Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Zeuge lügt, um sich selbst zu schützen

Burgwedel Zeuge lügt, um sich selbst zu schützen

Fünf Verhandlungstage hat es in Anspruch genommen, um einen angeblichen Drogendealer vor dem Amtsgericht Burgwedel jetzt freizusprechen. Schuld daran war der Belastungszeuge – der am Ende doch nur für die Entlastung sorgte.

Voriger Artikel
Neuer Verein für Drittliga-Handballer der TSG?
Nächster Artikel
Feuriger Konzertspaß in Wettmar

Ein 35-Jähriger ist vor dem Amtsgericht Burgwedel jetzt freigesprochen worden - ein Zeuge hatte ihn zu Unrecht belastet.

Quelle: Symbolbild

Burgwedel. „Ich habe diesen Mann in meinem Leben noch nicht gesehen“: Diese Aussage vertrat der 35-jährige Angeklagte von Prozessbeginn an. Laut Anklage sollte er in der ersten Jahreshälfte 2013 gleich sechsmal Marihuana an einen 42-Jährigen verkauft haben. Tatort sollte dabei stets das Geschäft des Angeklagten in Großburgwedel gewesen sein.

Die Polizei hatte den Zeugen mit dem Marihuana aufgegriffen – dieser gab bei der Polizei auch gleich Name und Adresse des Angeklagten an. Vor Gericht allerdings kam es zu dieser Aussage nicht mehr: Mal verwies der Zeuge auf Erinnerungslücken, mal erschien er erst gar nicht. Schließlich beauftragte das Gericht sogar einen Gutachter, der bestätigte, dass der Zeuge durchaus im Stande sein müsste, sich an Details zu erinnern.

„Ich gebe es zu, ich habe den Angeklagten auch noch nie persönlich gesehen“, gestand der 42-Jährige schließlich am fünften Prozesstag in Großburgwedel. Vielmehr habe die Polizei ihm damals gesagt, dass er mit Strafmilderung rechnen könne, wenn er seinen Dealer benenne oder Informationen preisgebe, die zur Ergreifung eines Täters führen könnten. „Deshalb habe ich seinen Namen genannt. Ich habe von Bekannten gehört, wie seine Verkäufe so ablaufen, und habe das geschildert.“

„Sie können doch nicht einfach einen Unschuldigen in die Pfanne hauen, um selbst besser dazustehen“, betonte Amtsrichter Michael Siebrecht, dass der Zeuge sich damit durchaus selbst strafbar gemacht habe. Der Zeuge wiederum hielt dagegen, sein Freund, der ihn mit dem Marihuana versorgt hätte, habe damals behauptet, dass er dieses vom Angeklagten habe.

So oder so: Für eine Verurteilung reichte das bei Weitem nicht. Zumal der entsprechende Freund, der als Mittelsmann zwischen Angeklagtem und Zeugen fungiert haben soll, inzwischen gestorben ist. „Ein fader Beigeschmack bleibt so natürlich immer“, hieß es von Seiten der Staatsanwaltschaft. „Aber ein Tatnachweis ist mit Hörensagen an dieser Stelle nicht mehr zu führen“, erläuterte der Richter seinen Freispruch.

Von Carina Bahl

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6slqn371eautd2w7l5i
Zurück aus der Hölle des Flüchtlingslagers

Fotostrecke Burgwedel: Zurück aus der Hölle des Flüchtlingslagers