Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 7 ° Sprühregen

Navigation:
Ein grüner Chef für Wettmar

Burgwedel Ein grüner Chef für Wettmar

Paukenschlag in Wettmar: Der bisherige Ortsbürgermeister Michael Kranz (CDU) unterlag am Montagabend bei einer Kampfabstimmung Erwin Fette. Damit hat Burgwedels zweitgrößter Stadtteil erstmals einen grünen Ortsbürgermeister.

Voriger Artikel
Hoppenstedt kandidiert wieder für den Bundestag
Nächster Artikel
Heute kein Postservice - Kunden stehen immer wieder im Regen

Im neuen Ortsrat von Wettmar sitzen Michael Kranz (CDU, von links), Niklas Hanne (CDU), Karin Fredermann (CDU), Ortsbürgermeister Erwin Fette (Grün), Lothar Urban (SPD), Wolfgang Werner (SPD) und Friedrich Wolff (Unbhängige).

Quelle: Carina Bahl

Wettmar. „Das kann doch nicht wahr sein!“ „Das hätte ich wirklich nicht gedacht!“ „Genau der Weg, den ich mir gewünscht habe“ – die Reaktionen im Publikum nach der Ortsbürgermeisterwahl waren am Montagabend gespalten. Wohin der Hase läuft, hatte Lothar Urban (SPD) bereits zu Beginn zwischen den Zeilen angekündigt, als er künftig zwei stellvertretende Ortsbürgermeister für Wettmar forderte: „Dann kann das doch alles ein wenig gerechter hier verteilt werden.“

Kurze Zeit später erstaunte Gesichter bei den drei Christdemokraten im Ortsrat: Ihr Vorschlag für Amtsinhaber Michael Kranz wurde mit einem Gegenvorschlag für Erwin Fette (Grüne) quittiert – der in geheimer Wahl auch prompt mit vier zu drei Stimmen den Posten für sich gewinnen konnte. Als stellvertretender Ortsbürgermeister wird Kranz aber neben Wolfgang Werner (SPD) weiter agieren dürfen – so das Ergebnis der zweiten geheimen Wahl des Abends. „Eine Reihung der stellvertretenden Bürgermeister brauchen wir hier nicht“, betonte Fette.

So schnell die Wahlen beendet waren, so groß war der Diskussionsbedarf danach. „Ich bin wirklich mehr als erstaunt“, sagte ein sichtlich enttäuschter Kranz. „Ich hätte erwartet, dass man mit mir spricht, wenn man seine Meinung ändert, und mir nicht ins Gesicht lügt.“ Zumal er die meisten persönlichen Stimmen im Ort bekommen habe – „das ist nicht mein Verständnis von Politik. Das geht am Wahlergebnis vorbei.“

Aus Sicht von SPD, Grünen und Unabhängigen, die sich laut Fette in vorherigen Absprachen auf seine Kandidatur geeinigt hatten, sieht das anders aus: „Wir arbeiten eben sehr gern im Team zusammen und die neue Mehrheit hat uns dieses Vorgehen ermöglicht.“

Überraschend, so Burgwedels SPD-Chef Joachim Rödiger, hätte der Ablauf der Ortsbürgermeisterwahl für Kranz auch gar nicht sein müssen: „Wir haben ihm vor wenigen Wochen ein Angebot gemacht.“ So habe die SPD vorgeschlagen, dass Kranz und Wolfgang Werner sich den Posten teilen und nach zweieinhalb Jahren tauschen. Kranz habe das abgelehnt. „Wie kann man überrascht sein, dass man nicht gewählt wird, wenn man sich selbst keine Mehrheit sucht?“

Kranz wiederum hatte nach dem ausgeschlagenen Angebot, das für ihn auf Grund seiner Stimmenzahl nicht infrage kam, auf weitere Gespräche gehofft: „Aber da kam gar nichts.“ Er habe mit Ehrlichkeit gerechnet – „und nicht nur mit Taktik“.

So oder so: Wettmars neuer Ortsbürgermeister ist mit Erwin Fette jetzt erstmals ein Grüner. Der 55-jährige Bauingenieur lebt seit 2001 in Wettmar, sitzt seit 2011 im Orts- und Stadtrat. „Seine Erfahrung war der Grund für unsere Unterstützung“, erklärt Rödiger, warum die SPD nicht Neuling Wolfgang Werner aufgestellt hatte. Dieser wolle sich erst einmal einarbeiten. Fette selbst blickt optimistisch auf die Zusammenarbeit: „Wir waren stets ein gutes Team in Wettmar. Das soll so bleiben.“

Von Carina Bahl

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten