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Ansturm aufs Jugendzentrum

Burgwedel Ansturm aufs Jugendzentrum

Großburgwedels Jugendzentrum hat sich zum Anlaufpunkt für junge Flüchtlinge entwickelt. Populär gemacht hat das Freizeithaus die Fahrradwerkstatt - ein „Volltreffer“, sagt Jugendpfleger Uli Appel.

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Freitag, 16.15 Uhr: Das Jugendzentrum füllt sich.

Quelle: Martin Lauber

Burgwedel. Je später der Abend, desto zahlreicher die Gäste: Wenn das Jugendzentrum werktags um 19.30 Uhr und freitags um 20.30 Uhr schließt, verlassen bisweilen 60 bis 70 junge Asylbewerber aus aller Herren Länder das Haus, berichtete Appel am Donnerstagabend im Jugendausschuss. Das Team sei bestens qualifiziert für diese Herausforderung. Die Sozialarbeiter und Erzieher hätten sich auf die neuen Gäste, von denen auch manche schon auf die 30 Jahre zugehen, eingestellt.

Hoch im Kurs stehen Tischtennis, Billard, Computerspiele und Krökeln. Ein irakischer Junge verstärkt das Team, das Burgwedel bei der deutschen Tischfußball-Meisterschaft vertritt. Andere seien bei Arbeiten rund ums Haus behilflich, berichtete Appel. Ein Grafikdesigner aus Syrien gestalte einen Flyer der Jugendpflege.

Die hohe Besucherfrequenz spiegelt sich unter anderem im Absatz von Tiefkühlbaguettes (für 50 Cent) und -pizzen (für einen Euro) wider, der sich vervielfacht hat. Musik wird ab 18 Uhr nicht mehr gespielt, damit der Geräuschpegel nicht zu hoch wird.

Wie der Stadtjugendpfleger malte auch Sven Hübner ein positives Bild von den jungen Flüchtlingen. Hübner sitzt als Geschäftsführer Erziehung und Bildung der Pestalozzi-Stiftung beratend im Ausschuss. Die Stiftung betreut unbegleitete jugendliche Flüchtlinge, die zur Klientel des Jugendzentrums gehören. „Mit ihrer Höflichkeit und ihrem respektvollen Umgang tun sie unseren Wohngruppen ausgesprochen gut“, sagte Hübner. Auf Fragen aus dem Ausschuss erklärten er und Appel, keiner der jungen muslimischen Asylbewerber trage seine Religiosität im Alltag nach außen.

Seine große Bekanntheit bei Flüchtlingen verdankt das Jugendzentrum der ehrenamtlich geführten Fahrradwerkstatt im Keller. Mehr als 150 von Bürgern gespendete Räder hat sie, versehen mit Zahlenschlössern, ausgegeben. Donnerstags können Flüchtlinge beim Reparieren mit anpacken. „Wir haben ein Auge darauf, dass die Räder denen zugutekommen, die sie benötigen“, versprach Appel. Außer Sprachproblemen habe es anfangs auch andere Anlaufschwierigkeiten gegeben. Mittlerweile werde jedes abgegebene Fahrrad registriert. Ersatz bekomme nur, wer einen Fahrraddiebstahl persönlich bei der Polizei anzeigt. Das sei gut gegen Berührungsangst, die bei einigen aus schlechten Erfahrungen mit Uniformierten in ihrer Heimat resultiere.

Von Martin Lauber

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