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Ein Hoffnungsträger aus El Salvador

Burgwedel Ein Hoffnungsträger aus El Salvador

Oscar hat auf der Straße gelebt, dort wo die Rate an gewaltsamen Tötungen weltweit die höchste ist - in El Salvador. Der 35-jährige Kirchengründer steht am Wochenende als Rapper in der Haydn-Revue mit auf der Amtshof-Bühne.

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In
El Salvador geht Oscar Edgardo Navorro Lara für Christus auf die Straßen der von Gangs beherrschten Viertel.

Quelle: Carlos Utermöhlen

Burgwedel. Momo und Oscar Edgardo Navarro Lara haben sich gesucht und gefunden. Der 14-jährige syrische Flüchtlingsjunge aus Burgwedel macht dem zierlichen Lateinamerikaner vor, wie er den deutschen Liedtext korrekt aussprechen muss. Oscar revanchiert sich mit dem absoluten Rap-Rhythmusgefühl. Im Amtshof, wo die Initiave Kunst und Kultur für Kinder (KuK) konzentriert für die „Haydn-fabelhaft“-Revue am Wochenende probt, sind die beiden zurzeit ein Team im Team.

Für zwei Monate ist der Mann aus El Salvador bei der Familie von KuK-Initiatorin Regina Gresbrand zu Gast. Er begleitet Carlos Utermöhlen, unter dessen Anleitung Burgwedeler Kinder seit einem Dreivierteljahr eigene Songs texten, zu performen lernen und eine Studio-CD einspielen werden.

Mit ähnlichen Workshops ist Utermöhlen - freischaffender Künstler und Dozent aus Braunschweig - mit seinem „Rapflektion“-Projekt auch immer wieder in Lateinamerika unterwegs. Dabei hat er Oscar kennengelernt und war von dessen Arbeit so tief beeindruckt, dass er unter lebensgefährlichen Umständen einen Dokumentarfilm über ihn gedreht hat.

El Salvador gilt als das gefährlichste Pflaster der Welt. Die Hemmschwelle beim Gebrauch von Schuss- oder Stichwaffen ist niedrig. Jugendbanden in Heeresstärke beherrschen ganze Stadtviertel. In dieser Welt hat Oscar Edgardo Navarro Lara als Kind den Bürgerkrieg miterlebt, mit zehn Jahren erste Bekanntschaft mit Drogen gemacht, acht Jahre auf der Straße überlebt, während viele seiner Freunde starben.

Als seine Großmutter ihn zum christlichen Glauben bekehrte, war er Mitte 20. Das sei „ein Schlüsselerlebnis“ gewesen, übersetzt Carlos. Doch zu jungen Menschen aus dem Dunstkreis der Gangs halte die Amtskirche in El Salvador Distanz. Ihm sei nichts anderes übrig geblieben, als seine eigene Kirche zu gründen, erklärt der 35-Jährige, den eine Aura von leiser Freundlichkeit umgibt. „Esperanza“ hat er sie genannt: Hoffnung.

Hauptquartier war zunächst die Wohnung seiner Großmutter, dann wurde ein kleines Lokal umfunktioniert. Meistens aber fährt der mutige Kirchengründer in die Viertel, in denen er selbst auf der Straße gelebt hat, um das Wort Gottes zu predigen. Rapmusik, Graffiti und Skateboard gehören zur gemeinsamen Sprache. Rund 30 Unterstützer sind jeden Freitag dabei, wenn er obdachlose Jugendliche mit Lebensmitteln versorgt. „Die Armen helfen den Ärmsten“, erklärt Oscar.

Utermöhlen hat seinen neuen Freund aus El Salvador für zwei Monate mit nach Deutschland gebracht, um ihn - im wörtlichen Sinne - aus der Schusslinie zu bringen, damit er sich ausruhen und Kraft tanken kann. In Göttingen hat er ein Benefizkonzert und eine Ausstellung zu Gunsten von Oscars Straßenkirche organisiert.

Bei einem Länderabend im IKM-Treff wird der 35-Jährige im Februar selbst über sein Leben berichten. Vorher steht er in einer Rap-Einlage bei der KuK-Revue „Haydn fabelhaft“ am kommenden Sonnabend und Sonntag jeweils um 16 Uhr mit auf der Amtshof-Bühne.

Von Martin Lauber

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