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Strafverfahren wird nach Jahren eingestellt

Burgwedel Strafverfahren wird nach Jahren eingestellt

Viereinhalb Jahre nach seiner mutmaßlichen Beteiligung an einer Schlägerei im Krankenhauspark hat das Amtsgericht Burgwedel das Verfahren gegen den mittlerweile 21-jährigen Tazim E. (Name geändert) eingestellt.

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Das Amtsgericht Burgwedel hat für die Einstellung des Verfahrens die Zustimmung der Staatsanwaltschaft.

Quelle: Frank Walter

Großburgwedel.. Zwei Gruppen von Jugendlichen waren an jenem Oktoberabend 2011 hinter dem Rathaus aneinandergeraten – ein höchst unübersichtliches Szenario. Ein 14-Jähriger landete mit Prellungen und Schädel-Hirn-Trauma in der MHH. Ein Zeuge belastete E. als Mittäter. Bis Anklage erhoben wurde, vergingen die ersten zehn Monate.

Danach platzten zwei Prozesstermine 2013 und 2014 wegen Erkrankung des Richters, der E.s Verfahren noch kurz vor der Pensionierung mit denen zweier weiterer mutmaßlicher Tatbeteiligter verband. Auch wenn ein Fall hinterher wieder abgetrennt wurde, um die Strafsache händelbar zu machen: Die Zeit verrann. Zu viel Zeit.

Er habe niemanden getreten, nur schlichten wollen, sagt E. Aber was wirklich geschah, tut jetzt nichts mehr zur Sache. Mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft hat das Amtsgericht Burgwedels E.s Fall und den mehrerer Mitangeklagter zu den Akten gelegt – ohne einen einzigen Verhandlungstag.

Warum? Amtsgerichtsdirektor Michael Siebrecht formuliert es so: "Das Ziel des Jugendstrafrechts, der Erziehungsgedanke, kann aufgrund des Zeitablaufs nicht mehr erreicht werden. Wir haben das für jeden der Angeklagten geprüft, die seitdem nicht mehr strafrechtlich in Erscheinung getreten sind." Jetzt nach viereinhalb Jahren gegen sie als Erwachsene zu prozessieren, mache keinen Sinn mehr. Genauso hatte E.s Anwalt schon vor anderthalb Jahren für eine Einstellung argumentiert. "Sie haben unnötigerweise so lange in der Angst leben müssen, vorbestraft zu werden", ärgert sich Herwig Matthes.

Klar, dass Tazim E. froh ist, "das Kapitel jetzt endlich abschließen zu können". Ganz ohne Bitterkeit kann das der 21-Jährige aber nicht. Das lange Warten sei eine "Bestrafung für nichts" gewesen, kritisiert er. Seinen Traumberuf im fliegerischen Dienst der Bundeswehr musste der Abiturient sich wegen der offenen Anklage abschminken. Immerhin: Seine Banklehre sei auch eine gute Ausbildung. Als Erstes will der kurdischstämmige Großburgwedeler jetzt die deutsche Staatsangehörigkeit beantragen, die ihm wegen des ausstehenden Strafverfahrens bisher verweigert worden ist. Erst mit dem deutschen Pass werde er "endlich richtig angekommen sein".

Von Marti Lauber

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