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Fasche-Rust-Haus: Erst Textilien, dann Tapeten

Großburgwedel Fasche-Rust-Haus: Erst Textilien, dann Tapeten

Burgwedels alte Häuser können Geschichte(n) erzählen. In einer Serie stellen wir in loser Folge eine Auswahl der steinernen Zeitzeugen vor. Heute: Das Fasche-Rust-Haus an der Von-Alten-Straße 18.

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Der Blick reicht vorbei am Haus an der Von-Alten-
Straße 18 bis zur St.-Petri-Kirche. Der letzte Ziehbrunnen im Vordergrund gehört zum Enghusen-Hof.

Quelle: Jürgen Zimmer

Burgwedel. Die Hausnummer 18 markiert heute das letzte Haus an der Von-Alten-Straße in Richtung Rathaus. Das war nicht immer so. Bis 1982 stand noch ein weiteres Haus etwa an der Stelle vor dem Friedhof, die heute als Ampelkreuzung ausgebaut ist. Der ehemalige Köthnerhof besaß den letzten Ziehbrunnen des Dorfes. 1982 wurde der Hof Balken für Balken und Stein für Stein abgetragen. Dabei gab der schon sehr verwitterte Hausbalken sein Geheimnis preis: „Michan Enghusen Anno 1685“ ließ sich dort entziffern, nachdem man den Balken mit weißem Mörtel eingerieben hatte. Der Rest blieb unleserlich. Dieses seltene Drei-Ständer-Haus, dessen Geschichte 2011 Teil dieser Zeitungsserie war, befindet sich in Privatbesitz und steht jetzt auch schon mehr als 30 Jahre an der Straße Eiermarkt.

Das einstige Nachbarhaus an der Von-Alten-Straße 18 fiel im Jahr 1724 dem großen Brand zum Opfer. Der Fachwerkbau mit seinem heutigen Aussehen wurde an dessen Stelle errichtet und war wohl wie sein Vorgänger die nächsten 150 Jahre eine kleine Hofstelle.

Dann wurde es als „Fasche-Rust-Haus“ bekannt. Seit dem 27. Januar 1886 betrieb der Kaufmann Gustav Fasche darin sein „Textil- und Aussteuerhaus“. Fasche war im Dorf die erste Adresse für Kleidung und Wäsche. Dabei hatte er durchaus Konkurrenz, zum Beispiel die jüdischen Kaufmannsfamilien Jacobsohn und Siemon, die allerdings bereits 1893 einen „Total-Ausverkauf“ anzeigten.

1906 zog Fasche mit seinem Geschäft in den neoklassizistischen Neubau an der Von-Alten-Straße 4. Noch mehr als 60 Jahre lang betrieben er und sein Neffe Franz Rust dort das Geschäft. Alten Einwohnern Großburgwedels ist der Namenszug über dem Eingang noch in Erinnerung. In der dritten Generation führte die Familie Peinemann das Geschäft nach Rusts Tod 1964 weiter.

Nach Gustav Fasche bewohnte der Tischler Lindwedel mit seiner Familie das Fachwerkhaus an der Von-Alten-Straße 18 und betrieb darin seine Werkstatt. Um 1950 bezog der gerade erst aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrte Malermeister Erich Zimmetatis mit Frau und Tochter das Gebäude und richtete dort sein Farben- und Tapetengeschäft ein.

Erika Gabriel, geborene Zimmetatis, kann sich noch sehr gut an die Jahre in dem im Winter eisig kalten Haus erinnern: „Wir hatten nur in der Wohnstube einen Ofen. Im Verkaufsraum standen wir mit Mantel und Schal. Einmal war es so kalt, dass die Farben gefroren waren. Mein Vater lagerte sie dann in der beheizten Stube. Da saßen wir Weihnachten zwischen Dosen und Eimern. Wenn ich daran denke, ist das wie in einer anderen Welt. Aber so war das nach dem Krieg.“ 17 Jahre lang war das Gebäude der Familie Wohn- und Geschäftshaus. 1967 zog sie in ihr neues Domizil an der Ecke Kleinburgwedeler/Thönser Straße.

Nun wurde das Fachwerkhaus an der Von-Alten-Straße 18 zur Gastwirtschaft umgebaut. Die nannte sich nach den Bäumen im Hof Eichenhof. Später waren dort die Musikkneipen Chapeau-Claque und zuletzt Memory untergebracht. An der Ecke, an der einst Fasches Schaufenster die Kunden anlockte, gibt es heute Döner.

Seit Oktober 2015 wird das Gebäude von der Initiative Interkulturelles Miteinander als Begegnungsstätte betrieben. Die derzeitige Planung der Besitzer sieht vor, das Haus ab Herbst 2016 einer gänzlich anderen Nutzung zuzuführen. „Wir beabsichtigen das Haus zu renovieren und im Zusammenhang mit dem WohnPark zu nutzen“, sagt Inhaber Hans-Georg Scharpenberg. Die Scheune dahinter sei leider völlig baufällig. Aber auch dort prüfe man einen Neubau unter Einbeziehung von Teilen der alten Bausubstanz.

Von Jürgen Zimmer

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