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Diebin tauscht alte gegen neue Kinderwagen

Altwarmbüchen/Burgwedel Diebin tauscht alte gegen neue Kinderwagen

Aus Alt mach Neu auf die krumme Tour: Drei Kinderwagen der 1000-Euro-Klasse hat sich eine 32-Jährige in einem Fach- und in einem Möbelmarkt im Gewerbegebiet Altwarmbüchen zwischen Dezember 2015 und Februar 2016 durch Austausch illegal angeeignet.

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Das Amtsgericht Burgwedel ließ Milde walten und verurteilte die Angeklagte einmal mehr zu einer Bewährungsstrafe.

Quelle: Dpa

Altwarmbüchen/Großburgwedel. Das Tatmuster war stets dasselbe: Ihr kleines Kind schob die fünffache Mutter im gebrauchten Wagen ins Geschäft, im komplett oder teilweise neuen Modell wurde der blonde Junge dann wieder rausgeschoben. Zu dumm: Videokameras zeichneten alles auf.

Wegen des Vorwurfs des gewerbsmäßigen Diebstahls musste sich gestern mit der Garbsenerin auch deren 50-jährige Mutter vor dem Amtsgericht Burgwedel verantworten, weil sie in zwei der drei Fälle an den Straftaten mitgewirkt haben sollte. Doch die anderthalbstündige Beweisaufnahme und die Vernehmung von vier Zeuginnen ergab keine zwingenden Anhaltspunkte für eine direkte Tatbeteiligung. Und auch in nur einem Fall war die 50-Jährige nachweisbar dabei. Mit einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen à 15 Euro kam die arbeitslose Altenpflegerin davon.

 Kind hinter Anklagebank

Ihre Tochter, zu der das Verhältnis mittlerweile zerrüttet ist, ist in strafrechtlicher Hinsicht allerdings ein ganz anderes Kaliber. 22 Einträge seit 2007 – Diebstähle, Hehlerei, Betrug und Urkundenfälschung – finden sich in ihrem Register. Jedes Mal setzten Amtsgerichte zwischen Hameln und Bremen Freiheitsstrafen zur Bewährung aus. Kurz vor Ablauf der letzten Bewährungszeit beging die Frau ohne Berufsabschluss dann die Kinderwagen-Diebstähle in Altwarmbüchen – nicht für den Weiterverkauf, wie die Beweisaufnahme erbrachte, sondern für den Eigenbedarf. Den Anklagevorwurf der Gewerbsmäßigkeit hielt Amtsrichter Michael Siebrecht denn auch nicht aufrecht.

Ein seltsam anmutendes Bild im großen Sitzungssaal des Amtsgerichts: Neben der 32-Jährigen saß ihr kleiner Sohn im Buggy hinter der Anklagebank und spielte ruhig mit einem Smartphone. Ohne alle Umschweife räumte seine Mutter alle Taten ein. Einmal allerdings habe sie, weil der Kinderwagen knarzte, ganz legal tauschen wollen. Der Möbelmarkt sei darauf nicht eingegangen, weil die Kaufquittung aus einer anderen Filiale stammte. Dann entschied sie sich für den illegalen Tausch.

32-Jährige will Neubeginn

Gleichwohl machte sich die Verteidigerin stark für eine milde Strafe. Ihre Mandantin lebe mit zweien ihrer Kinder und einem neuen Partner mittlerweile in einem Eigenheim. Und sie habe sich einen Therapieplatz besorgt, um einen Schlussstrich unter ihr früheres Leben zu ziehen. In der Tat hatte im Rahmen eines Strafverfahrens vor dem Amtsgericht Hannover ein psychologischer Sachverständiger der 32-Jährigen eingeschränkte Steuerungsfähigkeit aufgrund einer „emotional instabilen Persönlichkeitsstörung des Borderline-Typs“ attestiert und Bezüge zu den Diebstählen nicht ausgeschlossen.

Mit einer Gesamtstrafe von nur acht Monaten zur Bewährung und der Verpflichtung, den Schaden zu begleichen, bekam die Angeklagte die ausdrücklich letzte Chance. Die Staatsanwältin – „Ich sehe nicht, dass sie aus ihren Fehlern lernt“ – hatte auf eine 22-monatige Freiheitsstrafe ohne Bewährung plädiert.

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