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Nach zwölf Wochen folgte schon die Hochzeit

Burgwedel Nach zwölf Wochen folgte schon die Hochzeit

60 Jahre Ehe – das muss man erst einmal schaffen. Die Großburgwedeler Martha und Günter Böse haben das getan. Obwohl sie sich einst nur zwölf Wochen Kennenlernzeit gegönnt hatten. Am Donnerstag feiert das Paar diamantene Hochzeit.

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Martha und Günter Böse feiern am Donnerstag diamantene Hochzeit.

Quelle: Chadde

Großburgwedel. Bei Martha (87) und Günter (83) Böse war es Liebe auf den ersten Blick. Der stattliche junge Schlosser wollte Pfingsten 1956 einen Arbeitskollegen im Harz besuchen und fragte eine junge Dame nach dem Weg. Die erkannte das Potenzial des gutaussehenden Herren, der vor ihr stand, lud ihn zu sich nach Hause ein – „und schon Pfingstmontag haben wir unsere Hochzeit geplant“, erinnert sich Günter Böse mit einem zarten Lächeln. Zwölf Wochen später gab das Paar sich im Standesamt von Bennemühlen das Ja-Wort.

Am Donnerstag, 60 Jahre später, feiert es nicht nur die eigene diamantene Hochzeit. Weil die Tochter am Tag, an dem ihre Eltern Silberhochzeit feierten, in den Stand der Ehe trat, ist ein geselliges Familien-Kaffeetrinken geplant, zu dem auch vier Enkelkinder und zwei Urenkel erwartet werden. Am Sonnabend wartet dann eine Überraschung. Günter Böse hat schon mal bei der Enkeltochter angeläutet, aber „die hält dicht“, schmunzelt der Senior.

Freundliche Durchsetzungsfähigkeit hat dem Paar, das heute am Großburgwedeler Schützenplatz wohnt, trotz widriger Zeiten immer wieder den Weg geebnet. Denn die Aussichten für Böses Ehe hatte das Umfeld anfangs eher mager eingeschätzt. Martha Böses Bruder riet dem angehenden evangelischen Schwager, eine katholische Trauung zelebrieren zu lassen, um die schlesischstämmigen Schwiegereltern günstig zu stimmen. Doch beim Brautunterricht wollte der Pfarrer Martha dann unbedingt von der planten Eheschließung abbringen. „Deshalb verlegten wird die kirchliche Trauung lieber nach Schladen, da war der Pfarrer gerne bereit, uns seinen kirchlichen Segen zu geben“, erinnert sich Martha Böse. „Um feiern zu können, räumten wir das Schlafzimmer aus, dann wurde gefeiert“, erinnert sich Martha Böse, die acht Geschwister hatte, während von der Seite ihres früh verwaisten Bräutigams nur Bruder, Stiefmutter und ein Onkel kamen.

Die gemeinsame Ehezeit hat das Paar mit vielen schönen Momenten gestaltet. Die erste Reise Richtung Sylt endete zwar schon in Fallingbostel, „aber das war sehr schön dort mit Paddeln auf der Böhme und Wandern“, wie Günter Böse berichtet. 1960 macht er seinen Führerschein, von da an ging es Sonntags oft an die Ostsee und abends wieder zurück. Auch Ferientouren mit den beiden Töchtern Christina, Jahrgang 1959, und der vier Jahre später geborenen Sylvia sowie einem Ferienkind bleiben in bester Erinnerung. „Wir hatten die Koffer auf der Rückbank des Fiat 600, die Kinder saßen gebückt oben drauf“ schildert Martha Böse die Ausflüge vor der Anschnallpflicht. Hobbys wie Schießen bei den Kyffhäusern oder Kaninchenzucht hat das Paar inzwischen aufgegeben. Doch Pokale in der Vitrine erinnern noch an die erfolgreiche Zucht der „Blauen Wiener“. Und in den Fotoalben sind besondere Momente aus dem Leben des diamantenen Paares festgehalten. Nach den Härten ihrer Kindheit – er mit dem Verlust seiner Eltern, sie mit Flucht und Vertreibung – schätzen beide heute ihr friedliches Leben sowie die Nähe zu Kindern, Enkeln und Urenkeln besonders wert.

Von PATRICIA CHADDE

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