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Ivorer sägt und feilt für eine Ausbildung

Burgwedel Ivorer sägt und feilt für eine Ausbildung

Zuversichtlich, dass aus dem Praktikum mehr werden könnte, sind sie beide: der 68-jährige Tischlermeister Heinz Theo Rockahr und ein 22-jähriger Asylbewerber aus Westafrika Ousmane Outtara.

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Ousmane Outtara absolviert ein Praktikum in der Tischlerei Rockahr – mit Aussicht auf eine Ausbildung.

Quelle: Katharina Jaroolim-Vormeier

Thönse. Anderthalb Jahre hat Ouattara darauf gewartet, dass das Bundesamt für Migration seinen Asylantrag bearbeitet - eine lange Wartezeit für den jungen Mann von der Elfenbeinküste. Doch seit er seinen Aufenthaltstitel hat, geht es vorwärts. Seit vier Wochen macht er ein Praktikum bei der Tischlerei Rockahr - möglicherweise mit Aussicht auf einen Ausbildungsplatz.

Ouattara sägt und feilt an einer Buchholzleiste, die für den Rahmen eines Fliegenfensters gedacht ist. Da ist Exaktheit angesagt. Auch beim Einsetzen von Fenstern und Türen hat er schon geholfen. Zwischendurch bringt ihm Rockahr Grundbegriffe des Tischlerberufs bei – zum Beispiel, was ein Zinken ist. Der Tischlermeister, zugleich Ortsbürgermeister von Thönse, legt wert auf exaktes Arbeiten. "Das ist für diesen Beruf sehr wichtig."

Zustande gekommen ist das Praktikum, weil die Agentur für Arbeit in seinem Betrieb nachgefragt hatte. Weil er auch immer wieder Schüler-Praktikanten beschäftigt, sagte Rockahr sofort zu. Nach vier Wochen zieht er eine positive Bilanz: "Der junge Ivorer ist pfiffig und macht die Sache gut."

Dabei brachte Ouattara keine handwerklichen Vorkenntnisse mit. In seinem Heimatland war er Kraftwagenfahrer – ohne Führerschein, wie er selbst erzählt. Den brauche man dort nicht. Nun bekommt er den ersten Schliff in der Tischlerei. Zudem besucht der freundliche junge Mann, der ohne Eltern und seine vier Geschwister allein in Thönse lebt, einmal in der Woche einen Sprachkurs.

Eine Ausbildung in der Tischlerei Rockahr zu absolvieren, das kann Ouattara sich sehr wohl vorstellen. Rockahr hätte keine Probleme damit: "Er fühlt sich wohl bei uns und stellt sich sehr geschickt an." Das vierwöchige Praktikum hat der Betrieb, weil für den Antritt einer Lehre die formalen Voraussetzungen noch nicht erfüllt sind, erstmal verlängert. Fachkräfte würden gesucht, sagt der 68-jährige Chef. Die Bedenken mancher anderer Firmeninhaber, Flüchtlinge einzustellen, teile er nicht.

Jobcenter schmiedet Ausbildungspläne

Wie viele Zuwanderer schon in Praktika vermittelt wurden, darf das Jobcenter aus Datenschutzgründen nicht mitteilen. Fest steht aber: Eine Beschäftigung treten nur anerkannte Asylbewerber an. "Die Agentur für Arbeit schaut sich die Lebensläufe der Bewerber sehr genau an", erklärt Claudia Sommer, Teamleiterin Markt und Integration des Großburgwedeler Jobcenters. Es werde geschaut, welche Kenntnisse und Fähigkeiten vorhanden sind. Zudem müssten die Sprachkenntnisse nachgewiesen werden und eine Arbeitserlaubnis vorliegen, erläutert die Teamleiterin.

Erste Schritte sind die Anerkennung von Schul-, Universitäts- und Arbeitszeugnissen. Das Jobcenter legt für jeden einzelnen einen langfristigen Integrationsplan an – nach dem Motto "Vom Helfer zur Fachkraft". Laut Bereichsleiter Björn Sund hat das Jobcenter für die berufliche Vorbereitung von Asylanten mehr Personal eingestellt. Gleichzeitig betont er, dass dies nicht auf Kosten anderer Arbeitsloser gehe. "Es ist für alle gesorgt", bekräftig Sund.

Von Katharina Jarolim-Vormeier

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