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Bewährungsstrafen nach Stichen mit Flaschenhals

Burgwedel/Wedemark Bewährungsstrafen nach Stichen mit Flaschenhals

Weil sie einen 34-Jährigen angegriffen und schwer verletzt hatten, hat das Amtsgericht Burgwedel zwei Männer aus der Wedemark zu mehrmonatigen Haftstrafen auf Bewährung verurteilt. Täter und Opfer kennen sich seit Jahren.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Burgwedel. Die Andenken an die Tatnacht im August 2013 waren nicht zu übersehen, als das Opfer im Prozess sein T-Shirt auszog: Narben an Brust, Rücken, Hals und Kinn zeugten von den neun Stichen mit einer abgebrochenen Bierflasche. Dass es überhaupt zu einer Verurteilung vor dem Amtsgericht kommen würde, war im fünfstündigen Prozess zwischenzeitlich fraglich: Sowohl Richter Michael Siebrecht als auch der Anwalt, der das Opfer als Nebenkläger vertrat, sahen das Tatgeschehen dicht an einem versuchten Totschlag - womit der Fall zum Landgericht verwiesen worden wäre und den beiden Angeklagten langjährige Freiheitsstrafen gedroht hätten. Ein Tötungsvorsatz ließ sich aber nicht beweisen. „Sie haben beide viel Glück gehabt - und mein Mandant auch“, sagte der Nebenklage-Vertreter.

Warum die beiden nur etwa 1,70 Meter kleinen Männer nach einem Wortgefecht bei einer Geburtstagsfeier den ihnen körperlich deutlich überlegenen 34-Jährigen zwei Stunden später abgepasst und attackiert hatten, wurde im Prozess nicht abschließend geklärt. Den ersten Angreifer (43 Jahre alt) konnte der 95-Kilogramm-Mann noch mit zwei Faustschlägen zu Boden schicken, der zweite (33) schlug nach Überzeugung des Gerichts mit dem später am Tatort gefundenen Flaschenhals zu. „Ich habe geblutet wie ein Schwein“, sagte der Nebenkläger aus.

Dabei kannten sich die Männer seit Jahren, waren im selben Dorf in Moldawien aufgewachsen. Der jüngere Angreifer war in der Wedemark ein Nachbar des Opfers, der ältere mit dessen Cousine verheiratet. Doch bei der Party waren Bier und Schnaps in Strömen geflossen. Der jüngere Angreifer hatte einen Alkoholwert von mehr als zwei Promille - was sich aber weder motorisch noch sprachlich stark geäußert haben soll. „Wir hatten alle getrunken, aber besoffen war keiner“, kommentierte das Opfer die Trinkgewohnheiten der Gruppe. Dass es dabei nicht immer friedlich bleibt, machte ein weiterer Satz deutlich: Schlagen komme ja vor, „aber Schneiden, das geht gar nicht“.

Die fünfstündige Verhandlungsdauer resultierte nicht nur aus den Sprachbarrieren der Angeklagten und Zeugen, über die eine Dolmetscherin half, sondern auch aus der Tatsache, dass sich die beiden Verteidiger in ihrer Strategie nicht einig waren: Während der des Älteren sogar einen Freispruch für seinen Mandaten für möglich hielt, sah der des anderen lediglich eine einfache Körperverletzung als erwiesen an. Vielleicht habe sich das Opfer beim Gerangel am Boden selbst an einer dort liegenden Flasche verletzt? „Das ist lebensfremd“, machte Richter Siebrecht klar und verurteilte den Jüngeren zu zwölf und den Älteren zu sechs Monaten Haft auf Bewährung. Weil das Verfahren lange unbearbeitet beim Amtsgericht lag, gab es darauf je zwei Monate Rabatt. Zudem müssen beide insgesamt 2000 Euro an ihr Opfer zahlen.

„Sie haben alle Glück gehabt - mit ein wenig Pech wäre was ganz anderes rausgekommen“, lautete das Schlusswort des Richters.

Von Frank Walter

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