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Immer auch Freiheitskämpfer

Großburgwedel Immer auch Freiheitskämpfer

Der 25. Jahrestag des 3. Oktober 1990 kommt in Sichtweite: In Großburgwedel hat sich am Dienstagabend Berlins früherer Regierender Bürgermeister, Eberhard Diepgen, seine Gedanken zur deutschen Wiedervereinigung gemacht. 

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Rainer Fredermann (l.) und Jörg Jäger (r.), Landesbeauftragter der Konrad-Adenauer-Stiftung, begrüßen Eberhard Diepgen im Amtshof.

Quelle: Zimmer

Großburgwedel. Die Nacht des 9. November 1989, als in Berlin die Menschen auf der Mauer tanzten - sie passt gut ins Geschichtsbild von Eberhard Diepgen. Die Geschichte Deutschlands sei immer auch eine des Freiheitskampfes und des aufgeklärten Liberalismus gewesen. Da dürften die zwölf Jahre Nationalsozialismus nach 1933 „nicht als Sichtblende davorstehen“, sagte er im voll besetzten Amtshof. Von der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) eingeladen, suchte der 74-jährige Christdemokrat dort Antworten auf selbst gestellte Fragen wie: Was ist des Deutschen Vaterland? Heute stehe Deutschland gut da, befand Diepgen, setzte aber ein „Aber“ - und wies auf die schwere Geburt einer „späten Nation“ hin.

Im Gegensatz zu CDU-Stadtverbandschef Rainer Fredermann, der den Gast im Amtshof begrüßt hatte, fand Diepgen es nicht so schlimm, dass er ausgerechnet zur Zeit des Mauerfalls gerade nicht Bürgermeister war, sondern „der Mann mit dem roten Schal von der anderen Partei“, Walter Momper (SPD). „Mir war es wichtig, den Prozess der Wiedervereinigung zu gestalten“, sagte Diepgen, der dazu dann seine zweite Amtszeit von 1991 bis 2001 nutzte. Der CDU-Politiker bekannte, dass es für ihn eine Freude gewesen sei, dass die Gegner der Wiedervereinigung im Westen „schnell kleinlaut wurden und heute eigentlich schon immer dafür waren“.

Vaterland, so Diepgens Einschätzung, sei mehr als das Bekenntnis zum Grundgesetz. Das müsse auch den Menschen nahegebracht werden, die heute als Flüchtlinge in großer Zahl nach Deutschland kommen, um hier zu bleiben. „Man wird leider bei dem Begriff Leitkultur sofort in eine rechte Ecke gestellt“, bedauerte der Christdemokrat, doch: „Eine Willkommenskultur ohne Anerkennungskultur geht nicht.“

Die anschließende Fragerunde reduzierte sich im Wesentlichen auf einen Hinweis auf die Gefahr von Deutschtümelei sowie historische Exkurse von Zuhörern. Die junge und mittelalte Generation fehlte im Publikum fast gänzlich. Melanie Hays bildete da durchaus eine Ausnahme: Die Mittdreißigerin mit englischer Mutter hatte nach eigener Aussage bisher zu dem Begriff Vaterland keinen Zugang. Nach Eberhard Diepgens Rede, so erklärte sie, wollte sie nun „mal tiefer darüber nachdenken“.

von Jürgen Zimmer

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