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Ins Gefängnis wegen 41 Euro

Burgwedel Ins Gefängnis wegen 41 Euro

Wer nach 37 Verurteilungen und fünf Jahren Haft seit 1983 wirklich noch auf eine Bewährungsstrafe hofft, der wird in Burgwedel eines besseren belehrt: Ein 52-Jähriger geht jetzt ins Gefängnis, weil er für 41 Euro Zigaretten stehlen wollte.

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Das Amtsgericht Burgwedel kennt bei 37 Vorstrafen keine Bewährung mehr. Da kann der Angeklagte noch so viel schimpfen.

Quelle: Symbolbild

Burgwedel. Das Geständnis sprudelte aus dem Angeklagten heraus, bevor er überhaupt danach gefragt worden war: „Ja, alles richtig, das habe ich gemacht“, betonte der 52-Jährige am Donnerstag im Amtsgericht Burgwedel. Für 41 Euro hatte er sich Zigaretten in einem Großburgwedeler Supermarkt eingesteckt – und war dabei erwischt worden. „Normalerweise kommt man da ja nicht ran, weil man Tasten drücken muss“, schilderte der Angeklagte. „Aber die Verkäuferinnen waren gerade beim Einräumen, das Ding stand offen. Und Gelegenheit macht Diebe.“

Dass der Angeklagte anscheinend öfter in seinem Leben schon auf derartige Gelegenheiten gestoßen war, machte sein Strafregister deutlich. „Der Auszug wiegt richtig was“, hielt Amtsrichter Michael Siebrecht ihm den Stapel Papier vor. 37 Verurteilungen hatte der Mann seit 1983 erhalten – vorrangig wegen Diebstahl. Fünf Jahre hatte er dafür bereits insgesamt im Gefängnis verbracht.

„Unbelehrbar“, nannte es die Staatsanwaltschaft, dass der Mann nur ein halbes Jahr nach seiner Haftentlassung im Juni 2015 bereits wieder den ersten Strafbefehl erhalten und im Januar schließlich den Diebstahl in Großburgwedel verübt hatte. Die Verwunderung bei Staatsanwaltschaft und Richter war daher mehr als groß, als der Angeklagte plädierte, auf keinen Fall wieder ins Gefängnis zu wollen. „Sie können mich mit allem bestrafen, aber nicht mit Haft. Das hat mir wirklich gereicht. Geben Sie mir eine Chance“, forderte er selbstbewusst zum Schluss. Es sei ja nun wirklich das erste Mal, dass er wieder im Gericht sitze. „Es gab Richter, die haben fünf Bewährungen gleichzeitig bei mir laufen lassen. Beim ersten Mal wird man doch nicht wieder weggefegt.“

Mit Burgwedels Amtsrichter Siebrecht war das allerdings nicht zu machen – da halfen auch Beschimpfungen und Drohungen des empörten Angeklagten nicht: „Wie soll man Ihnen denn eine günstige Prognose ausstellen, dass Sie sich bewähren?“, fragte der Richter fast rhetorisch. „Eine Chance muss man sich verdienen.“ Und vom ersten Mal könne bei 37 Voreintragungen wohl kaum die Rede sein. Zwei Monate ohne Bewährung standen letztlich im Urteil. „Und glauben Sie mir, sehen wir uns noch einmal, schicke ich Sie wieder in den Knast“, lautete das Versprechen des Richters.

Von Carina Bahl

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