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Klinik soll für verschwundenes Gebiss zahlen

Burgwedel Klinik soll für verschwundenes Gebiss zahlen

Der Rentner Fritz Röttger fordert vom Krankenhaus Burgwedel Geld, weil dort das Gebiss seiner Frau verschwunden sein soll. Das Regionsklinikum will keinen Schadensersatz zahlen. Die Zahnprothese habe bereits bei ihrer Aufnahme gefehlt, heißt es dort.

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Fritz Röttger  sucht das Gebiss seiner Frau. Es ist bei einem Aufenthalt im Krankenhaus Burgwedel abhanden gekommen.

Quelle: Isabell Rollenhagen

Ehlershausen/Burgwedel. Fritz Röttger ist fassungslos. Der Rentner, weithin als Weihnachtsmann von Burgdorf bekannt, versteht nicht, wie in einem Krankenhaus ein Gebiss verloren gehen kann. Genau das aber sei seiner Frau Monika passiert. Nach einem einwöchigen Aufenthalt im Klinikum Burgwedel war die 71-Jährige ohne Zahnprothese entlassen worden. Niemand fühlt sich dafür verantwortlich.

Eigentlich wollte Röttger nur ein paar Tage in den Urlaub fahren. Zum Angeln nach Cuxhafen sollte es Anfang Juni gehen. Aus der Reise wurde nichts. Ein Notfall kam dazwischen: Ehefrau Monika ist Diabetikerin. Sie musste wegen extrem hoher Zuckerwerte ins Krankenhaus. Weil Röttger seine demenzkranke Frau an diesem Tag zur Kurzzeitpflege in ein Heim nach Hämelerwald hatte bringen wollen, hatte der 72-Jährige sie bereits ausgehfertig gemacht. "Ich hatte ihr auch das Gebiss eingesetzt - mit Haftcreme", sagt Röttger. Als er sie den Sanitätern des Rettungswagens am 7. Juni übergab, sei die Prothese noch im Mund gewesen.

Monika Röttger kam in Burgwedel auf die Intensivstation. Nach einer Magenspiegelung war sie tagelang nicht ansprechbar. "Da habe ich natürlich noch nicht gemerkt, dass das Gebiss nicht da ist." Erst als er sieben Tage später seine Frau im Pflegeheim besuchte, fiel dem Ehlershausener beim Abendessen auf, dass Monika keine Zahnprothese trug. Im Abschlussbericht der Klinik steht, dass Frau Röttger ohne Zahnprothese ins Krankenhaus eingeliefert worden sei. "Das stimmt aber nicht", sagt der Ehemann.

Zunächst schrieb der ehemalige Jugendpfleger von Uetze das Klinikum Region Hannover an, um eine Entschädigung zu erhalten. 1200 Euro würde ein neues Gebiss kosten, die Hälfte davon übernehme die Krankenkasse. Sein Brief blieb unbeantwortet.

Der 72-Jährige, der sich bei der AWO engagiert, schaltete eine Rechtsanwältin ein. Auch die Schadensersatzforderung der Juristin hatte keinen Erfolg: Das Klinikum teilte mit, es habe den Vorgang geprüft mit dem Ergebnis, dass es die Forderungen der Eheleute Röttger nicht anerkennt: "Es lässt sich nicht feststellen, dass die Zahnprothese der Frau Röttger im Krankenhaus abhanden gekommen ist."

Rechtsanwältin Annette Bönning sieht ebenfalls ein Beweisproblem. "Mein Mandant kann nicht nachweisen, wo das Gebiss abhanden gekommen ist." Dennoch hätte sich die Juristin vom Krankenhaus erhofft, dass es aus Kulanz den Forderungen nachkommt. Das Klinikum aber zeigt sich kompromisslos. "Es gibt keine Anhaltspunkte, dass unsere Mitarbeiter einen Fehler gemacht haben", sagt Klinikumssprecher Bernhard Koch. 

Röttger ist enttäuscht: "Ich fühle mich vom Krankenhaus im Stich gelassen", sagt er. Notfalls will er vor Gericht ziehen. Seine Frau kann ohne Zähne seit zwei Monaten keine feste Nahrung zu sich nehmen.

Von Isabell Rollenhagen

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