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Johannistag ist nur eine Richtlinie

Burgwedel Johannistag ist nur eine Richtlinie

Johannistag, 24. Juni - für die Spargelbauern markiert das Datum das Ende von Stress und Hektik. Oder etwa doch nicht? Ein Besuch bei zwei Fuhrberger Landwirten nach dem "traditionellen" Ende der Spargelsaison.

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Die letzte Erntewoche läuft: Mitarbeiter stechen auf dem Spargelhof der Familie Heuer noch bis zum 30. Juni - es ist eine sogenannte späte Sorte, die erst ab einer Temperatur von 11 bis 12 Grad Celsius das Wachstum aufnimmt. Frühe Sorten treiben schon ab 8 Grad Celsius aus.

Quelle: Zottl

Fuhrberg. Nach einer Viertelstunde mit Jörg Heuer wird klar: Auf seinem Spargelhof markiert der 24. Juni nicht zwingend das Ende der Saison. Autos rollen auf den Parkplatz auf dem Hofgelände, Reisebusse voller Menschen treffen ein, die in der "Fuhrberger Spargelwirtschaft" der Heuers tafeln wollen. "Die Wirtschaft hat noch bis zum 30. Juni geöffnet. So lange werden wir auch noch Spargel stechen", sagt Heuer.

Die einwöchige Erntezugabe wird Heuers Fazit zur Spargelsaison 2016 nicht mehr verändern. Und das lautet wie überall: „Durchwachsen. Es war lange zu kalt mit zu wenig Ertrag, dann wurde es heiß und es gab viel Ertrag. Das wünscht man sich etwas gleichmäßiger", sagt er. Auf 150 Hektar Fläche hat die Familie in diesem Jahr Spargel angebaut, 450 Saisonmitarbeiter, die Erntehelfer kommen zumeist aus Polen und Rumänien, haben auf den Feldern oder in dem Zeltrestaurant gearbeitet. Die, die jetzt die sogenannten späten Sorten stechen, arbeiten in unverändert hohem Tempo - noch ist die Nachfrage da. "Theoretisch könnte man das ganze Jahr Spargel ernten", sagt Heuer und fügt an: "Aber im Sommer grillen die Leute lieber."

Bei Heuers Nachbar Andreas Schröder sieht es am selben Tag ganz anders aus: Der Biohof Wöhler wirkt fast wie ausgestorben. Sauber geputzt steht die neun Meter lange Spargelsortiermaschine auf dem Hof und schweigt. Auch hier ist der Johannistag oder "Spargelsilvester", wie Schröder sagt, bestenfalls eine Richtlinie auf dem Papier. „Eigentlich hätten wir schon vor einer Woche aufgehört, haben nur wegen einiger Vorbestellungen um zwei Tage verlängert“, sagt Hofchef Andreas Schröder. Warum dann nicht gleich bis zum Johannistag? Schröder lächelt und schüttelt den Kopf. „Wir haben beobachtet, dass die Pflanzen müde sind. Der Ertrag ging zurück, die Spargelstangen wurden dünner.“

Frühe Sorten, späte Sorten? Hat Schröder nicht. Den konventionellen Spargelanbau, wie ihn sein Nachbar betreibt, haben er und seine Frau vor elf Jahren aufgegeben. Ausschließlich organischer Dünger komme bei ihm zum Einsatz, sagt er. Der biete den Pflanzen nicht die Nährstoffe im Überfluss, wie es ein mineralischer macht. Dafür schmecke sein Produkt besser, findet Schröder. Konkurrenten seien er und Jörg Heuer dennoch nicht. "Wir haben einen komplett unterschiedlichen Kundenstamm."

Auch Schröder sagt zur Saison 2016 nur ein Wort: "Durchwachsen. Der Bodenfrost Ende April – der hat uns richtig wehgetan.“ Das kann man sich vorstellen: Denn den 150 Hektar Spargelanbaufläche der Heuers stehen gerade mal 3,5 Hektar bei Schröders gegenüber. Zur Hochphase arbeiteten hier zehn polnische Erntehelfer, insgesamt waren 15 Leute im Einatz. Obwohl die Nachfrage da sei, will er beim Spargelanbau nicht expandieren. "Es gibt von Handelspartnern regelmäßig Aufforderungen, mehr zu machen. Sogar aus Berlin kommen die Anfragen. Das will ich aber nicht - ich will regionale Märkte bedienen", sagt er.

Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass er dieses Jahr weniger Spargel geerntet hat als 2015. Auch Heuer hat den Ertragsrückgang im Geiste schon abgehakt. "Wir arbeiten halt mit der Natur", sagen beide unabhängig voneinander.

Pflanze benötigt 100 Tage Ruhezeit

Spargelstangen sind kein Fruchtstand der Spargelpflanze, sondern der Hauptstamm. Dieser wird bei konventioneller Ernte bis zu sechs Mal gekappt und als Gemüse verkauft. Damit sich die Pflanze vor dem Frost ausreichend von dieser Strapaze erholen kann, ist traditionell am 24. Juni Schluss. Ab dann darf die Pflanze austreiben - es entsteht ein buschiger Strauch mit fedrigen Blättern. Etwa 100 Tage lang betreibt die Pflanze nun Photosynthese und sammelt so Energie. Die kleinen gelben Blüten der Spargelpflanze locken zudem nektarsammelnde Bienen an.

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