Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 7 ° Regen

Navigation:
Nur ein bisschen Bewegungsfreiheit

Burgwedel Nur ein bisschen Bewegungsfreiheit

Eine Kindermatratze auf dem Fußboden eines Flüchtlingsheims in Großburgwedel - das ist der ganze Aktionsradius der seit Geburt körperbehinderten Hajar Shikho. Ein elektrischer Rollstuhl würde das Leben der 45-jährigen Syrerin dramatisch verändern.

Voriger Artikel
Es wird laut: Bahn tauscht Schwellen aus
Nächster Artikel
KRH-Streik ist nur der Anfang

Hajar Shikho häkelt gerne.

Quelle: Martin Lauber

Großburgwedel. Wohl dem, der eine Schwester hat, wie Hajar Shikho eine hat. Die sieben Jahre jüngere Layla hat Hajar von ihrem Heimatdörfchen in der Nähe von al-Hasaka mitgeschleppt - weg von ihrer Angst vor dem Bürgerkrieg und weg von den IS-Kämpfern. Über die türkische Grenze. Einen klapprigen Rollstuhl und einen Platz für beide in einem Schlauchboot hat sie organisiert, das die Schwestern nach Griechenland brachte.

Seit drei Monaten parkt der klapprige, für Hajars kleinen Körper viel zu große Rollstuhl vor einem Zimmer im Erdgeschoss der städtischen Flüchtlingsunterkunft an der Fuhrberger Straße in Großburgwedel. Wenn Layla den Sprachunterricht im Obergeschoss des St.-Paulus-Gemeindehauses besucht, im Rathaus oder bei anderen Behörden zu tun hat oder einkauft, dann bleibt Hajar meist alleine zurück. Wenn es dann klingelt, kann sie nichts tun. Wie sollte sie zur Tür kommen? Nur die Diakonieschwester hat für ihre Hausbesuche einen eigenen Schlüssel.

Hajar Shikho stammt aus einer armen Familie. Wegen ihrer Körperbehinderung hat sie nie eine Schule besucht, kann weder lesen noch schreiben. Bis vor wenigen Jahren bewegte sie sich noch mit Hilfe von Krücken selbstständig fort. Aber seit einer misslungenen Operation im Jahr 2011 klappt das nicht mehr. Um einen Rollstuhl voranzutreiben, fehlt ihren Armen- sie zeigt selbstironisch auf ihre Muckis - die Kraft.

Ihre Hände aber sind flink. Besonders wenn sie häkelt, in Rückenlage auf ihrer kleinen Matratze, die sie tagsüber ihrem schmalen Bett vorzieht.  Auf dieser Unterlage kann sie mühelos hin- und herrollen und den Blickwinkel wechseln - Richtung Fernseher, Richtung Fenster, Richtung Layla. Also, mit diesen geschickten Häkelhänden könnte sie einen Rollstuhl steuern, einen mit Elektroantrieb.  Es ist die kleine Schwester, die von soetwas Utopischem für ihre große Schwester träumt, damit sich auch für sie neue Perspektiven auftun.

Otto Krull, bei der Stadtverwaltung für die Flüchtlinge zuständig, kennt Hajar und Layla Shikho. Er geht davon aus, dass beiden als Bürgerkriegsflüchtlingen in Kürze Asyl gewährt werden wird. Hajar sei eins der Einzelschicksale, denen man angesichts von mehr als 500 Flüchtlingen in der Stadt nur schwer gerecht  werden könne. Er wolle aber alle Möglichkeiten prüfen, wie der Syrerin geholfen werden kann, sagte er der NHZ.

Ein schon länger in Großburgwedel ansässiger Landsmann hatte die Redaktion auf Hajar Shikhos Schicksal hingewiesen. Seine geheime Hoffnung: Es müsse doch jemanden geben, der einen gebrauchten E-Rollstuhl hat oder anderweitig helfen kann.

Als Ansprechpartner steht Otto Krull, Telefon (05139) 8973515, E-Mail o.krull@burgwedel.de, zur Verfügung

doc6pdlsr1cmqa1mn7f1j3r

Fotostrecke Burgwedel: Nur ein bisschen Bewegungsfreiheit

Zur Bildergalerie
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten