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Junglandwirt setzt auf blaue Beeren

Burgwedel Junglandwirt setzt auf blaue Beeren

Beim Reinbeißen platzt die blaue Schale mit einem leisen "Knack": Auf der Heidelbeerplantage von Junglandwirt Christoph Henke südöstlich von Thönse sind die ersten Früchte reif. Für den Kleinburgwedeler ist die bevorstehende Ernte der Start in seine unternehmerische Zukunft. Und die sieht er - anders als seine Vorfahren - nicht in der Milchwirtschaft.

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Die ersten Blaubeeren sind reif - in Thönse beginnt die Ernte.

Quelle: Martin Lauber

Thönse.. Die letzte Eiszeit hat in der Landschaft zwischen Thönse und Oldhorst einen Buckel hinterlassen. Die sandige Endmoräne, auf der früher Getreide gedieh, ist für die acht Hektar große Plantage ein idealer Standort: magerer und durchlässiger Boden, denn nasse Füße mag die empfindliche Kulturheidelbeere nicht besonders.

52 Kilometer Tropfschläuche hat Henke hier im Herbst 2014 verbuddelt, bevor 26.000 kleine Beerensträucher gesetzt wurden, die er alle im letzten Winter selbst von Hand beschnitten hat. Bis zur Sollhöhe von 1.70 Meter und bis zu vollen Erträgen werden die jetzt kniehohen Pflanzen noch drei Jahre gehegt werden müssen. Aber sie tragen schon ansehnlich. Mit einem Griff ist die Hand voll. Drei verschiedene Sorten stehen in Reih und Glied, so dass bis September der Nachschub nicht ausgeht.

Nach dem Abi in Großburgwedel hat Henke in Kiel Agrarwissenschaften studiert. Von Ökonomie versteht er etwas, hat sich in Europa bei Heidelbeer-Anbauern umgeschaut, Großabnehmer gefunden, aber auch Möglichkeiten der Direktvermarktung geprüft. So öffnet am 14. Juli auf dem väterlichen Betrieb  ein Blaubeer-Hofladen. Auch im Kleinen Hofcafé in Thönse wird es seine Heidelbeeren geben. Außerdem ist der 28-Jährige eins der "Hoftalente", die ein Geschäft für regionale landwirtschaftliche Produkte beliefern, das unter diesem Namen am Sonnabend, 16. Juli, im hannoverschen Zooviertel eröffnet.

Das Gros der Ernte geht aber an den Großhandel. Bei 60 Prozent Lohnkostenanteil in Deutschland, erklärt Henke, sitze die Hauptkonkurrenz in Polen. Genau dorther kommen die sechs Pflückerinnen, die am Mittwoch auf dem Henke-Hof Quartier bezogen haben. Deutscher Mindestlohn plus eine Leistungskomponente seien vereinbart. 30 Lohnpflückerinnen werden gebraucht werden, wenn die Plantage einmal "erwachsen" ist. 

Henke junior ahnt, dass er bis dahin sicher noch einiges an Lehrgeld wird bezahlen müssen. Gleichwohl steht für ihn seit Jahren fest: "Milch werde ich nicht machen." Dieses Geschäft hielten am Ende nur jene durch, die finanziell "am besten gepolstert" sind. So wird sich der seit Jahrhunderten in Kleinburgwedel ansässige väterliche Milchviehbetrieb wohl spätestens beim nächsten Generationswechsel in den "Blaubeerhof Henke" verwandeln - auch wenn der dann ausgerechnet am Brombeerkamp liegt.

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Fotostrecke Burgwedel: Junglandwirt setzt auf blaue Beeren

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