Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
240 Jahre altes Haus am alten Markt wird abgerissen

Burgwedel 240 Jahre altes Haus am alten Markt wird abgerissen

In Großburgwedels historischer Mitte wird in Kürze der Bagger vollendete Tatsachen schaffen und das rund 240 Jahre alte Haus „Am Markt 9“ abreißen. Ursprünglich wollten die Inhaber des Hotels Marktkieker an seiner Stelle ein 25-Zimmer-Gästehaus bauen. Aber daraus wird nichts: Es bleibt nur eine grüne Leerstelle.

Voriger Artikel
Lions spenden für Sprachunterricht
Nächster Artikel
Renate Koch wird IGS-Leiterin

Die Dachpfannen sind schon runter: Die Hausnummer 9 (rechts) am Markt wird abgerissen - zunächst ersatzlos.

Quelle: Lauber Martin

Großburgwedel. Das Hinterhaus war schon vor einem Jahr abgerissen worden. Zwischenzeitlich ist es ersetzt worden durch einen weiß verputzten Neubau mit acht Zimmern zusätzlich zu den 12 im benachbarten Stadtbild-prägenden Marktkieker. "Mehr Zimmer, mehr Komfort, mehr Hotel",  verspricht ein Transparent im Schaufenster des Vorderhauses, dessen Tage jetzt auch gezählt sind. Das Dach ist schon abgedeckt, durch die Sparren hat man freien Blick in den Himmel. Noch lassen die Außenwände samt Klinkerfront die Kubatur der Hofstelle aus dem 18. Jahrhundert erkennen, zu der als Altenteilerhaus dereinst auch das heutige Geschäftshaus Pielmann gehörte.

Mit der Nummer 9 wird wieder ein Stück des alten Großburgwedel verschwinden. Für das Grundstück hat Marktkieker-Chefin Sabine Oppermann aktuell keine Neubaupläne. "Da kommt Rasen hin", erklärt sie auf Anfrage. Ursprünglich hatte sie gemeinsam mit einem Kölner Investor an dieser Stelle ein 25-Zimmer-Haus plus Tagungsraum geplant, um ihr Drei-Sterne-Hotel "Marktkieker" weiterzuentwickeln.

Doch für den Neubau mit zwei Vollgeschossen hätte der Bebauungsplan geändert werden müssen, der hier Eingeschossigkeit vorschreibt. Das aber versagte der Rat. Über die umstrittenen Baupläne setzten Kommune und Hotelbetreiber sich zeitweise nur noch über den Anwalt auseinander. Ende 2012 zog der IT-Service von Carsten Knisch schweren Herzens aus dem Laden im Erdgeschoss aus. Spätere Umbaupläne zerschlugen sich. Dreieinhalb Jahre nach dem Veto der Kommunalpolitiker steht jetzt der Abrissbagger auf dem Grundstück in zentraler 1-a-Lage.

Eine  Ansicht in der Bildchronik "Alt-Burgwedel" von Kurt Griemsmann zeigt, dass das etwa im Jahr 1775 erbaute Haus Nummer 9 schon vor 120 Jahren einen Laden beherbergte, den der damalige Inhaber Bohme führte. Großburgwedels Ortsbrandmeister Carsten Rüdiger ist in dem Haus geboren. Er weiß, dass sich im 19. Jahrhundert, als auf dem alten Marktplatz noch große Märkte abgehalten wurden, die Viehwaage auf dieser Hofstelle befand. Rüdigers Vorfahren betrieben in dem Fachwerkhaus von 1927 bis 1969 in dem Gebäude ein Lebensmittelgeschäft. Die Schweine und Pferde im Stall hätten sie erst nach dem Zweiten Weltkrieg abgeschafft.

Natürlich blutet dem Ur-Großburgwedeler beim Gedanken an den bevorstehenden Abriss seines Elternhauses "ein bisschen" das Herz. Die städtebauliche Situation am alten Markt habe aber schon vorher irreversiblen Schaden genommen, meint Rüdiger - mit dem modernen Neubau der Sparkasse.

doc6oi6xla2lc216io4g6jr

Diese Ansicht vom alten Markt in Großburgwedel ist gut 120 Jahre alt. In der Hausnummer 9, die jetzt abgerissen wird, gab es schon damals einen Laden. Ganz im Hintergrund ist der Schornstein der Brauerei zu erkennen.

Quelle: Martin Lauber
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten