Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Patient macht lange Finger in Notaufnahme

Großburgwedel Patient macht lange Finger in Notaufnahme

Obwohl im Rettungswagen in der Klinik abgeliefert, schaffte es E., in der Notaufnahme eine Geldkassette zu stehlen: Dafür hat das Amtsgericht Burgwedel den vielfach vorbestraften Mann jetzt für zwei Monate ins Gefängnis geschickt.

Voriger Artikel
Mahnmal-Streiter als kritischer Chronist
Nächster Artikel
Mehrere Verletzte bei Autounfällen

Gegen den 36-Jährigen, der in der Notaufnahme lange Finger machte, verhängte das Amtsgericht Burgwedel eine zweimonatige Freiheitsstrafe.

Quelle: Martin Lauber

Großburgwedel. Nur für wenige Minuten hatte Krankenschwester H. am 23. Januar 2016 kurz vor Mitternacht die Notaufnahme des Krankenhauses Großburgwedel verlassen, um sich um einen stationären Patienten zu kümmern. Vorher noch hatte sie E. aufgenommen, der über einen schmerzhaft eingeklemmten Rückennerv klagte und kaum laufen konnte. "Sehr betrunken und nicht gut auf den Beinen", so beschrieb die Zeugin vor Gericht E.s Zustand.

Als die Schwester von der Station zurückkehrte, stellte sie den 36-Jährigen, als er gerade die Notaufnahme verlassen wollte. Der gut sichtbare Gegenstand unter seiner Jacke entpuppte sich als Geldkassette, die E. samt circa 100 Euro Inhalt im Personalbüro hinter dem Empfangstresen an sich genommen hatte. 2,04 Promille ergab der von der Polizei angeordnete Atemalkoholtest. "Ich weiß nicht, was ich mir dabei gedacht habe", sagte der geständige Angeklagte.

Das Leben des Schwarmstedters ist bisher eine Geschichte des fortwährenden Scheiterns. Eine Schweißer- und eine Mechatroniker-Ausbildung brach er ab. Seit Jugendjahren von Alkohol und Drogen abhängig, war er 2001 bald nach einer ersten Alkoholtherapie rückfällig geworden. 23 Verurteilungen wegen Diebstahls, Trunkenheit im Straßenverkehr, Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz und Körperverletzungen und mehrfaches Bewährungsversagen weist sein Strafregister aus. "Die ersten zwei Jahre im Leben meiner Tochter habe ich im Knast verbracht", gab sich der Mann vor Gericht zerknirscht. Trotzdem war der Diebstahl im Krankenhaus Großburgwedel nach seiner letzten Haftentlassung schon wieder die dritte Straftat binnen eines Jahres.

In seinem Plädoyer stellte der Staatsanwalt denn auch klar, dass eine positive Prognose für den 36-Jährigen nicht gestellt und eine Bewährung nicht gewährt werden könne. Trotz der 2,04 Promille ging er von einer "gezielten Tathandlung" aus. Amtsgerichtsdirektor Michael Siebrecht stellte in sein Urteil zwar verminderte Schuldfähigkeit und das Geständnis als Pluspunkte in Rechnung, kam aber trotzdem zum gleichen Ergebnis wie der Ankläger: Zwei Monate Haft ohne Bewährung.

Immerhin baute Siebrecht dem Angeklagten noch eine Brücke: Sollte E. eine Therapie antreten, die als Ersatz für die Haft gelten könne, werde das Gericht dies unterstützen. "Sie sind ein Straftäter, aber auch krank", redete der Richter dem Vater einer Vierjährigen ins Gewissen. "Ihre einzige Chance ist eine stationäre Therapie."

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6slqn371eautd2w7l5i
Zurück aus der Hölle des Flüchtlingslagers

Fotostrecke Burgwedel: Zurück aus der Hölle des Flüchtlingslagers