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Erpresst wegen harmloser Fotos

Großburgwedel Erpresst wegen harmloser Fotos

Weil er einen Großburgwedeler wegen angeblich verbotener Bilder um 4500 Euro erpresst hat, ist ein 40-Jähriger am Donnerstag zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten verurteilt worden - ohne Bewährung.

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Der Fall wurde im Amtsgericht Großburgwedel verhandelt.

Quelle: Martin Lauber

Burgwedel. Er habe keine Zweifel, dass das Opfer als Zeuge die Wahrheit gesagt habe, begründete Amtsrichter Michael Siebrecht seinen Urteilsspruch. Denn zu lügen, das setze bestimmte Kompetenzen voraus - und diese vermochte der Richter beim Zeugen nicht zu erkennen.

Tatsächlich handelt es sich beim Opfer um einen Mann, der - das wurde im Prozess deutlich - allein nicht wirklich gut durchs Leben kommt. Ob er unter angeordneter Betreuung stehe? Das wusste der 62-Jährige nicht zu beantworten: „Da kam mal so eine blaue Karte aus Berlin.“ Welche Rolle sein ein Jahr älterer Freund habe, der ebenfalls als Zeuge aussagte? „Er passt auf mich auf.“ Als offizieller Betreuer aber nicht, wie der Richter wusste; vielmehr scheine der Isernhagener eine Vorsorgevollmacht für ihn zu besitzen.

Im Detail sehr ungenau waren dann auch die Erinnerungen, die das Opfer an jene Tage im Frühjahr hatte, als er dem Angeklagten begegnet war. Dieser half, zwei Markisen an der Wohnung des Rentners abzubauen. Dabei seien dem 40-Jährigen Bilder in seinem Schlafzimmer aufgefallen - Bilder von Frauen in Strumpfhosen und auch von Damen-Hygieneartikeln, herausgeschnitten aus Illustrierten und Werbeprospekten. „Mir haben die Bilder gefallen“, sagte der Großburgwedeler entschuldigend. Der 40-Jährige habe die Bilder fotografiert und ihn dann damit erpresst, weil dass angeblich Phädophilie sei und er ihn sonst anzeigen werde. Dreimal habe er Geld abheben und ihm übergeben müssen. Insgesamt 4500 Euro und dazu Erbschmuck aus einem Schließfach wechselten den Besitzer - wegen Bildern, deren Besitz zwar seltsam anmutet, die aber keineswegs etwas mit Kinderpornografie zu tun hatten und auch nach Meinung der Staatsanwältin harmlos gewesen seien. Aber das Opfer sei eben ein sehr ängstlicher Mensch und der Drucksituation nicht gewachsen gewesen, fügte sie hinzu.

Die eingangs verlesene Erklärung des Angeklagten, die den ein Jahr älteren Freund des Opfers als den wahren Dieb beschuldigt hatte - dieser wälze nur alles auf ihn ab - verhinderte den Schuldspruch ebenso wenig wie das Plädoyer seines Verteidigers, der auf aus seiner Sicht etliche Ungereimtheiten in den Zeugenaussagen hinwies: „Die Geschichte ist nicht rund.“

Weil das Opfer intellektuell unterlegen und deshalb besonders schützenswert sei, der Angeklagte zudem schon unter Bewährung stehe, verurteilte der Richter den 40-Jährigen letztlich zu der Haftstrafe ohne Bewährung. Das Urteil ist aber noch nicht rechtsgültig, könnte zur Überprüfung einer höheren Instanz vorgelegt werden.

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