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Enkel jagt auf Opas Spuren

Burgwedel/Isernhagen Enkel jagt auf Opas Spuren

Als „Schadenverhüter“ vertreibt Harald Müller Marder von Dachböden. Dabei tritt der 31-Jährige in große Fußstapfen - sein bekannter Großvater Egon Müller hatte ihn einst angelernt.

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Schadenverhüter Harald Müller (rechts) zeigt Hausbesitzer Henning Cernak ein Präparat eines Marders.

Quelle: Frank Walter

Burgwedel. "Mitten in der Nacht rumst es über einem, und man ist sofort hellwach“: Auf seinen Mitbewohner ist der Altwarmbüchener Henning Cernak nicht gut zu sprechen. Seit Monaten treibt auf dem Dachboden in Cernaks Haus am Farrelweg ein Marder sein Unwesen - was auch Kotspuren, zerfetzte Dämmwolle, Taubenfedern und eine persönliche Begegnung belegen. Eine Zeit lang war Ruhe, doch jetzt ist das kleine Raubtier zurückgekehrt. Das Schlupfloch unter der Firstpfanne reicht ihm als Einstiegsloch, ist Harald Müller überzeugt. „Schadenverhütung“ hat der 31-jährige Müller auf seiner Visitenkarte stehen - und den Zusatz „Der Marder-Müller“. Unter diesem Namen war schon Harald Müllers Großvater Egon bekannt, der sich selbst als „Problemlöser“ bezeichnet hatte. Jetzt bewegt sich der Enkel in den Fußstapfen des Großvaters, der 2012 gestorben war.

Zu Lebzeiten hatte Egon Müller mit Harald und dessen Bruder Klaus auf vielen Dachböden der Region Mardern nachgespürt. „Opa hat uns zum Ende seines Lebens noch ganz viel Wissen vermittelt und seinen Seelenfrieden darin gefunden, dass er seine Geschichte weitergeben konnte“, ist Harald Müller überzeugt. Sein Großvater habe Ansätze aus der Jagd und der Biologie verknüpft, Probleme bewusst mit viel Abstand betrachtet und sehr unkonventionelle Lösungen gefunden. Mal schoben die Müllers einen Baurüttler ums Haus, um zu testen, wie die Steinmarder („Baummarder sind scheuer“) auf Vibrationen reagieren. „Nach einer Woche war der Marder wieder da.“ In einem riesigen Supermarkt im Oldenburger Land ließen sich die Müllers erst von einem Hund anzeigen, wo die Marder sich tagsüber versteckten, um dann nachts durch die Frischetheke zu spazieren - und vertrieben diese dann mit lauten Schockgeräuschen aus den Katakomben. „Die CD setze ich manchmal noch ein“, sagt Harald Müller.

Im Repertoire des jungen „Marder-Müller“ ist die Geräuschkanone aber eher ein Auslaufmodell. Bei Hausbesitzer Cernak in Altwarmbüchen platziert Harald Müller, der hauptberuflich Windparks plant, eine Mischung verschiedener Duftstoffe im Schlupfloch. „Der Geruch signalisiert dem Marder höchste Gefahr“, erläutert Müller. Anders als Hausmittel wie Hundehaare oder Klosteine, an deren Geruch sich die Tiere schnell gewöhnten, erreiche er mit dem Geheimrezept die genetisch bedingten Schlüsselreize, die der Marder nicht ablegen könne. Die Logik dahinter stammt - natürlich - von seinem Opa.

Fast 400-mal Problemlöser

Als Harald Müllers Großvater 2012 nach kurzer Krankheit 82-jährig starb, war Großburgwedel um ein Original ärmer. Der für seine außerordentlichen Natur- und Heimatkenntnisse bekannte Egon Müller hatte über die Jahre fast 400 Wohnhäuser, Kindergärten und Sporthallen von Mardern befreit und auch die Krähen vom Foliendach der AWD-Arena in Hannover vertrieben. Der promovierte Landwirt, der später in die Versicherungswirtschaft gewechselt war, sah sich selbst als Problemlöser. Aus seiner Sammlung historischer Werkzeuge unterstützte Müller zudem das Isernhagener Bauernhausmuseum.

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