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Betrüger gibt sich als Airbus-Chef aus

Burgwedel Betrüger gibt sich als Airbus-Chef aus

Mehrfach hat ein 65-Jähriger seinen Arzt betrogen. Dafür hat ihn das Amtsgericht Burgwedel zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten auf Bewährung verurteilt.

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Ein Betrüger, der sich als Airbus-Chef ausgegeben hat, muss für sieben Monate in Haft.

Quelle: Symbolfoto

Burgwedel. „Die Justiz ist bei Wiederholungstätern, die sich von Strafen nicht beeindrucken lassen, fantasielos: Sie sperrt diese Menschen weg“, erklärte Amtsrichter Michael Siebrecht. „Die sieben Monate auf Bewährung sollten Sie jetzt als letzte Chance verstehen - noch einmal werde ich nicht so freundlich sein.“ In der Tat ist das Urteil für mehrfachen Betrug gestern mild ausgefallen: Seit 1993 wurde der 65-Jährige bereits achtmal für mehr als 30 Betrugsfälle verurteilt - zu Geld- und Haftstrafen, mit und ohne Bewährung.

2013 und 2014 hatte sich der Frühpensionär regelmäßig von einem Burgwedeler Arzt behandeln lassen und sich als Privatpatient ausgegeben. Tatsache ist jedoch: Der Mann war nie versichert. Statt das in der Praxis deutlich zu machen, setzte er noch einen obendrauf: Der Patient rühmte sich damit, in leitender Position bei Airbus für die Auslieferung von Flugzeugen verantwortlich zu sein. „Ich habe nicht daran gezweifelt, er hat das so überzeugend dargestellt“, sagte der betroffene Arzt aus. Als der 65-Jährige ihm anbot, ihn und seine Familie auf einem Testflug des neuen A380 mitzunehmen, nahm der Arzt dankend an - legte 250 Euro auf den Tisch: „Das war für die Versicherung beim Flug, hat er mir erzählt.“ Erst als der Patient ihn immer wieder vertröstete und auch keine Rechnung beglichen wurde, bemerkte der Arzt, dass er einem Betrüger auf den Leim gegangen war.

Die Biografie des Angeklagten ließ das Gericht nicht kalt: Einst war der Mann Polizist gewesen, musste jedoch nach einem Unfall in Frühpension gehen. In seinem zweiten Job in der Touristikbranche arbeitete er sich bis zum Geschäftsführer hoch - bis das Unternehmen verkauft wurde. Hinzu kommen eine gescheiterte Ehe, kein Kontakt mehr zu den Kindern und immense Geldsorgen. „Mein Mandant hat sich bereits freiwillig für eine Betreuung entschieden“, betonte sein Anwalt. Alle Forderungen seien beglichen, der 65-Jährige dank seiner neuen Lebensgefährtin jetzt in stabilen Verhältnissen. „Seine Prognose ist positiv“, plädierte der Verteidiger für ein mildes Urteil.

Das bekam sein Mandant auch - „aber damit es spürbar ist, sind 200 Stunden gemeinnützige Arbeit Pflicht“, ergänzte der Richter. Den vernünftigen Eindruck, den der Staatsanwalt dem Angeklagten attestierte, relativierte Siebrecht allerdings: „Wenn ein Betrüger keinen guten Eindruck hinterlassen kann, wer dann? Davon lasse ich mich nicht blenden.“

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