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Bäckerei Adam soll weiterleben

Fuhrberg Bäckerei Adam soll weiterleben

„Wir machen weiter“: Nach dem plötzlichen Tod von Konditormeister Axel Adam sind seine Witwe Alke und Azubi Adam Ismail Hussein fest entschlossen, Fuhrberg seine alt-eingesessene Dorfbäckerei zu erhalten. Davon hängt auch die Zukunft des Lehrlings aus dem Nordsudan ab. Die Handwerkskammer will helfen, eine Lösung für den Fortbestand des Ausbildungsbetriebes zu finden.

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Alke Adam und Adam Muhammed: "Wir machen weiter."

Quelle: Lauber

Burgwedel. „Das Leben ist schön“ - dieser Sarah-Connor-Titel wird Sonnabend auf Axel Adams von viel Musik begleiteter Beerdigung erklingen. Und noch bis eine Stunde davor werden die Fuhrberger am adamschen Bäckertresen an der Dorfstraße frische Frühstücksbrötchen kaufen können.

Alke Adam ist 200-prozentig sicher, dass genau das im Sinne des Verstorbenen ist, der seine Backkunst ohne Fertigmischungen und Teiglinge 45 Jahre lang in der vom Vater übernommenen Backstube zelebriert hatte. „Seine Lust zu leben ist, was uns bleibt“, sagt seine Witwe. „Für uns bedeutet das nicht nur: Weitermachen und backen, sondern auch, dass die Leute sich hier im Café weiter treffen sollen.“ Wie bisher - bisweilen mit Kunst und Konzerten am Lehmofen.

Auf der nachgeholten Hochzeitsreise war Axel Adam am 23. Oktober in Rio de Janeiro, das ihm einen Traumempfang bereitet hatte, ohne Vorwarnung tot zusammengebrochen und in die Arme seiner Frau gefallen. Den Stammkunden hat Alke Adam es nicht übel genommen, Fragen beantworten zu müssen - im Gegenteil: „Erst kommt die Trauer, dann kommen die vielen lustigen Geschichten über Axel“, das ist ihre Erfahrung.

Aber er fehlt - das steht auch Azubi Adam ins Gesicht geschrieben. Für ihn war sein Meister zum Vaterersatz geworden. Seit zwei Jahren lebt der 30-Jährige aus dem Bürgerkriegsland Sudan unter einem Dach mit den Adams. Nach der Lehre soll er, der das gesamte adamsche Sortiment draufhat, 2017 die Backstube übernehmen.

Als Vorzeigebeispiel für gelungene Integration hatten es die beiden Adams mehrfach auf verschiedene Zeitungstitel geschafft. Wirtschaftsminister Olaf Lies lobte die beispielhafte Win-Win-Situation für Handwerk und Flüchtlinge.

Entsprechend sensibilisiert ist die Handwerkskammer Hannover für die aktuellen, durch den Tod Axel Adams entstandenen Nöte des Fuhrberger Azubis, der jetzt ohne Meister dasteht. Sein Bleiberecht wird wohl die Härtefallkommission beschäftigen.

Eine Mitarbeiterin des von Land, Landkreisen und der Handwerkskammer gegründeten „Integrationsprojekts Handwerkliche Ausbildung für Flüchtlinge und Asylbewerber“ (Ihafa) hat sich des Falls Adam Ismail Hussein angenommen. Sabine Wilp, Sprecherin der Kammer, erklärt auf Anfrage: „Wir sind sehr bemüht, dass das weiter gehen kann und werden an vielen Türen rütteln. Undenkbar ist nichts, es muss nur handwerksrechtlich sauber sein.“ Ideen seien gefragt: Kehrt etwa ein Bäcker- oder Konditormeister als Retter aus dem Ruhestand zurück?

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