Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Angeklagter bekommt Denkzettel

Burgwedel Angeklagter bekommt Denkzettel

Jugendstrafe oder nicht? Für zwölffachen Drogenhandel muss ein 20-Jähriger jetzt Sozialstunden ableisten und eine Geldstrafe zahlen. Vor dem Amtsgericht Burgwedel ist er am Dienstag damit knapp an einem Arrest vorbeigeschrammt.

Voriger Artikel
Im Diagnose-Truck werden Mängel offenbar
Nächster Artikel
Ist das Wolfspaar noch in Fuhrberg?

Das Amtsgericht Burgwedel verurteilte den 20-Jährigen zu Sozialstunden und einer Geldstrafe.

Quelle: Martin Lauber (Archiv)

Burgwedel. „Was fangen wir jetzt bloß mit Ihnen an?“, so fasste es Jugendrichterin Franziska Vandrey für Verteidigung, Gericht und Staatsanwaltschaft zusammen. Der 20-jährige Angeklagte hatte sich nämlich mehr als gut im Burgwedeler Gerichtssaal verkauft: Die zwölf Verkäufe von Cannabis in der Wedemark gestand er umstandslos ein, sodass keine Zeugen gehört werden mussten. Er entschuldigte sich und trumpfte auch mit nunmehr geregelten Familienverhältnissen und einer sicheren Ausbildungsstelle auf. „Der Junge arbeitet so viel, er hatte kaum Zeit für einen Termin mit mir“, lobte auch sein Verteidiger den „absoluten Umbruch“ im Leben seines Mandanten. „Kiffen tue ich seitdem nicht mehr, und zu meinen Freunden von damals habe ich den Kontakt abgebrochen“, beteuerte der Angeklagte.

Tatsache ist jedoch: Der zwölffache Drogenhandel, der am Dienstag verhandelt wurde, war nicht sein erster Fehler. Bereits 2014 war er für ein Dutzend Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz verurteilt worden. „Und Sie waren bei den Taten 18 und 19 Jahre alt“, hielt ihm der Staatsanwalt vor. Zwischen 18 und 21 Jahren liegt es im Ermessen des Gerichts, ob ein Angeklagter nach Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht verurteilt wird.

„Mit dieser Entscheidung tue ich mich sehr schwer“, sagte denn auch die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe. Ist Cannabis-Handel unter Freunden eine jugendspezifische Straftat? Lagen zum Zeitpunkt der Taten Reifeverzögerungen vor? Am Ende sprach sich die Expertin für ein Seminar bei der Drogenhilfe aus. Für den Staatsanwalt nicht genug: „Das Problem ist doch: Im Herbst wird der junge Mann 21 und rutscht ins Erwachsenenstrafrecht. Wie kann ein Denkzettel aussehen, dass er versteht, was dann auf ihn zukommt?“ Auf Drogenhandel stünden für Erwachsene schließlich Freiheitsstrafen. Der Anklagevertreter plädierte daher auf Freizeitarrest: „Da denken Sie noch einmal in Ruhe nach.“

So schlimm kam es letztlich nicht: 20 Sozialstunden, 200 Euro Strafe und das vorgeschlagene Seminar standen im Urteil nach Jugendstrafrecht. „Aber ich habe über Arrest nachgedacht“, betonte die Richterin. Die neuen Lebensumstände des Angeklagten hätten sie aber davon abgehalten. „Nehmen Sie sich das zu Herzen: Heute stand das alles auf der Kippe.“

Von Carina Bahl

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6slqn371eautd2w7l5i
Zurück aus der Hölle des Flüchtlingslagers

Fotostrecke Burgwedel: Zurück aus der Hölle des Flüchtlingslagers