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Richter fordert die Trennung

Burgwedel/Wedemark Richter fordert die Trennung

Nicht das Jawort füreinander, sondern ein Nein hat Amtsrichter Michael Siebrecht jetzt von einem Wedemärker Pärchen gefordert: Die beiden beschäftigen seit Jahren mit Stalkingvorwürfen das Amtsgericht in Burgwedel.

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Ungewöhnlich: Der Amtsrichter in Burgwedel fordert den Angeklagten auf, sich von seiner (Ex-)Freundin zu trennen.

Quelle: Martin Lauber (Archiv)

Burgwedel. Seit fast acht Jahren liefern sich Angeklagter und Zeugin eine On-off-Beziehung. „Eifersuchtsdramen gehören auch mit dazu“, gab der Verteidiger einen Einblick in die private Beziehung der beiden. Im Februar 2014 hatte die 42-Jährige ein Kontaktverbot erwirkt, weil ihr Ex sie angeblich nicht in Ruhe lasse: Ihr 38-jähriger Immer-mal-wieder-Freund durfte sie und ihre Familie per richterlicher Verfügung fortan nicht mehr kontaktieren oder aufsuchen. Genau das soll der Wedemärker laut aktueller Anklage aber im Februar getan haben - mit mehreren Anrufen. Gleichzeitig läuft ein Verfahren vor dem Amtsgericht Hannover, weil er seiner Exfreundin in der List nachgestellt haben soll.

Der Angeklagte konnte die Tatvorwürfe „absolut nicht nachvollziehen“: „Wir sind eigentlich zusammen. Aber immer, wenn sie keine Lust mehr auf mich hat, ruft sie die Polizei.“

In der Tat bestätigte auch das angebliche Opfer im Zeugenstand, dass trotz des Kontaktverbotes gemeinsam Silvester gefeiert und ein Kurzurlaub an der Ostsee verbracht worden war. „Es gab immer wieder auch schöne Momente“, sagte die Zeugin, versicherte aber unter Tränen, dass sie eigentlich ihre Ruhe vor dem Angeklagten haben wolle.

Amtsrichter Michael Siebrecht fand klare Worte: „Ich kann niemanden dafür verurteilen, dass er ein Kontaktverbot gebrochen hat, das auch von der anderen Seite nicht gelebt wurde.“ Die Frau habe ihrem Exfreund dadurch signalisiert, dass sie keinen Wert auf das einst erwirkte Verbot lege. „Stalkingfälle haben wir hier öfter“, betonte der Richter. „Wichtig dabei ist: Alles, was Hoffnung macht, ist falsch. Stalkingopfer sollten ihrem Gegenüber immer klar zu verstehen geben: Ich will das nicht.“

Dass die 42-Jährige die Anrufe und Besuche ihres ehemaligen Lebensgefährten mittlerweile wirklich nicht mehr will, daran ließ ihre Aussage im Gericht keinen Zweifel - auch wenn ihre Strategie in Sachen Trennung bisher nicht gerade erfolgreich war.

Für eine Verurteilung reichte es am Ende nicht - für ein paar mahnende Worte des Amtsrichters aber allemal: „Es kann nicht sein, dass Ihre private Beziehung Familien- und Strafgerichte dermaßen beschäftigt. Sie müssen das endlich unter sich klären“, mahnte Siebrecht und holte sich zum Abschied ein offizielles Versprechen ein, dass die Trennung nun endgültig und von beiden Seiten vollzogen werde. Die Reaktion des Angeklagten ließ jedoch bereits eine Fortsetzung befürchten. Zitat: „Wenn sie das wirklich will, dann machen wir das. Aber ob sie das will, weiß ich nicht.“

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