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Lehrstellen: Zug ist noch nicht abgefahren

Burgwedel Lehrstellen: Zug ist noch nicht abgefahren

Der Tag, an dem in den Betrieben die Ausbildung beginnt, rückt mit großen Schritten näher. Am 1. August startet für viele Schulabgänger die Lehrzeit – offene Stellen gibt es trotzdem noch zuhauf. Zum Beispiel hinter einem Delikatessen-Tresen in Großburgwedel.

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Seit vielen Jahren bildet Gabriele Moss Schulabgänger aus. Im letzten Jahr konnte ihr Delikatessen-Geschäft keinen Azubi finden. Für dieses Jahr hat Moss noch Hoffnung.

Quelle: Tomma Petersen

Burgwedel. 473 Stellen im Raum Burgwedel sind der Bundesagentur für Arbeit für das jetzt beginnende Ausbildungsjahr gemeldet worden. Mehr als die Hälfte davon ist nach Aktenlage noch unbesetzt. „In Burgwedel, und dazu gehören in unserer Statistik auch Isernhagen und die Wedemark, gibt es 379 Bewerber, das Verhältnis ist eigentlich ganz ausgeglichen“, sagt Holger Habenicht von der Agentur für Arbeit in Hannover.

Doch warum sind so viele Stellen dann noch offen? „Es gibt sowohl Stellen als auch Bewerber, die es etwas schwerer haben“, so umschreibt Habenicht das Problem. Zum einen gebe es natürlich Schulabgänger, die nicht die geforderte Qualifikation für bestimmte Lehrstellen mitbringen. „Aber man muss auch ganz klar sagen, dass es Stellen gibt, die beispielsweise wegen der Lage des Betriebes unattraktiv sind“, sagt Habenicht. Schulabgänger aus Hannover zum Beispiel führen eher selten auf Stellen in der Wedemark ab. „Viele sind auf Busse und Bahnen angewiesen. Die Betriebe, die schwieriger zu erreichen sind, haben deshalb Probleme.“

Außerdem gebe es Jobs, die für junge Menschen eher unattraktiv sind. „Dazu gehören Bäcker und Fleischer. Am beliebtesten sind immer noch die Bürokauffrau und der Kfz-Mechatroniker“, so Habenicht. Von den ursprünglich 379 Bewerbern im Bereich der Großburgwedeler Arbeitsagentur sind aktuell 147 noch ohne Ausbildungsstelle.

„Unser Ziel ist es, sie alle unterzubringen und ihnen zu zeigen, welche versteckten Ausbildungsstellen es doch noch gibt“, erklärt Habenicht. „Viele Berufe kennt man gar nicht.“ In der Berufsberatung bekomme jeder ein breites Angebot. „In berufsvorbereitenden Maßnahmen werden dazu noch Perspektiven und Praktika besprochen. Jeder kann ausprobieren, welchen Lehrberuf er sich vorstellen kann.“ Für Auszubildende in spe sei es deshalb immer eine gute Idee, sich bei der Berufsberatung zu melden.

Auch die Handwerkskammer Hannover (HWK) führt eine Liste offener Lehrstellen – mehr als 500 sind in der Region Hannover insgesamt noch für dieses Jahr frei. Einige Ausbildungen starten am 1. August. Aber noch bis zum 31. Oktober stellt die Kammer laut Sprecherin Sabine Wilp Angebote auf ihrer Internetseite online. „Es gibt dort auch schon einige Stellen fürs nächste Jahr. Je früher der zukünftige Auszubildende sich informiert, desto besser“, sagt Wilp. Für dieses Jahr seien aber auch noch viele Lehrberufe zu haben. „Vom Metallbauer über den Hörgeräteakustiker bis zum Friseur ist alles dabei. Man kann nicht sagen, dass nur unbeliebte Stellen übrig sind“, sagt Wilp.

Für unversorgte Schulabgänger hat Günter Hirth, Leiter der Berufsbildung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK), einen heißen Tipp: „Nachfragen lohnt sich. Immer wieder werden Stellen nicht angetreten, weil man ein anderes Angebot angenommen hat“, sagt er. So würden Jobs für andere wieder frei. Sage und schreibe 450 bis 550 Lehrverträge würden bei der IHK wöchentlich abgeschlossen – auch jetzt noch. „Das wird auch noch bis Mitte September so weitergehen. Der Zug ist also noch nicht abgefahren.“ Info: Auf www. ihk-lehrstellenboerse.de und www.hwk-hannover.de/lehrstellenboerse gibt es freie Stellen und weitere Informationen.

Ein Beispiel aus Großburgwedel: Gabi Moss ist auf der Suche nach dem richtigen Azubi

Die teils große Diskrepanz zwischen Stellenangeboten und möglichen Auszubildenden wirkt sich selbst auf alteingesessene Unternehmen aus. Seit mehr als einem Jahr findet zum Beispiel Moss Delikatessen in Großburgwedel keinen passenden Azubi. Der Markt vereint buntes Obst, duftende Gebäcke, feine Marmeladen, Fleisch und Fisch unter einem Dach. Wer hier ausgebildet wird, hat tagtäglich mit besonderen Produkten zu tun.

"Der Azubi lernt, von welchem Tier welches Produkt stammt, muss über die verschiedenen Aufzuchten und Haltungsarten Bescheid wissen und bekommt viel Hintergrundinformationen", erzählt Ausbilderin Gabriele Moss. In ihrem Laden verbringe kein Auszubildender seine Lehrjahre in der Leergutannahme. Auch die Bezahlung stimme. Und trotzdem: Von einem Auszubildenden im Traditionsunternehmen fehlt jede Spur.

„Qualifizierte Bewerbungen gab es bislang nicht“, erzählt die Chefin. Die Schulabgänger, deren Bewerbungen vielversprechend gewesen seien, waren innerhalb weniger Tage vom Arbeitsmarkt verschwunden. „Die haben natürlich schnell eine Stelle bekommen“, sagt Moss. Bewerbungen hatte sie schon viele auf dem Tisch. „Aber wenn jemand in der Schule 45-mal unentschuldigt gefehlt hat, dann kommen wir nicht zusammen.“  Schulabgängern stehe sie generell erst einmal offen gegenüber. „Man kann immer Ausnahmen machen. Den Auszubildenden wollen wir ja auch eine Chance geben.“

In den kleineren Betrieben könnten Azubis viel lernen. „Die fachmännische Ausbildung bei uns ist gut, die Azubis durchlaufen viele Stationen, dürfen selbst viel Verantwortung tragen und werden immer von jemandem betreut“, erklärt Moss. Zwei Jahre dauert die Ausbildung zum Verkäufer. Wer dann noch Lust habe und qualifiziert sei, könne ein Jahr dranhängen und Einzelhandelskaufmann werden. Auch der Weiterbildung zum Fachwirt stehe dann nichts mehr im Wege.

Gabriele Moss hat die Hoffnung auf einen passenden Azubi noch nicht aufgegeben: „Ich glaube immer, dass eines Tages die richtige Bewerbung auf meinem Tisch liegen wird.“

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Von Tomma Petersen

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