Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -8 ° wolkig

Navigation:
Urteil: Frau angefahren und einfach geflüchtet

Burgwedel Urteil: Frau angefahren und einfach geflüchtet

Ein 55-jähriger Wedemärker hat im Mai eine junge Frau in Mellendorf umgefahren und ist anschließend geflüchtet – dafür hat er jetzt die Quittung vor dem Amtsgericht Burgwedel bekommen.

Voriger Artikel
Großes Abschiednehmen im Rat
Nächster Artikel
Abschied nach 17 Jahren Herzblut für Bücherei

Das Amtsgericht Burgwedel hat einen 55-Jährigen zu einer Geldstrafe verurteilt und eine Führerscheinsperre verhängt, weil der Mann im Mai in der Wedemark eine Frau angefahren hatte und danach geflüchtet war.

Quelle: Symbolbild

Burgwedel/Wedemark. „Ich habe gedacht: Gott sei Dank, es ist nichts passiert“, schilderte der 55-Jährige, warum er nach dem Unfall in Mellendorf seine Fahrt einfach fortgesetzt hatte. Kurze Zeit zuvor hatte er eine Fußgängerin angefahren, die gerade die Straße überquerte, in die er mit seinem Auto einbogen war. Die Frau prallte gegen seine Stoßstange und auf die Motorhaube, blieb dann auf der Straße liegen. „Ich habe sofort gebremst, aber sie ist aufgestanden, zu ihrem Mann auf die andere Straßenseite gegangen und hat sich nicht mehr umgedreht. Da bin ich weitergefahren“, betonte der Angeklagte.

Das nichts passiert war, konnte der Ehemann nicht bestätigen: Eine starke Rippenprellung habe seine 27-jährige Frau davongetragen. Ein Krankenhausaufenthalt und eine Behandlung mit Schmerzmitteln bis zum heutigen Tag folgten. „Wir dachten, der Mann würde sich eine Stelle zum Halten suchen, aber er ist davongefahren“, beschrieb der Zeuge die Situation. „Ich hatte meine Frau weinend im Arm.“

Auch eine Rentnerin, die den Unfall beobachtet und im Anschluss das Kennzeichen des Flüchtigen an die Polizei weitergeleitet hatte, bestätigte diese Wahrnehmung: „So etwas macht man doch nicht. Da muss man anhalten“, sagte die 64-Jährige. „Die Frau war total benommen und lief kopflos über die Straße. Natürlich hatte sie sich verletzt.“

Die Reue des Angeklagten – „es war ein Fehler, aus heutiger Sicht hätte ich anhalten müssen“ – fand Amtsrichter Michael Siebrecht durchaus sympathisch. Dennoch: „Das ist eine fahrlässige Körperverletzung und auch eine Unfallflucht.“ Allein ein Augenblicksversagen könne dem Angeklagten zugestanden werden. Mit 50 Tagessätzen à 80 Euro und einer sechsmonatigen Führerscheinsperre sei die Strafe durchaus angemessen. „Es ist für mich sehr wohl etwas anderes, wenn man eine Schramme an einem Auto zurücklässt als wenn man einem verletzten Menschen davonfährt“, begründete Siebrecht sein Urteil.

Aus Sicht des Verteidigers hätte sein Mandant aber durchaus einen Freispruch verdient gehabt: Einerseits sei der Unfallhergang und die Schuld des Angeklagten gar nicht geklärt. Andererseits hätte es für seinen Mandanten offensichtlich keinen Unfall mit Schaden gegeben – eine vorsätzliche Flucht könne so nicht unterstellt werden.

Siebrecht fand klare Worte für diese Verteidigungsstrategie: „Da muss man nur einmal ins Gesetz gucken“, so der Richter. Allein die Möglichkeit, dass ein Schaden entstanden sein könnte, mache einen zum Unfallbeteiligten und verpflichte, sich einen persönlichen Eindruck zu verschaffen. „Sie haben aber nicht einmal das Fenster heruntergekurbelt“, so Siebrecht. Und bei der großen Beule, die das Auto auf der Motorhaube hatte, müsse jedem klar gewesen sein, dass die Frau sich verletzt hatte.

Von Carina Bahl

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten