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Ausgepowerte Kinder sind der schönste Lohn

Burgwedel Ausgepowerte Kinder sind der schönste Lohn

Der TSV Kleinburgwedel sucht Helfer und Übungsleiter beim Kinderturnen. „Was sollte man dafür an Voraussetzungen mitbringen?“, fragte sich HAZ-Redakteurin Gabriele Gerner (48) und machte eine Stunde lang mit.

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Gabriele Gerner sichert den Balanceakt von Paula auf der Bank, Elena schaut zu.

Quelle: Jarolim-Vormeier

Kleinburgwedel. „Bin ich sportlich genug, um mit den Kindern mithalten zu können? Kann ich mich durchsetzen, falls etwas nicht rund läuft?“ Diese Fragen gingen mir durch den Kopf, bevor ich mich als Assistentin fürs Kinderturnen meldete.

Als Kind war eine begeisterte Turn-Maus, die sich geschickt um Reck und Barren schwingen konnte. Doch zwischen dieser Zeit und jetzt liegen über 40 Jahre und mehr als 40 Kilo mehr auf den Rippen.

Mit neun Kindern zwischen vier und sechs renne ich durch die Turnhalle des TSV Kleinburgwedel. Auf dem Boden liegen Hula-Hoop-Reifen. Wir hüpfen, springen und watscheln wie Enten und warten auf das Kommando von Übungsleiterin Nicoll Saddey.

Dann, ganz plötzlich: „Hai-Alarm! Eins, zwei...“ Wer bis Drei nicht in einem Reifen steht, scheidet aus. Schnell hechte ich zu einem Reifen. Fünf andere Kinder hüpfen mit hinein. Wir stehen eng aneinander gequetscht. Berührungsängste sollte man nicht haben, wer mit Kindern Sport macht. Keine zehn Minuten später bin ich außer Atem. Ich wusste, dass ich hier an meine Grenze kommen würde. Yoga ist einfach der bessere Sport für mich.

Dennoch: Es macht Spaß, mit den Kindern zu Musik zu hüpfen, ihre strahlenden Gesichter zu sehen und zu erleben, wie schnell sie Vertrauen zu mir fassen. „Die Air-Tracking-Matte sieht aber wackelig aus“, jammere ich. „Ich glaube, da trau ich mich nicht drauf.“ Zwei kleine Mädchen versichern mir: „Das schaffst Du!“, fassen mich an den Händen: „Komm, wir zeigen Dir das.“

„Jetzt alle an die weiße Linie!“, ruft Nicoll Raddey. Beeindruckend, wie viel Stimmkraft eine Übungsleiterin braucht, um das Kindergekreische zu übertönen! Die 49-Jährige betont: „Wir sind kein Indoor-Spielplatz, in dem die Kinder tun und lassen können, was sie wollen. Wir haben einen Bildungsauftrag. Als Sportverein fördern wir Motorik, Disziplin und Sozialkompetenz.“ Dann bauen wir die Geräte auf – wie schwer so ein Kasten doch ist!

Leitern und Bänke werden an der Sprossenwand eingehakt. Dicke Matten zur Sicherheit kommen darunter. Die Kinder rutschen und rennen die Bank herunter. Ich achte darauf, dass keiner herunterfällt. „Was ist eigentlich, wenn sich ein Kind verletzt? Wirst Du da in die Pflicht genommen?“, frage ich Nicoll. „Wir sind über den Niedersächsischen Turnerbund versichert“, erklärt sie.

Es dauert nicht lang, da raufen sich einige Jungs. Ich sprinte hin, werfe meine ganze Autorität in die Stimme. „Sofort auseinander! Wer noch einmal einen anderen tritt, verlässt sofort die Matte!“ Ein Mädchen hat sich am Arm weh getan. „Das ist gleich wieder vorbei.“ Einem Jungen binde ich die Schnürsenkel zu, er kann es noch nicht allein. Ein Mädchen ruft ständig: „Guck mal, was ich schon kann!“ Puh! – einen Sack Flöhe hüten ist nichts dagegen!

