Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
So sehen Flüchtlinge "ihr" Burgwedel

Burgwedel So sehen Flüchtlinge "ihr" Burgwedel

Alteingesessene Burgwedeler dürfen gespannt sein auf neue Sehenswürdigkeiten. Denn Migranten und Flüchtlinge haben ihren ganz eigenen Blick auf die Stadt. Was sie sehenswert finden, das will der ikm-Treff Anfang 2017 in einer Fotoausstellung dokumentieren.

Voriger Artikel
Mosaik
Nächster Artikel
Hoppenstedt kandidiert wieder für den Bundestag

Die Teilnehmer des ikm-Workshops haben ihre eigene Sicht auf Burgwedel.

Quelle: privat

Burgwedel. Abdulbaki Kar hat die Tür der St.-Paulus-Kirche fotografiert – weil sie verschlossen war. „Gott hat doch auch wochentags Zeit“, habe er sich gewundert, sagt der 35-jährige Kurde, der im FotoWorkshop des Interkulturellen Miteinanders (ikm) zu den ambitioniertesten gehört. Michael Plümer, 58-jähriger Diplom-Fotograf, begleitet acht bis zehn Geflohene fachlich und gibt Feedback, macht inhaltlich aber keine Vorgaben. Bereits seit 2007 dokumentiert der Großburgwedeler auch alle Projekte der Initiative Kunst und Kultur für Kinder (KuK).

Der ikm-Treff hatte im Sommer auf Initiative von Regina Gresbrand gebrauchte Digitalkameras gesammelt und an die Flüchtlinge verteilt. Jeweils in Zweier-Gruppen ziehen sie seit August los und verblüffen Profi Plümer ein ums andere Mal mit ihrer „Sichtweise, die uns so nicht vertraut ist“.

Für einen Syrer kann eben auch eine mit Büchern gefüllte Telefonzelle exotisch sein – genauso wie Neuschnee auf Strohballen, sauber gestutzte Büsche oder die Blumenpracht auf einer Verkehrsinsel.

Khaloud Mahmut ist die einzige Frau im Workshop. „Bei uns in Syrien fotografieren Frauen eigentlich nicht“, berichtet die 35-Jährige. Kinder und alte Leute fotografiert sie gerne, Bäume und Blumen – mit den Ergebnissen ist sie noch nicht ganz zufrieden. Salam Zandinan hat beim Ziegenhof Schümer in Wettmar draufgehalten. Die Tiere hätten ihn an seine umkämpfte Heimat im Nordirak erinnert, sagt er. Der Mann stammt aus dem umkämpften Sindschar-Gebirge.

Smartphone-Fotograf Abdulbaki Kar, der schon seit 15 Jahren einen deutschen Pass hat, geht das Ganze eher philosophisch an. Den Thönser Angelteich hat er auch fotografiert, weil man dort zum Angeln einen „Führerschein“ braucht. Das erzählt er beim Feedback-Termin des Workshops im ikm-Treff, bei dem die Teilnehmer sich über ihre Bilder austauschen.

Ein paar Wochen noch werde die Fotopirsch fortgesetzt, erklärt Plümer. Wahrscheinlich im Januar solle die Ausbeute dann in der Großburgwedeler Sparkasse ausgestellt werden. Gresbrand hat schon weitergedacht. Ausgewählte Motive sollen auf Stofftaschen gedruckt werden, die Flüchtlingsfrauen im ikm-Treff nähen. Als Ersatz für umweltschädliche Plastikbeutel werden diese dann verschenkt.

doc6scfgfiha491h63wkho5

Fotostrecke Burgwedel: So sehen Flüchtlinge "ihr" Burgwedel

Zur Bildergalerie
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten