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Dieb bekommt seine allerletzte Chance

Burgwedel Dieb bekommt seine allerletzte Chance

Ein mehrfach vorbestrafte 44-Jähriger hat vor dem Amtsgericht Burgwedel seine letzte Chance zur Besserung erhalten: Für insgesamt sechs Straftaten stand im Urteil eine 18-monatige Haftstrafe – noch ein letztes Mal auf Bewährung.

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Das Amtsgericht Burwgedel hat dem 44-Jährigen eine allerletzte Chance gegeben.

Quelle: Walter (Archiv)

Großburgwedel.  Frisch geklaut am Bahnhof bringe ein Fahrrad in Hannover gerade mal 20 Euro bar auf die Hand: Der 44-Jährige muss es wissen. Ausweislich seines langen Strafregisters finanziert er seine Drogensucht schon sein halbes Leben lang maßgeblich mit Beschaffungskriminalität. Auch am 16. April war das so. Videokameras haben ihn beim Transfer eines gestohlenen Fahrrades sowohl im Metronom als auch in der Bahnhofshalle der Landeshauptstadt aufgezeichnet.

Bereits sechs Wochen zuvor war der 44-Jährige bei dem Versuch gescheitert, einen Opel Corsa auf dem Pendler-Parkplatz am Großburgwedeler Bahnhof aufzubrechen. Als er anschließend wenig entfernt auf dem Bahnhofsvorplatz ein Mountainbike mitnehmen wollte, wurde er beobachtet. Die alarmierte Polizei stellte den Mann. Dieser beleidigte die Beamten unflätigst und soll sie laut Anklage auch bespuckt und getreten haben. Insgesamt kamen sechs Straftatbestände zusammen, die das Amtsgericht Burgwedel jetzt mit einer anderthalbjährigen Haftstrafe ahndete und diese auf drei Jahre zur Bewährung aussetzte.

Er brauchte Geld für Drogen

Erst seit kurzem wohnt der Angeklagte in Großburgwedel. Im Gerichtssaal wirkte er älter als 44, introvertiert, dünnhäutig. Für seine „peinlichen“ Taten entschuldigte er sich, beschönigte nichts. Er brauchte Heroin. Oder Crack, davon sei Hannover voll. Ihr Mandant sei ein Opfer seiner Krankheit gewesen, erklärte seine Verteidigerin. 

Damit war nicht allein die Drogensucht gemeint, sondern auch eine 2006 diagnostizierte, äußerst seltene neurologische Erkrankung. Die damalige ärztliche Prognose, nur noch wenige Monate Lebenszeit zu haben, schwebt seitdem wie ein Damokles-Schwert über dem 44-Jährigen, der seit dem Drogen-Tod der langjährigen Lebensgefährtin Single ist. Und depressiv: Insgesamt drei Suizidversuche mit Tabletten habe er hinter, so die Verteidigerin.

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Für Diebstähle, Autoaufbrüche und Einbrüche überwiegend im Raum Springe war der 44-Jährige mit abgebrochener Fliesenleger-Lehre erst im Juli vom Amtsgericht Hannover zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden – mit der bis jetzt nicht erfüllten Auflage, dass er eine Entzugstherapie antreten müsse. Vor diesem Hintergrund sah die Staatsanwältin keine Basis für eine positive Sozialprognose. Sie forderte 22 Monate Haft ohne Bewährung. 

Die Verteidigerin konnte in ihrem Plädoyer Amtsrichter Michael Siebrecht allerdings den Eindruck vermitteln, dass sie sich gemeinsam mit dem Bewährungshelfer um die vielschichtigen Probleme des Angeklagten persönlich kümmern werde: um eine vernünftige ärztliche Diagnose der stagnierenden Erkrankung ebenso wie um eine ambulante Drogentherapie, bis ein stationärer Therapieplatz gefunden ist. 

Siebrecht machte in seiner Urteilsbegründung deutlich, dass, wenn die Therapie tatsächlich durchgeführt werde, die Bewährungsstrafe eben „keine Gnadenentscheidung“ darstelle. Oder mit anderen Worten, die er direkt an den 44-Jährigen richtete: „Gehen Sie es an, sonst müssen Sie ins Gefängnis!“

Von Martin Lauber

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