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Aus der Feldmark ins Gericht

Burgwedel Aus der Feldmark ins Gericht

Weil sie aus Ärger über das vermeintliche Fehlverhalten eines Autofahrers deutlich zu weit gegangen war, muss eine Burgwedelerin eine Geldstrafe in Höhe von 1050 Euro bezahlen. Das Amtsgericht Burgwedel verurteilte die Frau gestern wegen Nötigung.

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Das Amtsgericht Burgwedel hat eine 56-Jährige wegen Nötigung zu einer Geldstrafe verurteilt.

Quelle: Frank Walter

Burgwedel. Wenn sich Fußgänger und Autofahrer in der Feldmark begegnen, dann können die Gemüter schon einmal hochkochen. Da wird vermeintlich nicht Platz gemacht oder zu schnell gefahren – und darf der Fahrer sein Auto tatsächlich bewegen, wo doch Schilder nur landwirtschaftlichen Verkehr zulassen?

Eine solche Gemengelage war es denn auch Anfang März 2016 nahe der Würmseekreuzung. Man kannte sich, man mochte sich nicht: Die angeklagte 56-Jährige berichtete davon, dass ihr Widersacher sie schon einmal bei früherer Gelegenheit angebrüllt habe. Dieser wiederum erzählte von einer Nachricht an seiner Windschutzscheibe, auf dem ihm die Frau mit einer Anzeige gedroht habe.

Der Mittsechziger, selbst Jurist und außerdem Jäger mit Begehungsschein, hatte an jenem März-Abend in der Feldmark seine Jagdhunde trainiert und war auf dem Heimweg. Sein Training sei der Frau schon länger ein Dorn im Auge gewesen, sagte er als Zeuge aus. Als er sich ihr langsam mit dem Wagen genähert habe, habe sich die Frau ihm auf ihrer abendlichen Joggingrunde in den Weg gestellt und die Fahrbahn auf voller Breite blockiert. „Sie sprang immer von links nach rechts.“ Wenden und einen anderen Weg nehmen habe er wegen der Gräben nicht gekonnt, die in der Dunkelheit nicht zu erkennen gewesen seien. Deshalb sei er ausgestiegen und habe sie gebeten, Platz zu machen – woraufhin die Frau ihn mit vorgehaltener Pfefferspraydose bedroht habe.

Die angeklagte Frau schilderte den Vorfall anders: Der Wagen sei flott auf sie zugefahren, sie habe dem Fahrer keineswegs den Weg versperrt – er habe genug Platz gehabt, um vorbeizufahren. Stattdessen sei der Mann ausgestiegen, sie habe sich bedroht gefühlt und deshalb mit dem Spray Abwehrbereitschaft signalisiert. Sie sei schon einmal getreten und ihres Handys beraubt worden, „das passiert mir kein zweites Mal“. Als der von ihrem Kontrahenten herbeigerufene Jagdpächter eingetroffen sei, habe sie sich „regelrecht umzingelt“ gefühlt.

Dumm nur, dass sich die Fußgängerin gegenüber der hinzugerufenen Polizei anders geäußert hatte. Laut Aussageprotokoll habe die Frau den Autofahrer aufhalten wollen. Er habe den Weg nicht befahren dürfen, sie habe der Polizei ermöglichen wollen, seine Personalien festzustellen, so ihre damaligen Angaben. „Wenn ich das so geschrieben habe, dann war das auch so“, sagte die Polizistin im Zeugenstand aus.

Vor dem Hintergrund dieser Aussage plädierte der Strafverteidiger der Angeklagten vergeblich auf einen Freispruch: Amtsrichter Michael Siebrecht verurteilte die bislang unbestrafte Frau wegen Nötigung zu 15 Tagessätzen zu je 70 Euro. Sie habe sich im Recht geglaubt, „aber Sie hatten nicht das Recht, ihn aufzuhalten. Sie durften sich nicht hinstellen und Sheriff spielen.“ Zwar sei es Bürgern sogar erlaubt, jemanden vorläufig festzunehmen – dies sei aber nur bei Straftaten der Fall. Im vorliegenden Fall habe der Jagdberechtigte aber nicht einmal eine Ordnungswidrigkeit begangen, dazu gebe es ein eindeutiges Urteil des Oberlandesgerichts, erläuterte Siebrecht. Dazu hätte die Frau vorher besser einen Rechtsanwalt befragen sollen. „Und sonst hätten Sie sich das Autokennzeichen merken und als Zeugin fungieren können“, machte ihr der Richter ihre strafbare Grenzüberschreitung klar.

Von Frank Walter

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