Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Was wächst auf unseren Äckern?

Burgwedel/Isernhagen Was wächst auf unseren Äckern?

Die ersten Frühkartoffeln sind bereits ausgegraben worden, bald ist der Raps an der Reihe. Wie gut kennen die Menschen heute eigentlich die Früchte des Feldes, bevor sie auf dem eigenen Teller landen?

Voriger Artikel
Kinder lernen Wolf mit allen Sinnen kennen
Nächster Artikel
Kochprojekt verbindet verschiedene Nationen

Uwe Siemers (rechts) stellt den Teilnehmern die verschiedenen Feldfrüchte vor – hier steht er an einem Acker mit Weizen.

Quelle: Mario Moers

Burgwedel. Bei einer spannenden Radwanderung in die Burgwedeler Feldflur erklärte Landwirtschaftsexperte Uwe Siemers vom Naturschutzbund (Nabu) Burgwedel und Isernhagen am sonnigen Sonntagvormittag fachkundig, was gerade wächst auf Burgwedels Äckern. Dabei wurde deutlich, dass sich ökologische, wirtschaftliche und sogar gesellschaftspolitische Entwicklungen und Diskurse auch auf den heimischen Feldern widerspiegeln.

Ein Breitbandherbizid bestimmt seit Monaten die Schlagzeilen. Auch auf den Feldern rund um Burgwedel ist der Einsatz Glyphosat-haltiger Spritzmittel allgegenwärtig. Auf einem Weizenfeld nahe der Pestalozzi-Stiftung ist die Wirkung eindrucksvoll sichtbar. Mitten in dem gepflegten, prächtig gewachsenen Weizen erregt ein scheinbar verwilderter Streifen die Aufmerksamkeit der Fahrradfahrer. "An der Stelle waren die Düsen der Spritze verstopft, so konnten dort Ungras und Beikraut wachsen“, erklärt Uwe Siemers zum Erstaunen der 16 Teilnehmer. Windhalm und Hundskamille haben sich zwischen den Ähren breit gemacht. "In den frühen siebziger Jahren waren die Bauern froh, dass es wieder ein Totalherbizid gab“, erklärt Siemers. Angeregt diskutieren die Teilnehmer die Vorteile und Gefahren des potenziellen Krebserregers. "Man bekommt Hochachtung davor, was Landwirte heutzutage alles beachten und wissen müssen“, findet Teilnehmer Peter Böer.

Auf allen Flächen, den konventionell und den ökologisch bewirtschafteten, ist der Einsatz oder aber der Verzicht auf Spritzmittel deutlich sichtbar. Vor einem kleinteilig biologisch bestellten Kartoffelfeld weist Siemers die Gruppe auf die bräunliche Färbung der Blätter hin. "Das schwülwarme Wetter hat dort vermutlich zur Knollenfäule geführt“, weiß Siemers. Ohne die "chemische Keule“ ist die Ernte wohl verloren. "Durch solche Fragen und Antworten versteht man vieles, was sich einem nicht ohne weiteres erschließt“, findet eine Teilnehmerin. "Die Bauern müssen zusehen, was sich überhaupt noch lohnt anzubauen“, kommentiert Siemers die Auswirkungen von globalem Handel, Energiewende und Umweltschutz auf die Landwirtschaft. Das alles wirkt sich direkt und vor den eigenen Augen aus, auf den Feldern rings um Burgwedel.

Die nächste Radtour des Nabu führt am Sonnabend, 23. Juli, zu den vereinseigenen Grundstücken in Burgwedel. Die Tour beginnt um 9 Uhr auf dem Domfrontplatz. Die Kosten für Nichtmitglieder betragen 3 Euro.

Das Rekordgetreide

Nicht nur im Norden ist der Roggen beliebt. Mit deutlichem Abstand ist Deutschland weltweiter Spitzenreiter unter den Roggenproduzenten. Verwandt wird beinahe ausschließlich der sogenannte Hybrid-Roggen, eine Kreuzung verschiedener Arten. Unerwünschter Nebeneffekt ist mitunter eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber dem Mutterkorn, einem für Menschen giftigen Pilz.

Die tolle Knolle

160 Sorten sind in Deutschland zugelassen: Die Kartoffel gehört nach wie vor zu den beliebtesten Gemüsesorten der Deutschen, obwohl der Pro-Kopf-Verbrauch nur noch ein Viertel dessen beträgt, was vor 100 Jahren verzehrt wurde. Wenig bekannt ist, dass nach der Einführung in Europa viele Menschen durch die Kartoffel ums Leben kamen. Statt der schmackhaften Knolle aßen sie die giftigen Beeren.

Das Mittelaltergemüse

Bereits im Mittelalter war die Zuckerrübe in deutschen Gemüsegärten zu Hause. Mit der Entwicklung eines Verfahrens, Zucker aus der Wurzel zu gewinnen, begann der großflächige Anbau der Rüben. Mit 17,8 Prozent Zuckergehalt ist sie dem Rohrzucker allerdings unterlegen, was den Anbau zunehmend unwirtschaftlich macht. Vor der selektiven Züchtung betrug der natürliche Gehalt nur 10 Prozent.

Der Gesunde

Es enthält mehr Omega-3-Fettsäuren als Oliven. Früher bitter und in der Antike höchstens für technische Zwecke verwandt, ist Rapsöl heute ein beliebtes Speiseöl. Erst seit 1974 wird er im größeren Umfang angebaut. Damals gelang es, die Bitterstoffe durch Zucht zu beseitigen. Eine "ursprüngliche“ Rapssorte gab es nicht. Die Pflanze ist durch die Vermischung von Wildkohl und Rüpsen entstanden.

Der Gasproduzent

Der meiste Mais, der in Deutschland angebaut wird, ist für den menschlichen Verzehr ungeeignet. Er dient fast ausschließlich der Energie- oder Tierfutterproduktion. Für die Herstellung von Biogas ist dabei die reine Trockenmasse entscheidend. Energetisch ist die Umwandlung des Getreides in Strom dabei nur wenig effektiv. Die Rentabilität durch Subventionierung führt trotzdem zur weiteren Verbreitung.

Von Mario Moers

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6slqn371eautd2w7l5i
Zurück aus der Hölle des Flüchtlingslagers

Fotostrecke Burgwedel: Zurück aus der Hölle des Flüchtlingslagers