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Drogendealer muss nicht in Haft

Burgwedel/Wedemark Drogendealer muss nicht in Haft

Haarscharf an der Inhaftierung vorbeigeschrammt ist ein Drogendealer aus Burgwedel. Er hatte in der Wedemark und in Hannover in mindestens 30 Fällen mit jeweils bis zu 160 Tabletten des Rauschgifts Ecstasy Handel getrieben.

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Von Oktober 2012 bis Januar 2013 war der heute 29-Jährige Teil eines schwunghaften Handels mit der gefährlichen Partydroge Ecstasy.

Quelle: Symbolbild (dpa)

Burgwedel. „Herr E., das war knapp!“ - so leitete Amtsrichter Michael Siebrecht seine Begründung ein, nachdem das Schöffengericht den 29-Jährigen gerade zu einer Gesamtstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt hatte. 24 Monate sind die Grenze für Bewährungsstrafen, jede längere Freiheitsstrafe hätte der Mann auch tatsächlich absitzen müssen. In der Haftstrafe berücksichtigt wurde eine offene Bewährungsstrafe von elf Monaten unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung. Außerdem muss der Verurteilte 300 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Vom Oktober 2012 bis Januar 2013 war der damalige Wedemärker Teil eines schwunghaften Handels mit der gefährlichen Partydroge Ecstasy. Mindestens in den abgeurteilten 30 Fällen hatte der Mann das Betäubungsmittel von einem Bekannten erworben. Mit dem Drogensüchtigen, der als Bote fungierte, traf er sich regelmäßig, manchmal mehrmals pro Woche, auf einem Parkplatz in Mellendorf, um die Ware in Empfang zu nehmen.

Im Prozess versuchte der Angeklagte zunächst, sich als reiner Drogenkonsument darzustellen. Er habe zwar auch mal mehrere Tabletten erworben, aber keineswegs zum Wiederverkauf, wies der Mann den Vorwurf des Handels zurück. Doch das ließ Amtsrichter Siebrecht nicht gelten: Er zitierte aus Unterlagen von Prozessen gegen den Verkäufer und den Boten, um dem Angeklagten klarzumachen, dass es, sollte er bei seiner Haltung bleiben, auch schnell um bedeutend größere Mengen an Drogen gehen könne: In den damaligen Prozessen war teilweise sogar von 500 bis 1000 Ecstasy-Tabletten je Lieferung die Rede gewesen - und damit wäre die straferschwerende Grenze zur „nicht geringen Menge“ deutlich überschritten worden.

Erst nach einer längeren Unterredung mit seinem Strafverteidiger ging der Angeklagte über die „goldene Brücke“, die der Richter ihm gebaut hatte. Dieser konnte sich seinerseits keineswegs darauf verlassen, dass der Drogenverkäufer und der Bote im Zeugenstand tatsächlich aussagen und den Angeklagten derart schwer belasten würden.

Dass es letztlich bei einer Bewährungsstrafe blieb, lag außer am späten Geständnis vor allem an der mittlerweile recht günstigen Sozialprognose für den ehemaligen Drogendealer: Dieser hat sich unter dem Eindruck des Suizids zweier Bekannter vom Rauschgift losgesagt, lebt mittlerweile in einer festen Beziehung und hat einen Job in Aussicht. „Ich hoffe, es kommt jetzt bei Ihnen an, dass es sehr knapp war“, gab ihm der Richter mit auf den Weg.

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