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Der Wildschadenschätzer ist kaum bekannt

Burgwedel Der Wildschadenschätzer ist kaum bekannt

Der breiten Öffentlichkeit ist sein Ehrenamt gänzlich unbekannt, doch für Landwirte ist Heinrich Knoop ein wichtiger Ansprechpartner: Als Wildschadenschätzer vermittelt der Engenser zwischen Grundbesitzern und Jagdpächtern - und das schon seit Jahrzehnten.

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Wenn Schwarzwild sich an Grünland oder Mais zu schaffen macht und Landwirt und Jagdpächter sich nicht einigen, kommt Heinrich Knoop zum Einsatz.

Quelle: dpa

Burgwedel. Nein, wenn ein Autofahrer Reh oder Wildschwein anfährt, dann ist das im juristischen Sinne kein Wildschaden, sondern ein Wildunfall. Wenn Heinrich Knoop tätig wird, dann geht es um Schäden in der Landwirtschaft. „Manchmal geht es aus Rechthaberei um ganz kleine Summen, es kann aber auch mal 1000 Euro oder mehr kosten“, sagt der 74-jährige Landwirt im Ruhestand, der 24 Jahre lang die Jagd in Engensen gepachtet hatte. Seit 1985 ist er als Wildschadenschätzer in Burgwedel tätig, die zehn Jahre zuvor war er Stellvertreter. „Nur die Fuhrberger regeln ihre Sachen selber, und da bin ich auch froh drüber“, sagt Knoop mit Blick auf die großen Waldflächen dort, die viel Wild beherbergen - und wo sich dieses auf landwirtschaftlichen Flächen tummelt, kann es Probleme geben.

Die meisten Schäden in Burgwedel verursachen Wildschweine, wenn sie beispielsweise in Maisschläge einfallen oder auf der Suche nach Würmern und Mäusen Grünflächen umgraben. Für den Rest der Schäden ist das Rotwild verantwortlich. Dass es der Jagdpächter ist, der dann dem Landwirt den Schaden zu ersetzen hat, regeln das Bundesjagdgesetz und die jeweiligen Pachtverträge. Meist einigen sich diese ohne Knoops Zutun, „und viele Landwirte sind auch gar nicht so zimperlich“, sagt der Engenser. Werden sich beide Seiten jedoch nicht einig, dann schickt die Stadt den Wildschadenschätzer als Sachverständigen - zu mancher Erntezeit auch sechs- oder siebenmal.

Es könne beispielsweise vorkommen, dass ein Jagdpächter behaupte, dass statt Wildschweinen Kühe die Schäden verursacht hätten. Doch Bissspuren und andere Hinterlassenschaften bringen Knoop dann auf die richtige Fährte - und Listen und Berechnungsvorlagen helfen ihm, den Schaden einzuschätzen. Dabei ist beispielsweise auch zu berücksichtigen, was der Landwirt spart, weil er die beschädigte Fläche nicht weiter düngen muss. „Das muss dann schon passen, sonst ist einer der Beteiligten sauer. Aber Schätzung bleibt Schätzung“, schränkt Knoop ein. Dass das Ehrenamt neben Fingerspitzengefühl auch Rückgrat erfordert, hat er bereits 1985 gemerkt. Auf 5000 Mark taxierte er damals den Schaden auf einer Wiese. Der Jäger war nicht nur 20 Jahre älter als er selbst, sondern beschäftigte in seiner Firma auch mehrere Juristen. „Erst erschrak er tüchtig, letztlich zahlte er aber doch“, erinnert sich Knoop, der überzeugt ist, dass er seinen Sachverstand stets unparteiisch eingesetzt habe. „Nachtragend ist nie einer gewesen.“

Ärgerlich findet es der Wildschadenschätzer, wenn sich Landwirt und Jagdpächter wegen Bagatellsummen bekriegen. „Über 16 Euro Wildschaden sollte man nicht streiten“, erinnert er sich an einen anderen Fall, bei dem sich die Beteiligten schon länger nicht grün waren. Deshalb zu fünft samt Rechtsanwältin und Protokollant einen Ortstermin abhalten zu müssen, „das muss nun wirklich nicht sein“.

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