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Adam soll Adams Erbe sichern

Burgwedel Adam soll Adams Erbe sichern

Die Härtefallkommission prüft, ob Adam Ismail Hussein seine Bäckerlehre beenden darf. Falls ja, ist das auch Siegfried Götz zu verdanken, der – eigentlich schon im Ruhestand – als Ausbilder für seinen verstorbenen Kollegen Axel Adam in Fuhrberg einspringt und den 30-jährigen Sudanesen unter seine Fittiche genommen hat.

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Siegfried Götz lernt mit Adam Ismail Hussein für dessen Zwischenprüfung.

Quelle: Hartung

Fuhrberg. Nach Axel Adams plötzlichem Herztod in Brasilien war – wie unter Schock – im „Café Adam 2010 plus“ alles erst einmal so weiter gelaufen wie zuvor. Zuletzt konnte sich Alke Adam einige Tage Ruhe und Abstand verordnen – zum Nachdenken. Von der Ostsee ist die studierte Musikerin mit großer Gewissheit nach Fuhrberg zurückgekehrt. Ihr sei klar geworden, welches Kleinod das Café sei. Als Ort, an dem Menschen zusammenkommen und wo man Musik und Kunst präsentieren kann, wolle sie es unbedingt erhalten. Und für den Fortbestand setzt sie alle Hebel in Bewegung: Mittlerweile bewerkstelligt sie das Tagesgeschäft allein mit dem Bäcker-Lehrling Adam Ismail Hussein. Mit dem Tod von Axel Adam hat Alke Adam ihren Mann, Hussein seinen Lehrmeister und väterlichen Freund verloren. Die Gefahr: Die nun nicht mehr mögliche Fortsetzung seiner Ausbildung in der Fuhrberger Feinbäckerei könnte auch das Ende von Husseins Aufenthalts in Deutschland bedeuten – und Alke Adam stünde plötzlich ganz allein da.

Vorerst gibt es Entwarnung: Auf einen Aufruf in der NHZ hatte sich Konditormeister Siegfried Götz aus Elze gemeldet. „Ich möchte helfen, dass Adam hier bleiben kann und dass das bodenständige Handwerk auf dem Land erhalten bleibt“, erklärt der Ruheständler seine Motivation. Ein Betrieb darf jedoch nur ausbilden, wenn eine Fachkraft mit Meister-Qualifikation vorhanden ist. Götz erfüllt zwar diese Voraussetzung, und gerade in diesen Tagen ist er ziemlich oft vor Ort, um Hussein auf dessen Zwischenprüfungen in Theorie und Praxis im März vorzubereiten. Aber der 75-jährige Wedemärker kann nicht die Stunden leisten, die die Handwerkskammer zur Anerkennung voraussetzt. Alke Adam und die Handwerkskammer suchen deshalb nach einer Lösung.

Was Alke Adam in diesem Zusammenhang wichtig zu betonen ist: „Der Einsatz von Herrn Götz ist unbezahlbar. Er kann aber nur eine Übergangslösung sein. Dies weiß und billigt die Handwerkskammer, das finden wir ganz toll.“ Eine weitere gute Nachricht kam Ende Januar aus dem Innenministerium – nämlich die Zusage, dass die Härtefallkommission sich des Falls annehmen und prüfen werde, ob besondere persönliche oder humanitäre Gründe rechtfertigen, dass Hussein in Deutschland bleibt. Das werde mehrere Monate in Anspruch nehmen, solange werde er nicht abgeschoben.

Klar ist jetzt schon, dass der Afrikaner seinen eigenen Anteil zum Abbau des Fachkräftemangelns beiträgt. „Er kann das gesamte Sortiment, das wir anbieten, backen – so wie es mein Mann getan hat. Er führt sozusagen das Lebenswerk meines Mannes fort und ist wie ein Erbe für mich“. sagt Alke Adam.

Und was backt der junge Mann, der weiterhin regelmäßig an einem Sprachkursus teilnimmt, am liebsten? Hussein lacht. „Natürlich Brot! Gestern Heide und Sechskorn.“ Aber auch bei Torten und Kuchen hat er bereits einen fortgeschrittenen Stand, lobt Götz. „Dabei muss man heutzutage fast schon Chemiker sein, um alles zu verstehen“.

Ab sofort wird es aber etwas ruhiger in der Backstube – damit der Übergangs-Lehrmeister den Azubi, der sich aktuell im zweiten von drei Lehrjahren befindet und 2017 als Konditorgeselle abschließen will, auf die Zwischenprüfung vorbereiten kann. Daher werden Bäckerei und Café an der Dorfstraße von nächster Woche an vorläufig nur noch von donnerstags bis sonntags jeweils vor- und nachmittags öffnen. Brötchen können aber bestellt werden, und größere Frühstücksgesellschaften können sich weiter für jeden beliebigen Wochentag anmelden. In Sachen Kultur soll 2016 Neues ausprobiert werden. Bereits ausgebucht bis zum Jahresende ist das Café mit Bilder- und Fotografieausstellungen. Zu den Livemusik-Veranstaltungen sollen erstmals Workshops hinzukommen. „Irgendetwas mit Tanz und etwas für Kinder“ – das ist es, was Alke Adam dabei vorschwebt.

Wettmarerin stellt Gemälde im Café Adam aus

"Characters“, so nennt Jeanette Karapiperidis ihre zweite Schau im Café Adam an der Dorfstraße in Fuhrberg. In knapp 20 gegenständlichen Bildern hat die Wettmarerin ausdrucksstarke Momente und Minenspiele – auch von Tieren – in Öl auf überwiegend kleinformatige Leinwände gebracht: Eine griechische Oma schreitet entschlossen durchs Bild, ein kurzbehoster Dicker ruht auf einer Bank im Central Park vor den „Strawberry Fields“ als personifizierter Kontrast zum ermordeten Beatle John Lennon, dem der Platz gewidmet ist – und was für ein Charakter mag sich wohl hinter der Clownsmaske verbergen? Vorlagen für die Gemälde sind Fotografien, die die Malerin überwiegend in ihrer Heimatstadt London, aber auch in New York geschossen hat. In beiden Städten leben Töchter von Karapiperidis, die selbst früher in Großburgwedel ein griechisches Restaurant geführt hatte. Seit gut zehn Jahren stellt sie öffentlich aus, in Wettmar teilt sie sich das Gruppenatelier „Schlösschen“ mit weiteren Malerinnen. Die Vernissage zu „Characters“ mit Livemusik beginnt am Sonntag, 6. März, um 15 Uhr. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 15. April jeweils von Donnerstag bis Sonntag.

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Bilder wie diese sind bald im Café Adam in Fuhrberg zu sehen.

Quelle: Martin Lauber

Von Martin Lauber und Stephan Hartung

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