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Bambus, Beton und Zelt symbolisieren Heimat

Burgwedel/Isernhagen Bambus, Beton und Zelt symbolisieren Heimat

Zuhause, Refugium oder Rückzugsort - was ist Heimat? Stefan Rautenkranz, Vorsitzender des Kunstvereins Burgwedel-Isernhagen, hat kein "Vereinsheim" und zog deshalb ins Grüne. In Großburgwedels Altem Park werden seit zwölf Jahren wetterfeste Kunstwerke gezeigt - aktuell sind es sieben künstlerischen Positionen.

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Ein Stein zum Anlehnen, um den Blick schweifen zu lassen: Kwanho Yuh macht den Menschen zur Kamera und den Stein zum Stativ.

Quelle: PATRICIA CHADDE

Großburgwedel. Jeden Tag spaziert Hans Joachim Frenz durch den Alten Park an der Thönser Straße. Als sieben Künstler auf Einladung des Kunstvereins Burgwedel-Isernhagen mit ihren Aufbauten begannen, habe er gleich gedacht, dass das spannend werde. Bei der Eröffnung am Sonnabend lauschte Frenz den Worten von Beiratsmitglied Viktoria Krüger - und freute sich: "Die Einführung lässt noch tiefer blicken".

Es scheint kühn, Asphalt in einen Park zu schleppen, sind Grünflächen doch der erholsame Kontrapunkt zum asphaltierten Straßennetz. Doch Michael Zwingmann erhitzt das schwarze Material auf 250 Grad, gießt es in Stahlformen und erhält Polyeder mit glatten Oberflächen und klaren Kanten. Sieben Formen hat er zum Sternbild Kleiner Wagen komponiert und holt damit den Himmel auf die Erde des Alten Parks

Kwanho Yu studierte Malerei in Seoul, wurde in Hannover Heinrich Riebesehls letzte Meisterschülerin und ist leidenschaftliche Bildhauerin. Aus regionalem Sandstein fertigte sie die Skulptur "Hallo Bäume". Neben rauen Flächen laden fein geschliffene Mulden zum Anlehnen ein, was viele Besucher spontan ausprobierten. Fast automatisch schweifte der Blick in die Eichenkronen, was zum Titel "Hallo Bäume" führte.

Helmut Hennig aus dem Nordfriesischen hat 46 Gewächse im Park ermittelt und zu Baumpaten seiner "Wortarbeit" gemacht. Er platzierte beschriftete Tafeln auf Augenhöhe an den Stämmen. "Heimat" und "Asyl" gibt es schon, aber jeder kann eigene Worte finden, die Hennig "an den Baum bringt". Unter www.projekt-meandmytree.blogspot.de sind Mitmacher eingeladen.

Besucherin Elke Zwetz aus der Gartenstadt Lohne spazierte durch das mehr als sechs Meter hohe Bambus-Tor von Chieko Fumikura-Fuhrmann, die das japanischen Schriftzeichen für "geöffnet" weiß bemalte und und den Begriff "Tor" als rote Buchstaben auf die Erde legte. Das korrespondiert mit Frank Fuhrmanns leicht erhabenen Betonbuchstaben "HEIMAT", deren blaue Färbung an Luft und Wasser denken lässt.

Darüber schweben die "Baumhäuser" von Wolfgang Jeske. Die leichten Stoffskulpuren tanzen in luftiger Höhe über den Köpfen der Besucher und leuchten nachts wie Laternen. Ihre reduzierte Form bildet den Prototyp des Nachkriegs-Siedlungshauses ab. "Ich bin in so einem Haus aufgewachsen", berichtete Jeske - und verwandelte deshalb sein Urerlebnis des Wohnens  in eine verzaubernde, poetische Installation.

Harald Thomas lehnte zwei "Stämme" gegeneinander. Der Baum stand dort schon, die "Büchse der Pandora", ein besprühtes Rohr samt Baumschaum, lehnt dagegen - und wird als kitschig, grell,  krass oder aber als harmonisch wahrgenommen.

Kunst ist eben facettenreich und lädt zur Geselligkeit, wenn es eine kluge Einführung sowie Marshmallows in essbarer und musikalischer Form gibt - die drei Park-Musiker gaben sich nämlich auch den Namen der Schaumzucker-Leckerei.

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Fotostrecke Burgwedel: Bambus, Beton und Zelt symbolisieren Heimat

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Von PATRICIA CHADDE

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