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"Wir haben nie an uns gezweifelt"

Burgwedel "Wir haben nie an uns gezweifelt"

Ein stadtbekanntes Ehepaar feiert Diamantene Hochzeit: Jahrzehnte lang war Eugen Krauthoff Friedhofsgärtner in Großburgwedel, Ehefrau Inge war für die Blumen zuständig.

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Wir puzzeln jeden Tag zusammen im Garten: Inge und Eugen Krauthoff feiern Diamantene Hochzeit.

Quelle: Martin Lauber

Großburgwedel. Wahrscheinlich hätte es des stolzen "Seeadlers" gar nicht bedurft. Eugen Krauthoff hatte den Rumpf des Schiffsmodells in langen Abendstunden aus einem Baumstamm gebeilt, den Segler filigran bemastet, sogar eine elektrische Bordbeleuchtung eingebaut. "Meiner lieben Inge" schrieb er unter den Rumpf des massiven Verlobungsgeschenks. Dabei wussten die beiden doch schon längst, dass sie füreinander bestimmt sind – er, der Gärtner aus Großburgwedel und sie, die Friseurin aus Wettmar, gleichfalls mit einem Händchen für alles, was blüht.

"Wir haben nie an uns gezweifelt", da sind sich die beiden 84-Jährigen einig, wenn sie auf der Gartenterrasse, ihrem geliebten Dauerurlaubsplätzchen, den Blick genießen auf die vielen Blumen, den plätschernden Brunnen, die zutraulichen Amseln und Drosseln. Heute vor 60 Jahren gaben sie sich auf dem Standesamt das Ja-Wort, tags drauf nach der Trauung in St. Marcus wurde im riesigen Garten ihrer Eltern zwischen Gemüsebeeten die Hochzeit in Weiß gefeiert.

Zupackend und mutig waren die jungen Leute unbezweifelbar. Und beide Male, als sie sich über alle gutgemeinten Ratschläge hinwegsetzten, sollten sie recht behalten. Gegen alle Warnungen baute das Paar sein erstes Familiennest mit eigenem Geld und viel Arbeit im Obergeschoss eines Hauses im Mitteldorf – als Mieter! Beim „Abwohnen“ fühlten sich die Krauthoffs dort 13 Jahre lang sehr wohl – und Tochter Anja hatte es nur ein paar Schritte zur Schule.

Noch bedeutender war der Entschluss, sich Anfang der siebziger Jahre bei der St.-Petri-Gemeinde um die Friedhofsgärtnerei zu bewerben. Die bestand damals kaum aus mehr als einem Schuppen, aber für die neuen Pächter wurde ein Geschäft gebaut. Geunkt wurde trotzdem: "So weit draußen, da kommt doch kein Mensch." Doch das Geschäft lief vom ersten Tag an rund. Als das Ehepaar vis-à-vis Bauland für ein Haus ergattern konnte, musste das zwar erst urbar gemacht und ein Bunker abgebrochen werden, aber das Glück war perfekt. Und nachhaltig: Bis heute kommen beide Kinder fast täglich zum Frühstück rüber, weil Sohn Jörg in Vaters Fußstapfen getreten ist und seine Schwester Anja im Betrieb jenseits der Straße mitarbeitet.

Dabei hatten sie hautnah miterlebt, was es bedeutet, Friedhofsgärtner von Großburgwedel zu sein. Bei der Grabwahl mithelfen, Kapelle dekorieren, in Frack und Zylinder bei Beerdigungen nach dem Rechten sehen – und die Mama musste den ganzen Tag im Laden anpacken. Häufig ging es noch am Abend weiter – das Vereinsleben florierte noch in Burgwedel, da mussten häufig zehn oder mehr Kränze gebunden werden. "Das geht nur zusammen", ist Inge Krauthoffs Lebenserfahrung. Ausnahmen gab es nur wenige: seine Chorabende bei der Concordia, seine Bastelstunden im Keller und ihre Abende in der Sauna einmal in der Woche.

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Kleine Hochzeitsprozession: Inge und Eugen Krauthoff gehen voran von der Wettmarer St.-Marcus-Kirche in den großen Garten ihrer Eltern.

Quelle: Repro
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