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Lernraum ist der dritte Pädagoge

Burgwedel Lernraum ist der dritte Pädagoge

Das Gymnasium Großburgwedel soll für einen grob auf 37 Millionen Euro geschätzten Betrag umgebaut, erweitert und saniert werden. Im Gespräch mit Redakteur Martin Lauber erklärt Schulleiterin Gesa Johannes (48), was Stadt und Schüler für so viel Geld erwartet.

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Im Gymnasium sollen die Klassenzimmer größer werden und jeder einzelne Jahrgang statt unwirtlichen Fluren einen Rückzugsort bekommen.

Quelle: Martin Lauber

Großburgwedel. Was wird außer 16 zusätzlichen Klassenräumen anders sein, wenn das Gymnasium Großburgwedel nach dem Umbau in einigen Jahren neu an den Start gehen wird?
Noch gehen wir von einer Fertigstellung im Jahr 2020 aus. Dann werden wir unter einem Dach Platz haben für 1200 Schüler statt der jetzt 1050, inklusive der neun noch ins Schulzentrum ausgelagerten Klassen. Wir werden dann über zusätzliche Differenzierungsräume unter anderem für Inklusion und Sprachlernklassen verfügen. Und mit verbesserter medialer Ausstattung werden wir bessere Voraussetzungen für kooperatives Lernen und eine noch höhere Aufenthaltsqualität für die Schüler bieten können. Was aber sicher gleich bleibt: Wir werden weiterhin eine sehr offene und gute Schule mit einer guten Atmosphäre sein.

Sie wünschen sich vergleichsweise große Klassenzimmer mit 80 Quadratmetern. Warum?
Damit man sie unterschiedlich nutzen kann. Bei uns hat ein allgemeiner Unterrichtsraum derzeit zwischen 58 und 62 Quadratmetern. Bei 30 bis 32 Kindern plus Tische und Stühle ist alles schon sehr eng und voll.

Wie wirkt der Unterschied sich aus?
Der Lernraum ist der dritte Pädagoge. Wenn Sie sich unsere Räume anschauen, die in den Sechzigerjahren gebaut worden sind, werden Sie feststellen, dass darin Kleingruppen oder kooperatives Lernen nicht möglich sind. Wir müssen wegkommen vom Frontalunterricht hin zur Werkstatt, wo Schüler unterschiedliche Dinge auf unterschiedlichen Niveaus in unterschiedlichen Lernformen tun können. So sollte heute Unterricht sein.

Der Raumplanung für das künftige Schulgebäude liegt ein pädagogisches Konzept zugrunde. Woran haben Sie sich orientiert?
Wir haben uns in einer Arbeitsgruppe mit Architekten, Lehrern, Personalrat, Schüler- und Elternsprecher und mit Frau Concilio von der Stadtverwaltung in vielen Sitzungen Gedanken darüber gemacht, was wir unbedingt tun und welche Fehler wir unbedingt vermeiden sollten. Um Ideen zu bekommen, haben wir uns auch sechs Schulen angeschaut: die Gymnasien in Mellendorf und Twistringen, die Integrierten Gesamtschulen List und Mühlenberg in Hannover, die IGS Osnabrück und die Oberschule Osterholz-Scharmbeck, wo es zum Beispiel Lernlandschaften gibt.

Aus der für 70 Millionen Euro neu gebauten IGS Mühlenberg haben Sie die Idee der „Homebase“ mitgebracht. Was hat man sich darunter vorzustellen?
Jeder Jahrgang soll seine eigene Homebase bekommen – quasi als Heimat, wo man entspannt und sich vor und nach dem Unterricht und zwischen den Stunden jenseits der großen Pausenhalle und Schulhöfe treffen kann. Mein Wunsch wäre, dass in diesen Bereichen auch mal eine Liege steht. Teilweise sind die Schüler von 8 bis 16 Uhr im Haus, sie können ja nicht immer nur im rechten Winkel sitzen. Sie sollen einen angenehmen Aufenthalt haben und gerne lernen. Lernen passiert eben nicht nur im Unterricht.

Im Konzept für die Oberstufe spielt das „Lernzentrum“ eine zentrale Rolle. Was ist das?
Es soll für kooperative Arbeitsformen ebenso ausgelegt sein wie für die individuelle Arbeit. Es gibt
WLAN, Gruppentische, 20 Einzelarbeitsplätze und angegliederte Gruppenräume, in denen es auch mal laut werden darf, wenn intensiv diskutiert oder eine Präsentation vorbereitet wird. In den Freistunden steht das Lernzentrum auch ohne Aufsicht zum selbstständigen wissenschaftlichen Arbeiten offen. Unsere Abiturienten sollen an der Universität bestehen, also müssen wir das auch anbahnen.

Und was ist mit den mehr als 80 Lehrern, die immer häufiger auch am Nachmittag arbeiten?
Um kein erdrückendes Großraumbüro zu schaffen, schwebt uns ein zweigeschossiges galerieartiges Lehrerzimmer vor. In einem offenen Bereich im Untergeschoss kann man sich locker treffen, diskutieren, kurz ausruhen oder in der Küche einen Pausensnack zubereiten. Daran sollen sich verschiedene Arbeitsbereiche angliedern. Weitere Arbeitsplätze und zwei Stillarbeitsräume sollen auf die Galerieebene kommen.

Der Schulausschuss hat grünes Licht für die Vorbereitung eines Architektenwettbewerbs auf Basis der „Konsensvariante II“ gegeben, in der dies alles enthalten ist. Variante I wäre 3 Millionen Euro teurer geworden. Worauf wurde denn verzichtet?
Wir haben im Wesentlichen an der Größe und der Zahl der Differenzierungsräume gespart, alles in guter Kooperation mit der Stadtverwaltung.

Die preiswerteste Variante III würde rund 6 Millionen weniger kosten als Variante II. Was sprach dagegen?
Variante III beinhaltet nur, was der Schulträger unabweisbar machen müsste, um die gesetzlichen Ansprüche zu erfüllen. Ein pädagogisches Konzept vonseiten der Arbeitsgruppe steht nicht dahinter.

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