Wir sind froh, als Celine Flachsmeier zu uns kommt. Die 17-jährige angehende Erzieherin unterstützt Nicoll in den Kindergruppen. „Solche Helfer brauchen wir hier dringend“, sagt die Übungsleiterin. Das einzige, was sie mitbringen müssen, ist Lust auf die Arbeit mit Kindern. Alles andere kann man lernen.“ Das Ehrenamt wird mit einer kleinen Aufwandspauschale vergütet. Doch der beste Lohn sind strahlende, ausgepowerte Kinder, denen man etwas mit auf den Weg gibt. Und nebenbei tut man auch noch etwas für die eigene Fitness. Mir hat der Einsatz jedenfalls großen Spaß gemacht. Eine Kinderturngruppe zu leiten – das könnte ich mir jetzt durchaus vorstellen.

Vollgepumpt mit positiver Energie fahre ich nach der Turnstunde nach Hause. Dort sehe ich meinen Sohn (9) und meine Tochter (12) an ihren Computern sitzen – willkommen in der Realität! Sofort rufe ich: „Kommt, wir spielen Hai-Alarm!“ Und siehe da: Sie springen begeistert auf und lassen PC und Laptop liegen.

 Männer sind beim TSV als Helfer besonders gefragt

Wer beim Kinderturnen im TSV Kleinburgwedel seine Unterstützung anbieten möchte, kann sich bei Spartenleiterin Carola Berndt melden unter Telefon (05139)7928. Das Mindestalter ist 13 Jahre. Männliche Helfer sind besonders willkommen. Übungsleiterscheine können gemacht werden, sind aber keine Voraussetzung.

Auch alle anderen Sportvereine haben Kinderturnen im Angebot

Von Katerina Jarolim Vormeier

Bei der Turnerschaft Großburgwedel turnen Jungen jeden Dienstag von 15.45 Uhr bis 16.45 Uhr und Mädchen freitags von 16.30 bis 17.30 Uhr getrennt. Gemischtes Turnen ist montags von 17.30 bis 18.30 Uhr angesagt. Informationen erteilt Udo Vogeler unter Telefon (05139) 34 90 oder KinderJugendTurnen@tsg-info.de. Zudem trainiert Astrid Brinker Kinder für Wettkampfturnen.

Der SSV Thönse hat Eltern-Kind-Turnen, Kleinkind- ( 3 bis 5 Jahre) sowie Kinderturnen (6 bis 10 Jahre) im Angebot. Spartenleiterin Manuela Herzberg informiert über die Trainingszeiten unter Telefon (05139) 6 97 05 63.

Beim SV Fuhrberg turnen Kinder zwischen 3 und 10 Jahren jeden Dienstag, ebenfalls Eltern mit ihren Sprösslingen ab einem Jahr. Nähere Auskünfte erteilt Rolf-D. Strudthoff unter (0172) 5 28 43 66.

Spaß an der Bewegung haben Eltern und Kinder des TSV Engensen donnerstags von 9.30 bis 11 Uhr und freitags zwischen 15 und 16 Uhr. Kinderturnen bietet der Verein montags für Drei- und Vierjährige von 15 bis 16 Uhr sowie für Kinder ab 5 Jahren von 16 bis 17 Uhr an. Informationen gibt es im Internet unter tsv-engensen.de.

Beim TSV Wettmar gibt es verschiedene Turngruppen für Kinder von anderthalb bis zwölf Jahren. Ursula Schiwy informiert Interessierte unter Telefon (05139)8 73 12 über Übungszeiten und Ansprechpartner.

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Puh, wie schwer die Dinger sind. Gabriele Gerner wird als Helferin beim Kinderturnen ganz schön gefordert.

Quelle: Jarolim-Vormeier

Von Gabriele Gerner

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