Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Die 28. war Kruses letzte Osterfreizeit

Burgwedel Die 28. war Kruses letzte Osterfreizeit

Mit 40 geistig behinderten Menschen auf große Tour zu gehen – ehrenamtlich – das traut sich bundesweit fast keiner. Friedrich Kruse, seit 1987 Chef des TSG-Behindertensports, hat es bei 28 Freizeiten getan – in diesen Osterferien das letzte Mal. „Ich kann nicht mehr“, sagt der gesundheitlich angeschlagene 75-Jährige.

Voriger Artikel
Jugendliche schnuppern in soziale Berufe
Nächster Artikel
Radweg wird erst 2017 fertig

Wer tritt in seine großen Fußstapfen? Mit Friedrich Kruse stehen und fallen seit 28 Jahren Behindertensport und -freizeiten in Burgwedel.

Quelle: Martin Lauber

Großburgwedel. Die zehn Tage im Kurort St. Englmar im Bayrischen Wald sind für die (diesmal 12- bis 55-jährigen) Teilnehmer aus Burgwedel und Hannover das Highlight, auf das sie sich das ganze Jahr freuen. Mit dem stets komplett reservierten "Haus Tannenhof" sind die meisten längst so vertraut wie mit den schier unerschöpflichen Freizeitmöglichkeiten vor Ort. Wandern, Baumwipfelpfad, therapeutisches Reiten, Langlauf, Schwimmen, Shoppen, Werken, Sport oder ausgelassene Discos – jeden Tag dürfen sie frei wählen. Zu den Ritualen gehört eine Lichterprozession am Karfreitag ebenso wie das Mitsingen im Ostergottesdienst in der Hauskapelle des Tannenhofs.

"Diese Fröhlichkeit und Fürsorge untereinander waren für mich eine große Bereicherung", sagt Großburgwedels Ortsbürgermeister, selbst Vater eines behinderten Sohns. Erstmals hat Rolf Fortmüller die zehnköpfige Betreuerriege verstärkt – und selten zuvor seinen Linus so gelöst erlebt.

Eine Behindertenfreizeit in dieser Größenordnung ist in jeder Hinsicht etwas Besonderes – zumal die TSG in Zusammenarbeit mit dem Behindertensportverein Hannover auch Menschen mit Handicaps mit in den Bayrischen Wald nimmt, die von ihren Einrichtungen bei Freizeiten meist zu Hause gelassen werden, weil seiner Einzelbetreuung bedürfen.

Ohne die idealen Voraussetzungen im Haus Tannenhof, das Kruse 1987 in einem Prospekt entdeckt hatte, wäre das gar nicht möglich. Auch wegen der ortsübergreifenden Kontakte sei mit der Osterfreizeit "etwas Lebendiges" entstanden, findet der Diakon und Religionslehrer, dessen spielpädagogische Ausbildung sich im freundschaftlich-humorvollen Umgangston widerspiegelt. "Ich bin von zuhause aus geprägt", erklärt Kruse: Auslöser für sein jahrzehntelanges Engagement war die eigene geistig behinderte Tochter.

Außer den Freizeiten hat der 75-Jährige auch die Behindertensportabteilung der Turnerschaft mit ihren 100 Mitgliedern – die einzige regionsweit in einem normalen Sportverein – seit 1987 unter seiner Obhut. Auch deren Leitung wird er in absehbarer Zeit aus gesundheitlichen Gründen abgeben müssen. Dass es weiter geht, wird eine Herausforderung für die TSG, die nicht leicht zu meistern ist.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten