Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -4 ° Nebel

Navigation:
Amtsrichter mahnt Rücksicht an

Großburgwedel Amtsrichter mahnt Rücksicht an

Es war eine Lehrstunde in Sachen Sorgfaltspflicht im Straßenverkehr - nicht nur für die 57-jährige Angeklagte. Eine Autofahrerin, die eine Rollerfahrerin auf nasser Straße überholte und zum Bremsen gezwungen hat, wurde vom Amtsgericht verurteilt.

Voriger Artikel
Kunst sucht Landschaft für Ausstellung
Nächster Artikel
Schon wieder Bienenvölker gestohlen

Das Amtsgericht Burgwedel hat eine Autofahrerin verurteilt.

Quelle: Archiv

Burgwedel. Mit ihrem kleinen Geländewagen hatte die Isernhagenerin am 27. Juli 2015 auf der regennassen Bahnhofstraße in Großburgwedel einen Roller überholt und war dann abrupt nach rechts in den Wilhelm-Raabe-Weg eingebogen.

„Ich habe gebremst, dann war mein Roller schon am Rutschen“, schilderte die Zweiradfahrerin ihre Schrecksekunde, in der sie „vielleicht zu doll gebremst“ habe. Der Sturz hatte Folgen: Die 41-Jährige erlitt Schürfwunden und Prellungen, die Schulter schmerzte noch vier Monate danach.

Folgen hatte der Unfall, der sich hinter ihrem Auto abspielte, auch für die Isernhagenerin: eine Anklage wegen fahrlässiger Körperverletzung und unerlaubten Entfernens vom Unfallort. Sie habe „ein Geräusch gehört“ und angehalten, erklärte sie vor Gericht. Als sie sah, dass Dritte sich um die Verletzte kümmerten, sei sie aber weitergefahren. „Ich musste zu einem Notfall und habe den Sturz nicht mit mir in Verbindung gebracht.“

Abwegig? Eine Zeugin hielt die Version immerhin für möglich. Ein 62-Jähriger belastete die Angeklagte indes doppelt: „Ich hätte den Roller bei den Straßenverhältnissen nicht mehr überholt!“ Der Wagen sei „direkt beteiligt“ gewesen. „Als er wegfuhr, war ich sauer.“

Mochte der Verteidiger noch so betonen, seine Mandantin habe den „berührungslosen Unfall“ nicht auf sich bezogen: Staatsanwalt und Richter waren sich einig, dass ein sechsmonatiges Fahrverbot sowie 750 Euro Geldstrafe ein mildes Urteil seien.

In der Begründung wurde Amtsrichter Michael Siebrecht deutlich: „Wenn man einen Roller auf regennasser Straße vor sich hat, weiß man, dass für diesen Bremsvorgänge schwierig sind. Dann ist besondere Sorgfaltspflicht geboten. Sie hätten in der konkreten Situation nicht überholen dürfen.“ Auch das Notfall-Argument zog nicht: „Sie hätten zwei Sekunden verloren, und nichts wäre passiert.“ Falsch entschieden habe die 57-Jährige auch beim Verlassen des Unfallorts. Selbst, wenn nur die vage Möglichkeit bestehe, zu einem Unfall beigetragen zu haben, bestehe die Pflicht, zur Aufklärung beizutragen. Das sei auch wichtig, damit Unfallopfer die Chance haben, Ansprüche geltend zu machen.

Von Martin Lauber

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6slqn371eautd2w7l5i
Zurück aus der Hölle des Flüchtlingslagers

Fotostrecke Burgwedel: Zurück aus der Hölle des Flüchtlingslagers