

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Das Amtsgericht Burgwedel hat einen Mann verurteilt, der seine Mutter ins Heim geschickt hat, aber nicht für die Kosten aufgekommen ist.

Quelle: Symboldbild: Martin Lauber

Burgwedel. "Sie können noch froh sein, dass nicht auch noch Untreue mit angeklagt war. Das Geld Ihrer Mutter stand Ihnen einfach nicht zu“, sagte Amtsrichter Michael Siebrecht in der Begründung seines Urteils, mit dem er sogar noch über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinausging. Diese hatte eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen gefordert, der Richter verhängte hingegen eine sechsmonatige Freiheitsstrafe auf drei Jahre zur Bewährung sowie 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit. "Wir messen an Taten, nicht an Worten“, kritisierte der Richter, dass der Angeklagte trotz aller Beteuerungen, den Schaden wiedergutmachen zu wollen, bis zum Tag der Verhandlung keinen Cent gezahlt hatte.

Als Geschädigter hatte der Betreiber eines Altenheims aus einem Burgwedeler Ortsteil ausgesagt, dem der 44-Jährige exakt 5320,79 Euro schuldig geblieben war. Als seine Mutter stark pflegebedürftig geworden war, hatte der Mann für sie Mitte 2014 einen Vertrag für eine stationäre Pflege abgeschlossen. Statt aber von der Rente der Mutter, die er verwaltete, per Dauerauftrag oder ähnlichem die Zuzahlung des Pflegeheimplatzes zu bezahlen, behielt er das Geld für sich.

Erklärungsversuche, dass er dem Heimbetreiber den ein oder anderen Betrag in bar übergeben habe, enttarnte dieser als unwahr – das Geld war für Rückstände aus der vorherigen Kurzzeitpflege der alten Frau bestimmt. "Und nach ihrem Tod ist er dann von heute auf morgen ausgezogen und verschwunden“, sagte der Heimbetreiber im Zeugenstand aus.

Der Angeklagte versuchte, das Ausbleiben der Zahlungen mit einer angeblichen damaligen Lebenskrise zu erklären: "Es war kein Vorsatz von mir, ich hatte eine schwierige Zeit. Das ist wirklich schlecht gelaufen.“ Die Staatsanwaltschaft und das Gericht konnte der gelernte Handwerker damit jedoch nicht überzeugen, zumal sein Strafregisterauszug bereits zehn Vorstrafen auflistete. Er war in den vergangenen 20 Jahren unter anderem wegen versuchter schwerer Brandstiftung, Betrugs und Verletzung der Unterhaltspflichten verurteilt worden und steht aktuell wegen wiederholten Fahrens ohne Fahrerlaubnis unter Bewährung.

Dass das Thema Bewährung sich für ihn jetzt erst einmal erledigt haben dürfte, machte Siebrecht dem Mann ganz deutlich: "Wenn Sie so weitermachen, wartet beim nächsten Mal das Gefängnis auf Sie.“

Von Frank Walter

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