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Das lange Warten auf Post vom Amt

Wettmar Das lange Warten auf Post vom Amt

Eine wichtige Etappe ist genommen, das Happy End lässt aber noch auf sich warten: In Wettmar harren Mejdel Othman und sein Neffe Shiyar Alabdullah weiter im Kirchenasyl der St.-Marcus-Gemeinde aus.

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Anfangs Helfer, heute längst Freunde: Ivonne und Daniel Wege (hinten, von links) hoffen ebenso wie Pastorin Reni Kruckemeyer-Zettel und Jonas Kurtze, dass die Asylanträge von Mejdel Othman (links) und Shiyar Alabdullah (vorn) endlich genehmigt werden.

Quelle: Frank Walter

Wettmar. Auf dem Gelände zwischen Gemeindezentrum und Kirche kennen die beiden syrischen Flüchtlinge mittlerweile jeden Stein und jede Blume. Wenn sie endlich so dürfen, wie sie beide wollen, dann werden Othman und Alabdullah als erstes einfach nur durch den Ort spazieren, vielleicht zur nahen Bockwindmühle.

Gänge, die beiden bislang verwehrt sind: Zwar ist bei Neffe und Onkel, denen die Kirchengemeinde seit Ostern und Pfingsten Kirchenasyl gewährt, mittlerweile die Halbjahresfrist abgelaufen, bis zu der sie nach ihrer Ankunft in Deutschland nach Bulgarien hätten abgeschoben werden können - jenem Land, in dem beide auf ihrer Flucht vor dem Bürgerkrieg in der Heimat erstmals EU-Boden betreten und in dem sie unter menschenunwürdigen Bedingungen inhaftiert waren.

Doch auch wenn die Regelungen des sogenannten Dublin-Abkommens mittlerweile für beide hinfällig scheinen, ganz sicher ist der Status noch nicht, wie ihre Rechtsanwältin Ina Remmert erläutert: Eine Abschiebung nach Bulgarien komme nicht mehr in Frage, dennoch könnte die Ausländerbehörde immer noch die Polizei schicken. „Den Stress, vielleicht noch einmal inhaftiert zu werden, wollen wir ihnen ersparen“, sagt die Juristin aus Hannover. Die Asylanträge hingen immer noch beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in der Warteschleife, sagt Remmert - „die sind komplett überlaufen“.

Alabdullah ist es besonders wichtig, dass kein falscher Eindruck entsteht. Er habe ein wirklich gutes Leben in Syrien gehabt, besitze zwei Häuser, sagt der studierte Elektrotechniker. Er sei nicht des Geldes wegen nach Deutschland gekommen, betont er, der innerhalb weniger Monate viel Deutsch gelernt hat und immer seltener auf die Übersetzerhilfe des Wettmares Daniel Wege angewiesen ist. Doch in seinem Heimatort Al-Hasaka wogen die Kämpfe hin und her, immer wieder werden junge Männer zum Dienst an der Waffe gezwungen. Gerade am Vortag seien 25 Menschen gestorben, erzählt der 30-Jährige, der per Whats-App-Nachrichtendienst Kontakt zu seiner Schwester hält. Entweder stirbst du hier, oder du gehst, habe seine Mutter ihm gesagt - und so sei er gegangen.

Für Pastorin Reni Kruckemeyer-Zettel ist es „ein Riesengewinn“, dass beide hier sind. Die Syrer mähen und wässern den Rasen, stellen Tische um, kochen Kaffee - „wir haben quasi zwei Hausmeister“. In der Gemeindeband Ackersalat kümmert sich Alabdullah um die Tontechnik, im Gottesdienst hat er schon die Orgel gespielt. Die Gemeinde hilft mit Deutschunterricht, Leute bringen Essen, waschen die Kleidung. Doch dazwischen herrscht auch immer wieder Leerlauf im engen Radius zwischen Kirche und Gemeindezentrum, in dem beiden sprichwörtlich die Decke auf den Kopf fällt. „Wenn die Anträge endlich durch sind, feiern wir eine Party“, kündigt die Pastorin an.

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