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Ehrenamtliche stehen Verbrechensopfern zur Seite

Burgwedel Ehrenamtliche stehen Verbrechensopfern zur Seite

Sie kennen das Verbrechen von unterschiedlichen Seiten, die Opferschutzorganisation Weißer Ring und die Polizei. Bei einem Treffen im Kommissariat Großburgwedel wurden jetzt Informationslücken geschlossen.

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Edelgard Hoffmeister-Schilling vom Weißen Ring im Gespräch mit Günter Heller und Ralph Regener vom Polizeikommissariats Großburgwedel.

Quelle: Martin Lauber

Burgwedel/Isernhagen. Diese Rufnummer kann für Verbrechensopfer von großem Wert sein: 11 60 06. Die meisten der 400 Hilfesuchenden aus den 20 hannoverschen Umlandkommunen, die sich 2015 an den Weißen Ring wandten, haben über sie Kontakt aufgenommen. "Wir melden uns möglichst noch am gleichen Tag" sagt Edelgard Hoffmeister-Schilling. Seit drei Jahren ist die pensionierte Lehrerin aus Isernhagen gemeinsam mit der Burgdorferin Sylvia Fredebohm ehrenamtliche Ansprechpartnerin des Weißen Rings im Nordosten der Region.

Der Weiße Ring und die Polizei stünden zwar miteinander in Kontakt, sagt Günter Heller, Chef des Polizeikommissariats (PK) in Großburgwedel. Und besonders nach Wohnungseinbrüchen, sexueller oder häuslicher Gewalt würden die Opfer auf die Hilfsangebote des Weißen Rings, der Opferhilfe oder des Langenhagener Beratungszentrums Ophelia hingewiesen. Aber das Treffen war die erste persönliche Begegnung.

"Einbrüche verletzen die Privatsphäre, da bleiben oft psyschische Verletzungen zurück", weiß Hoffmeister-Schilling. In mehrtägigen Seminaren psychologisch und rechtlich geschult, geht die „Nachsorge“ der Ehrenamtlichen des Weißen-Rings über moralischen Beistand weit hinaus. Nach sexuellen Übergriffen etwa hätten die Opfer vielfach Angst und Scham, dass man ihnen nicht glaubt. "Wir versuchen, dass sie die Tat bei der Polizei anzeigen und begleiten sie auch dorthin", erklärt die Isernhagenerin.

Der Weiße Ring trete bei Bedarf auch finanziell für die anwaltliche Erstberatung eines Opfers ein. Die Ehrenamtlichen begleiteten ihre Klienten auf Wunsch zu Gerichtsverfahren und kümmerten sich um eine Trauma-Erstversorgung. In finanziell schwierigen Situationen sei auch eine "Soforthilfe" möglich – etwa, wenn ein gewalttätiger Partner einen sofortigen Umzug nötig macht.

"Häufig kennen Opfer ihre Ansprüche gar nicht", das hat Hoffmeister-Schilling schon häufig erlebt. Die Antragstellung für Hilfen nach dem Opferentschädigungsgesetz sei sehr kompliziert – "wir helfen dabei".

Fallbeispiel I: Häusliche Gewalt

Gemeinsam mit einem ehemaligen Polizeibeamten betreute Edelgard Hoffmeister-Schilling vor einem Jahr eine junge Frau mit zwei kleinen Kindern, die nach häuslicher Gewalt ihren Mann verließ und mittellos dastand. Hoffmeister-Schilling begleitet die Frau ins Jobcenter, um Arbeitslosengeld II zu beantragen. Der Weiße Ring stellte die Mietkaution für eine neue Wohnung, beteiligte sich an den Prozesskosten und stellte einen Anwalt. Zuletzt besorgte Hoffmeister-Schilling auch Kitaplätze für die Kinder. "Das alles dauerte mehrere Monate lang. Jede Sekunde Einsatz hat sich gelohnt", bilanziert die Helferin. Inzwischen sei die Frau auf einem guten Weg.

Fallbeispiel II: Love Scamming

Bei Fachleuten heißen sie "Love Scammer": Eine Klientin von Edelgard Hoffmeister-Schilling ist Opfer dieser digitalen Variante eines Heiratsschwindlers geworden. Mit gefühlvollsten E-Mails hatte der Mann ihr Vertrauen gewonnen. Sie hatte sich mit intimen Fotos revanchiert. Persönliche Treffen ließ der Unbekannte immer wieder an Vorwänden scheitern. Dann kam der alarmierende Anruf von einer vorgeblichen Dienstreise nach Nigeria: Unfall, Krankenhauskosten: 70 000 Euro.

Als die Frau zögerte, Geld zu überweisen, wurde sie erpresst: Er werde ihre Bilder ins Netz stellen. Sie begann mit den Zahlungen. Zur Polizei, um Anzeige zu erstatten, traute das Opfer sich erst gemeinsam mit Hoffmeister-Schilling. Diese veranlasste sofort die Löschung der Bilder im Internet. Wichtig seien für das tief beschämte Opfer jetzt auch Trost und Beistand. "Wir haben ihr gezeigt, dass sie nicht das einzige Opfer ist", sagt die Isernhagenerin.

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