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"Och komm’ - nur einmal kurz gucken"

Burgwedel "Och komm’ - nur einmal kurz gucken"

Vom Traum der Fünfzigerjahre über die praktische Familienkutsche bis hin zum sportlichen Rennflitzer: Die erste Automeile in Großburgwedel sorgte am Sonnabend auf der Von-Alten-Straße für Staunen - und gute Spar-Vorsätze.

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Sportliche Flitzer begeistern am Sonnabend die Besucher auf der Von-Alten-Straße.

Quelle: Carina Bahl

Großburgwedel. Die meisten Frauen kennen das: Männer sind am Sonnabendvormittag nur schwer zum gemütlichen Bummel durch die Innenstadt zu bewegen. Es gibt Wichtigeres, meinen sie.

An diesem Sonnabend ist es in Großburgwedel anders herum: „Wir brauchen doch nichts“, betont eine Frau auf dem Parkplatz vor dem Amtshof und zieht ihren Gatten am Ärmel. „Och komm’ schon, nur einmal schnell gucken. Das gab es hier noch nie“, erwidert dieser quengelnd und hat seinen fünfjährigen Sohn längst auf seiner Seite - schließlich parken zig schicke Autos nur wenige Meter entfernt auf der Von-Alten-Straße.

Das Ziel der beiden Organisatoren Carsten Niemann und Dirk Breuckmann, etwas für die Belebung der Innenstadt zu tun, ist mit der ersten Automeile am Sonnabend erreicht worden. Auf den ersten Blick wirkte das Vorhaben ein wenig skurril, mit Autos Leben in die Fußgängerzone bringen zu wollen - ist der Verkehr auf der Von-Alten-Straße doch seit Jahren Streitthema in der Stadt. Aber wenn es nicht der ungeliebte Durchgangsverkehr oder der geschummelte Anliegerverkehr ist, dann können sich die Massen in Burgwedel sehr wohl dafür begeistern.

Auf der Einkaufsstraße streicheln am Sonnabend Männer liebevoll über Motorhauben, nicken einander beim Lesen der Kenndaten respektvoll zu und fachsimpeln freudig mit Verkäufern über die Vorteile verschiedener Motorisierungen. „Das wäre schon was“, sagt Maik Klinge, der mit seiner Frau und seinen zwei Kindern vor einem Stand haltgemacht hat. Ein schicker Kombi soll es sein - mit viel Platz und ein wenig Technik zum Angeben. „Aber da werden wir noch eine Weile sparen müssen. Vielleicht ist der Besuch heute ein guter Auftakt dafür“, scherzt der Familienvater.

Auf dem Domfrontplatz leuchten derweil Kinderaugen - und das nicht aufgrund hoher PS-Zahlen oder klimafreundlicher Elektromotoren. Der Bauhof ist da. Und die Feuerwehr auch. „Die haben sooo große Autos“, schwärmt der vierjährige Finn. Die Einladung aufzusteigen lehnt keiner der jungen Autofans ab. Vorbei an den rockigen Trikes, die ebenfalls in Dauerschleife von Kindern erklettert werden und dank erwachsener Fahrer auch Spritztouren ermöglichen, wartet gleich nebenan Nostalgie pur.

„Was ist das denn für ein Ding?“, fragt eine Unwissende etwas zu laut in die Runde mit Blick auf den alten Borgward von 1959. Schon bildet sich eine Traube hilfsbereiter Herren. „Borgward hatte in den Fünfzigern immer die Nase weit vorn vor BMW und Mercedes“, sagt der eine. „Die Chinesen bauen jetzt so etwas ähnliches. Das war eine Zeit“, ergänzt ein anderer. „Mein Vater ist ein kleineres Modell von denen gefahren“, erinnert sich auch Manfred Kobusch aus Neuwarmbüchen. „Mit 75 PS hatte man damals ein Auto wie heute einen italienischen Sportwagen.“ Mit seinem altbackenen Sitzbezug, der an Küchentapeten der Sechzigerjahre erinnert und vor allem den Frauen sofort ins Auge sticht, kann der Oldtimer das ganz gut verstecken. Macht aber nichts. Spannend ist das Auto trotzdem.

Nachdem am Sonnabend zig Autotüren geöffnet und Motoren in der Sonne bestaunt worden sind, gibt es nur ein Fazit zur ersten Automeile in Großburgwedel: gelungen. Oder wie Finn nach dem Ausstieg aus dem Feuerwehrauto ruft: „Noch mal!“

Von Carina Bahl

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