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Angeklagter fährt ohne Urteil besser

Burgwedel Angeklagter fährt ohne Urteil besser

Kann man es überhören, wenn ein anderer Wagen auf der Autobahn direkt neben einem selbst in die Leitplanke einschlägt und dessen Fahrer zudem mehrfach hupt? Diese Frage hat am Donnerstag das Amtsgericht Burgwedel beschäftigt.

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Das Amtsgericht Burgwedel hat jetzt eine Unfallflucht auf der Autobahn 7 verhandelt.

Quelle: Symbolbild: Martin Lauber

Großburgwedel. Mit etwa Tempo 180 war ein Hamburger Unternehmensberater an jenem Oktobermorgen 2015 mit seinem BMW auf der linken Spur der Autobahn 7 in Richtung Süden unterwegs gewesen. Plötzlich, so schilderte es der 28-Jährige im Zeugenstand, sei der Wagen direkt vor ihm von der mittleren auf die Überholspur gewechselt, um eine Lastwagen-Kolonne zu überholen. Die sensorgesteuerte Bremsautomatik des BMW löste aus – "ich wusste aber sofort, dass ich das nicht mehr schaffe. Das waren nur knapp zehn Meter“, schilderte der Zeuge die Situation.

Um einen schlimmen Aufprall auf den VW Golf zu verhindern, lenkte er seinen Wagen nach links gegen die Mittelleitplanke, geriet auf den schmalen Grünstreifen links neben dem vorausfahrenden Wagen. Zu 80 Prozent, so der Hamburger, seien die Wagen auf gleicher Höhe gewesen. Zudem habe er mehrfach gehupt. Der Schaden an seinem BMW belief sich auf immerhin 10 000 Euro.

Der 69-jährige Golf-Fahrer, angeklagt wegen Unfallflucht, behauptete dennoch, von dem Verkehrsunfall nichts mitbekommen zu haben. "Das hätte ich doch gehört. Und ich höre sehr gut“, so der Wedemärker, der erst durch einen Anruf der Polizei vom Geschehen erfahren haben will. Den Strafbefehl über 30 Tagessätze und eine viermonatige Führerscheinsperre – von denen zwei Monate zwischenzeitlich schon abgegolten sind – hatte er nicht akzeptieren wollen. Deshalb war es überhaupt zur Verhandlung gekommen.

Doch Amtsrichter Michael Siebrecht machte dem Wedemärker schnell klar, was es bedeuten würde, den Einspruch aufrechtzuerhalten: Im Falle einer Verurteilung drohe ihm eine Führerscheinsperre von mindestens drei Monaten. Wenn man ihm die Unfallflucht aber nicht nachweisen könne, weil er tatsächlich nichts gehört habe, dann stelle sich die Frage nach der Fahreignung des Seniors – die möglicherweise bei einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchung ("Idiotentest“) beantwortet werden müsste.

So belehrt, steckten der Angeklagte und sein Strafverteidiger in einer kurzen Sitzungsunterbrechung die Köpfe zusammen – und zogen den Einspruch gegen den Strafbefehl dann zurück. "Besser so“, kommentierte Amtsrichter Siebrecht diesen Ausgang des Verfahrens.

Von Frank Walter

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