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Thönserin sagt US-Staatsbürgerschaft Good bye

Burgwedel Thönserin sagt US-Staatsbürgerschaft Good bye

Die Thönserin Charmaine Bagi hat ihre amerikanische gegen die deutsche Staatsbürgerschaft eingetauscht. Leicht machen die US-Behörden Abtrünnigen die Expatriation nicht.

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Charmaine Bagi hat die amerikanische gegen die deutsche Staatsbürgerschaft eingetauscht.

Quelle: Patricia Chadde

Thönse. Erst mit Mitte 40 wurde Charmaine Bagi klar: Der Geburtsort ist Zufall. Sie selbst, Tochter einer ausgewanderten Deutschen, wurde 1964 in Greensburg /USA geboren. 16 Monate nach ihrer Geburt trennte sich Charmaines Mutter von ihrem amerikanischen Ehemann und ging mit ihren Töchtern zurück in die Bundesrepublik. Sie landete in Niedersachsen, wo sie vier Jahre später ihren zweiten Mann heiratete und noch einen Sohn bekam.

In Thönse fand die fünfköpfige Familie ihr Glück. Charmaine Bagi genoss ihre Kindheit mit den Freiräumen des Landlebens inmitten der Natur, mit Spielgesellen auf der Straße beim Völkerball, beim Training in der Sporthalle, beim Ausritt mit ihrem Pony oder beim Orgelspiel. "Es war ein deutsches Leben, aber einige amerikanische Gewohnheiten pflegte meine Mutter weiter", zählt Charmaine Bagi auf: So war der Weihnachtsbaum immer eine Kunststoff-Tanne, zum Fest gab es Truthahnbraten, und auch das warme Essen am Abend war tägliches Ritual.

"Wir kannten liebe Menschen in den USA, so empfand ich immer eine Zugehörigkeit zu den Staaten. Gleichzeitig fühlte ich mich in meinem deutschen Zuhause wohl, das war in meiner Kindheit und Jugend kein Widerspruch", erinnert sich die 52-Jährige, die damals in der Schule allerdings immer ihren "komischen" Namen erklären musste. Wie sich später herausstellte, waren Charmaines genetische Anlagen nicht nur von der mütterlichen Seite her deutsch. So dass für sie immer intensiver die Fragestellung nach ihrer Identität, der wahren Staatszugehörigkeit aufkam.   

Nach der Hochzeit mit einem Deutschen und der Geburt von drei gemeinsamen Kindern war für Charmaine Bagi endgültig klar: Ich bin Deutsche wie meine Familie, hier gehöre ich ganz und gar hin. Die "Andersbehandlung" aufgrund des amerikanischen Passes sensibilisierten sie zusätzlich. Denn es mussten Papiere wie Aufenthaltsgenehmigung und Arbeitserlaubnis beantragt werden. Und lief der Pass ab, konnte er nur in der Hamburger Botschaft verlängert werden. "Das fühlt sich falsch an", fand Charmaine Bagi. "Ich lebe schon ewig in Deutschland, habe hier meine Familie gegründet, fühle mich hier sicher und wohl, werde aber als andersartig behandelt, wenn ich mit meiner Familie durch die Passkontrolle muss. Dann werden wir getrennt, und ich muss den nicht-europäischen Eingang nehmen", schildert die Thönserin.

Auch bei Wahlen bekam sie nie die Möglichkeit, politisch mitzuentscheiden, wie es in "ihrem" Land, in Deutschland, weitergehen sollte. Dabei empfindet sie es als Bürgerpflicht, wählen zu gehen: "Wenn man mit einem Zustand nicht zufrieden ist, muss man etwas ändern." Auch dieser Wunsch wurde intensiver, weil die geschilderten Begebenheiten in ihr ein Gefühl der Zerrissenheit erzeugten. 

Die Überlegungen dauerten insgesamt fünf Jahre. Es gab viele Gespräche mit Familie und Freunden, widersprüchliche Ratschläge und dann den festen Entschluss, der US-Staatsbürgerschaft Goodbye zu sagen - aus den genannten zutiefst persönlichen Motiven, nicht wegen der verschärften US-Steuergesetzgebung. Diese lässt seit Jahren die Zahl der  Auslandsamerikaner, die ihren Pass abgeben, sprunghaft ansteigen - eine Entwicklung, die der amerikanischen Regierung überhaupt nicht passt.

Charmaine Bagi ging mit einem Riesen-Papierstapel zur Ausländerbehörde, die sogar einen handgeschriebenen Lebenslauf haben wollte. 18 Monate dauerte die  aufregende Zeit im Schwebezustand zwischen "Nicht-mehr-Amerikanerin" und "Noch-nicht-Deutsche". Drohende Probleme bei künftigen Reisen in die Staaten schreckten die Thönserin ebenso wenig wie martialische Forderungen einiger Abgeordnete jenseits des Atlantiks, Abtrünnige gar mit einem generellen Einreiseverbot zu belegen. Jetzt ist sie keine Amerikanerin mehr - nachzulesen im "Federal Register" der amerikanische Bundesregierung, die vor acht Wochen ihren Namen  auf der Liste der "Individuen, die entschieden haben zu repatriieren", veröffentlicht hat.

Die ersehnte Einladung zur Einbürgerungsfeier in Hannover hatte die Thönserin aber schon vergangenes Jahr erhalten. Das Singen der Deutschlandhymne und der Schwur  auf das deutsche Grundgesetz gehörten zur Feierlichkeit dazu, bei der Regionspräsident Hauke Jagau ihr die Einbürgerungsurkunde persönlich überreichte. "Der Moment gab mir das wunderbare Gefühl, endlich angekommen zu sein. Ich war stolz, nun auch per Dokument die deutschen Zugehörigkeit zu haben", resümiert Charmaine Bagi. Und diese Empfindung hält seit einem Jahr ungebrochen an: "Es war eine wichtige und für mich richtige Entscheidung."

Von PATRICIA CHADDE

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