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Maisernte lässt Lampen leuchten

Burgwedel Maisernte lässt Lampen leuchten

Das war’s bald mit den meterhohen Maiswänden für 2016: Tonnenweise werden die Pflanzen von imposanten Häckslern bis auf Stoppellänge abgeerntet, um die Silagebecken der Biogasanlagen zu füllen. Mancher Nicht-Bauer freut sich auf freie Sicht. Und die Landwirte bringt es auf die Palme, wenn man den Mais als Monokultur kritisiert.

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Die Maisernte hat begonnen.

Quelle: privat

Burgwedel. „Man sieht als Autofahrer oder Fußgänger nur Mais und keinen Horizont. Vielen ist das unheimlich“: Biogas-Pionier Hermann Wöhler weiß, dass die großen Maisfelder einen schlechten Ruf genießen – und zwar nicht nur aus optischen Gründen. Unter anderem sollen Überdüngung, Erosion und eine Einschränkung des Lebensraums für Tiere die Folge sein.

Schweinezüchter Wöhler aus Fuhrberg kennt das Biogas-Geschäft und dessen Kritiker seit 2002. Mit seiner 200 kW-Anlage war er weit und breit der erste. „Der Maisanbau ist in der Vergangenheit leider oft falsch angegangen worden“, räumt Wöhler ein, der selbst auf 100 Hektar Silomais anbaut. Mittlerweile legt er aber extra Grünstreifen an seinen Maisfeldern an, auf denen unter anderem Sonnenblumen wachsen. Den Vorwurf der Umweltschädigung könne er entkräften, sagt der Landwirt – durch regelmäßige Bodenproben, dem Anbau von Zwischenfrüchten gegen die Erosion und Grasuntersaat.

Uwe Siemers vom Naturschutzbund (Nabu) Burgwedel und Isernhagen hat naturgemäß einen differenzierteren Blick auf die Problematik: „Eine Vermaisung ist da, das sieht ja ein jeder“. Der ehemalige Lehrer hat aber Verständnis für die Landwirte. Wegen der niedrigen Weltmarktpreise für etliche Getreidesorten seien die Möglichkeiten eben begrenzt, meint Siemers, der selbst Landwirtschaft studiert hat. Der ehemalige Landwirt hat einige Bienenstöcke, kann aber aus Sicht des Imkers nichts Negatives berichten: „Mais ist ein wichtiger Pollenlieferant, wenn andere Pflanzen schon nicht mehr blühen.“

Burgwedels insgesamt fünf Biogas-Anlagen stehen in Wettmar, Thönse, Kleinburgwedel und Fuhrberg. Zusammen kommen sie auf eine Stromleistung, die ausreicht, um circa 1000 Waschmaschinen, 2300 Kaffeemaschinen oder 140 000 Energiesparlampen ein Jahr lang zu betreiben. Laut Fachverband für Biogas liefert ein Hektar Mais ein Jahr Strom für vier Vier-Personen-Haushalte. In Thönse hat die Biogasanlage zusätzlich genug Wärme übrig für ein Nahwärmenetz, andernorts wird zum Beispiel Brennholz oder Getreide getrocknet. Die Betreiber der Kleinburgwedeler Biogasanlage bieten ihren Strom sogar direkt an der Börse an.

Mehr Anlagen als die bestehenden fünf können es in Burgwedel nicht mehr werden, denn in Niedersachsen sind sie mittlerweile tabu in Wasserschutzgebieten, aus denen das Stadtgebiet zu 90 Prozent besteht. Gleichwohl lautet die einfache Rechnung: Je mehr Mais, desto mehr Strom. Zu viel Mais sei es bisher aber noch nicht, behaupten Biogasanlagenbetreiber Florian Leisenberg, Geschäftsführer der Kleinburgwedeler Strombauern: „Natürlich gibt es mehr Mais als vor 20 Jahren. Bei uns in Burgwedel wird aber nur auf zehn Prozent der Flächen Mais angebaut.“

Das hat auch etwas mit dem Futtermix zu tun: Der Thönser Landwirt Christian Büchtmann zum Beispiel füttert die Bakterien in seinem Bioreaktor nur zur Hälfte mit Mais. Die Mikroorganismen bauen das organische Substrat nach und nach ab und verdauen es zu Methangas, mit dem die Stromturbinen befeuert werden. 40 Prozent des Bakterienfutters macht Rindergülle aus, zehn Prozent bestehen aus Gras. Ähnlich sieht es in den anderen Anlagen aus: Je nach Baujahr gibt es unterschiedliche gesetzliche Höchstgrenzen für den Maisanteil. Für die nach 2012 gebauten Anlagen gilt ein 50-Prozent-Limit, das in den nächsten Jahren weiter gesenkt werden könnte. Auch die Betreiber älterer Anlagen in Burgwedel bleiben nach eigenen Angaben darunter.

Allemal bedeutet es richtig viel Arbeit, den Hunger der Mikroorganismen zu stillen: 20- bis 22-mal am Tag werde „nachgelegt“, weiß Leisenberg. Um das ganze Jahr über Gas produzieren zu können, brauche es volle Lager. Deshalb werden in der Maiskampagne bald wieder die bis zu 800 PS starke Maschinen mit hausbreiten „Gebissen“ ausschwirren. Die gehäckselten Pflanzen gären dann 90 Tage in den Silobecken unter Folie. Pro Biogasanlage kommen etliche Tausend, teilweise auch mehr als 10000 Tonnen Silage zusammen.

Von Kai Schuntermann

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