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Christian Meyl erhält Bundesverdienstkreuz

Burgwedel Christian Meyl erhält Bundesverdienstkreuz

In Burgwedel kennt man ihn als Arzt und Organisator des beliebten Suppenfestes – in Polen gilt er vor allem als eines: Retter in der Not. Für sein umfangreiches, soziales Engagement ist der Burgwedeler Christian Meyl am Freitagnachmittag mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden.

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Die stellvertretende Regionspräsidentin Angelika Walther zeichnet Dr. Christian Meyl mit dem Bundesverdienstkreuz aus.y

Quelle: Christian Stahl

Großburgwedel. Als Arzt ist Christian Meyl seit den Achtzigerjahren eine bekannte Größe in der Region, erst als Assistenzarzt des Großburgwedeler Krankenhauses, später als niedergelassener Gynäkologe. Doch sein medizinischer Einsatz beschränkt sich nicht auf den Beruf. Meyl unterstützt auch humanitäre Projekte wie die Johanniter-Sozialstationen in Nordpolen. Am Freitag erhielt der ehrenamtlich engagierte Großburgwedeler deshalb eine ganz besondere Würdigung: Im hannoverschen Haus der Region zeichnete ihn Angelika Walther als stellvertretende Regionspräsidentin mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland aus.

Als Mediziner hatte Christian Meyl ein offenes Ohr für die Belange seiner Patienten. Dennoch schloss er seine Praxis vor 15 Jahren, um sich mit ganzer Kraft seinem Ehrenamt zu widmen. Seit 1993 unterstützt er die Johanniter- Sozialstationen in den polnischen Gebieten der ehemaligen preußischen Provinz Ostpreußen, was er im Alltag mit „Ostpreußenhilfe“ abkürzt. Arme, Kranke und bedürftige Familien und ganz besonders Kinder beziehungsweise kinderreiche Familien stehen im Fokus.

Rund 130 Touren haben Christian Meyl und seine Ehefrau Sigrid bisher unternommen, denn sie transportieren die gespendeten Hilfsgüter immer persönlich: „Jede Reise wird ein Jahr vorher geplant, jeder Termin auf eine Viertelstunde genau vereinbart“, erläutert der 71-Jährige. Beispielhaft schildert er die 3000 Kilometer lange Nordpolen-Rundreise mit dem Besuch von zehn Sozialstationen. „Wir bringen Sachspenden im Wert von 35 000 Euro mit“, so Meyl. Neben Arzneimitteln, Rollstühlen und Rollatoren zählen auch Bettwäsche und Waschmittel für die Sozialstationen zum notwendigen Bedarf. Warme Decken und Kinderkleidung für die „Ärmsten der Armen“ werden ebenfalls persönlich übergeben.

Eine Maßgabe der „Ostpreußenhilfe“ wird dabei immer eingehalten: „Wir übergeben den Menschen kein Geld, sondern helfen mit notwendigen Dingen. Oder auch mit Hilfeleistungen wie der Renovierung einer verschimmelten Unterkunft, der Bereitstellung einer Campingtoilette oder der Kostenübernahme für die Schulspeisung.“

1998 gründete Christian Meyl den „Förderverein für Johanniter Sozialstationen in Ostpreußen e.V.“. Er selbst ist erster Vorsitzender, seine Frau Schatzmeisterin. Rund 250.000 Euro bekommt das engagierte Paar jährlich zusammen und erfährt dabei Unterstützung von ehemaligen Patienten, Bekannten oder den Mitgliedern der Kirchengemeinde. So zählt das Suppenfest im Februar zu einer der regelmäßigen Spendensammelaktionen.

„Ich möchte mich bei jedem herzlich bedanken, der diese gemeinnützige Arbeit möglich macht“, so der gläubige Protestant Christina Meyl, der zudem Ehrenkommendator der Hannoverschen Genossenschaft des Johanniterordens ist. Für den Mediziner ist die „Hilfe für die Ärmsten der Armen“ ein tatkräftiges Gebet. Gerade als Gynäkologe liege ihm das soziale und gesundheitliche Wohl von Frauen am Herzen. „Wir konnten in Marienburg eine Unterkunft zum Schutz von Müttern und Kindern mit häuslicher Gewalterfahrung einrichten“, freuen sich Christian und Sigrid Meyl, die weitermachen wollen, so lange es ihre Kräfte zulassen.

Aber einen Wunsch haben sie dennoch: „Ich würde noch gern in zwei oder drei Jahren erleben, wie die Johanniter-Sozialstationen geschlossen werden, weil ihre Arbeit nicht mehr erforderlich ist“, sagt Christian Meyl. Er will Kurs halten, denn „was man verspricht, muss man auch halten“, so sein Lebensmotto. Außerdem bekommt jeder Spender von der „Ostpreußenhilfe“ eine Rückmeldung. Der direkte Weg zeigt positive Wirkung: neben der Ehrung mit dem Verdienstkreuz empfindet Christian Meyl Dankbarkeit für die Möglichkeit, helfen zu dürfen und zu können.

Von PATRICIA CHADDE

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