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Das Bangen um die Klinik geht weiter

Großburgwedel Das Bangen um die Klinik geht weiter

Beim „Bürgerdialog zur KRH-Medizinstrategie 2020“ warteten am Donnerstagabend mehr als 300 Zuhörer vergeblich auf die Beantwortung ihrer dringlichsten Frage: Entsteht die neue Klinik in Großburgwedel? Bis Anfang 2016 bleibt es spannend im Klinik-Krimi.

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Beim Dialogforum macht sich Britt Buvrin-Wolff (Bild oben) für den Erhalt des Standortes stark. Hauke Jagau (kleines Bild, v. l.), Barbara Schulte und Matthias Bracht erläutern Varianten und Entscheidungswege. Lauber (2)

Quelle: Martin Lauber

Großburgwedel. Die Szenerie war fast unverändert, die Aula des Gymasiums sogar noch voller als Anfang Juni, als das Klinikum Region Hannover (KRH) schon einmal seine kaufmännischen und medizinischen Geschäftsführer, Barbara Schulte und Dr. Matthias Bracht, nebst Aufsichtsratschef und Regionspräsident Hauke Jagau zur Bürgerversammlung entsandt hatte. Diesmal galt es zu erklären, zu welchem Ergebnis in der Zwischenzeit eine Expertenrunde aus Vertretern von Ärzteschaft, Pflege, Betriebsrat sowie Architekten, KRH-Administration und externen Fachleuten in puncto künftiger klinischer Versorgung im Nordosten der Region gekommen ist.

Aus der Zeitung wussten die meisten Zuhörer bereits: Unter vier untersuchten Varianten ist eine Ein-Haus-Lösung in einem Neubau an noch unbestimmtem Ort (Variante I) anstelle der bestehenden Krankenhäuser Großburgwedel und Lehrte der klare Favorit von Experten und KRH-Geschäftsführung. Der KRH-Aufsichtsrat wie auch dessen Vorsitzender Jagau persönlich haben sich indes noch nicht festgelegt. „Ich habe noch keine Position - außer einer: Ich will keine Portallösung, keinen Abbau“, so der Regionspräsident. Für den Fall, dass es politisch auf Variante I hinauslaufen sollte, erklärte er: „Einer Ein-Haus-Lösung zuzustimmen, ohne zu wissen, wo sie gebaut wird, kann ich mir nicht vorstellen.“

Die zweitbeste Lösung im Experten-Ranking wäre Variante IV: der Neubau eines um einige Schwerpunkte erweiterten 425-Betten-Krankenhauses in Großburgwedel (zurzeit 274) in Kombination mit einem stark dezimierten Krankenhaus in Lehrte. Dieses würde neben Notfallversorgung und Dialyse einen geriatrischen Schwerpunkt hinzu bekommen, die Chirurgie aber verlieren.

Für Großburgwedel wäre Variante IV so etwas wie ein Hauptgewinn. Denn neben dem Erhalt von Innerer Medizin, Chirurgie, Urologie sowie Gynäkologie/Geburtshilfe würde der Standort in der Notfallmedizin entscheidend aufgewertet durch Hightech-Einheiten für die Intervention bei Herzinfarkt und Schlaganfall (Herzkatheter und Stroke Unit), die es sonst nur noch in Variante I gäbe. Zudem käme als Schwerpunkt die Behandlung degenerativer Wirbelsäulenerkrankungen hinzu.

Wie bei der Fusion in einem neuen 475-Betten-Haus würde auch Variante IV laut KRH-Spitze die Kriterien erfüllen, um vom Land mit bis zu 50 Prozent gefördert zu werden. Bis zur Umsetzung in sechs bis acht Jahren sei es realistisch, dass - nach dem Siloah - wieder ein Projekt aus der Region Hannover gefördert werde.

Konkrete Zahlen zu den Kosten der einzelnen Varianten? Allenfalls von „Orientierungswerten“ mochte Bracht reden. Wer nicht um bis zu 40 Prozent danebenliegen wolle, benötige die Ergebnisse eines teuren Planungsauftrages. Gleichwohl geht Schulte davon aus, dass der Regionsversammlung für ihre Varianten-Entscheidung eine Kostenschätzung vorliegen wird. Ebenso undementiert wie unbestätigt stehen bisher 200 Millionen Euro für die teuerste Variante I im Raum.

Konkreteres gibt es zu den Kostenunterschieden: 10 Prozent preiswerter als die Fusion würde laut Experten die Variante IV. Selbst für Renovierung und Sanierung der beiden bestehenden Häuser - Lehrte bekäme bei dieser Variante II die Wirbelsäulen-, Großburgwedel die geriatrische Abteilung dazu - werden 72 Prozent der Kosten eines Neubaus angesetzt. Doch diese müsste die Region ganz alleine finanzieren. Die ebenfalls nicht förderfähige Variante III, nach der hier wie dort nur noch Grund- und Regelversorgung angeboten würde, ist bei Experten, KRH-Chefetage und nach ersten Bekundungen auch politisch bereits aus dem Rennen.

Wie geht es weiter? Er hoffe auf eine Entscheidung Anfang 2016, so Jagau: „Dann wird es in der Regionsversammlung ein Bekenntnis für die medizinische Versorgung geben müssen“, sagte er mit Blick auf die hohen Investitionskosten. Bracht sah dazu keine echte Alternative: Ohne moderne Strukturen und Ausstattung laufe das KRH Gefahr, in 15 Jahren kein qualifiziertes Fachpersonal mehr in die Region locken zu können.

Aus der Klinik-Debatte

Wir aus der Wedemark sind in den Arsch gekniffen, wenn es Richtung Lehrte geht.“ Mit diesen Worten rief Rainer Gerth aus Bissendorf dazu auf, um den Krankenhaus-Standort Großburgwedel zu kämpfen. Bürgermeister Axel Düker ergänzte, der Standort erschließe den größten Einzugsbereich. An der schieren Größe der von der KRH-Geschäftsführung favorisierten Neubauten mit 475 beziehungsweise 425 Betten übte Christian Wolff aus Großburgwedel Kritik: „Die Experten wollen eine hochtechnisierte Gesundheitsfabrik“, warnte er. Wichtiger sei ein menschenfreundliches Milieu“. Rainer Fredermann graut es nach eigener Aussage gar vor Dimensionen wie im neuen Siloah-Krankenhaus in Hannover. Der CDU-Landtagsabgeordnete zog in Zweifel, dass die Region sich die Neubau-Variante I überhaupt leisten kann. „Warum geht es nicht einfacher?“, fragte der Wettmarer. Dem hielt Oldhorsts frühere Ortsbürgermeisterin Bärbel Lübbe entgegen, sie verlasse sich bei der medizinischen Versorgung lieber auf die Ansprüche und den Sachverstand der Expertenrunde zur Medizinstrategie. Auch Otto Ludwig aus Großburgwedel entgegnete, dass modernere und größere Räumlichkeiten in einem Neubau dem Wohlbefinden von Patienten und Personal durchaus entgegenkämen. Die Bedingungen an der Fuhrberger Straße bezeichnete er als derzeit „sehr bescheiden“.

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