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Fuhrberg brennt keinen Schnaps mehr

Fuhrberg Fuhrberg brennt keinen Schnaps mehr

Die Ära der Fuhrberger Schnapsbrennerei ist nach 48 Jahren endgültig vorbei. Das Gebäude am Ende des Wielohweges ist verkauft, auf die betagten Gärbottiche und Dampfkessel wartet der Schrotthändler.

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In der Destillation konnten sich die Mitarbeiter Torsten Fricke und Dirk Bornemann nur durch eine verplombte Glasumhausung ansehen. 

Quelle: Lauber

Fuhrberg. Seit 1968 hatte im Herbst der Ostwind das Aroma gedämpfter Kartoffeln Richtung Dorfmitte geweht. Der Duft Marke Futtertrog kam aus den meterhohen Wasch- und Gärbottichen sowie den vom Zoll doppelt verplombten Destillationstürmen der Schnapsbrennerei, in denen Stärkekartoffeln aus Fuhrbergs schwarzen Böden im Sechs-Tage-Betrieb in Alkohol verwandelt wurden.

Etwa 156 Kilogramm der Knollen werden für einen Hektoliter reinen Alkohols gebraucht - und für 4800 Hektoliter besaß die 1967 gegründete Brennereigenossenschaft Fuhrberg von der staatlichen Monopolbehörde die Brennrechte. Ein guter lokaler Absatzmarkt für die Kartoffelanbauer vor Ort.

Doch das staatliche Branntweinmonopol - und mit ihm die Schnapssubvention für Landwirte - wird 2017 endgültig Geschichte sein. Die Brennereien müssen schon seit 2013 selbst zusehen, wo sie ihren Rohalkohol loswerden. Rentabel oder international konkurrenzfähig sind die Allerwenigsten.

Dass in Fuhrberg schon im Jahr 2010 die Brennrechte nur noch zu 60 Prozent und in der letzten Kampagne 2012/2013 gar nur noch zu einem Drittel ausgeschöpft wurden, spiegelt sich längst wider auf den Äckern rund ums Dorf. Dort wurde die Stärkekartoffel peu à peu durch Getreide ersetzt. Die früher wichtigsten Rohstofflieferanten der Brennerei haben den Strukturwandel locker weggesteckt - und setzen unter anderem auf Biogas, Sonderkulturen wie Spargel und Blaubeeren oder Biolandwirtschaft.

In diesem Frühjahr haben die verbliebenen sieben von ursprünglich 13 Genossen der Schnapsbrennerei mehrheitlich für das endgültige Aus gestimmt. Noch für drei Jahre haben sie Ausgleichszahlungen vom Bundesfinanzministerium zu erwarten. Bis dahin wird Hermann Wöhler den Betrieb mithilfe des Genossenschaftsverbandes abwickeln. Er sei froh, sagt der Vorsitzende der Genossenschaft, „dass wir einen landwirtschaftlichen Käufer gefunden und einen befriedigenden Preis erzielt haben“.

Gesichert hat sich das etwa drei Hektar große Grundstück samt angrenzendem Wäldchen der Fuhrberger Spargelhof. Senior Walter Heuer, dessen Vater vor 48 Jahren zu den Gründern der Brennereigenossenschaft gehörte, kann über die geplante Nutzung des Geländes noch nicht im Detail Auskunft geben. Bisher sind Verkaufsstände des Spargelhofs unter den Vordächern des Brennereigebäudes abgestellt. Künftig sollten auf dem Gelände möglicherweise Wohncontainer für einen Teil der Erntearbeiter aufgestellt werden, sagt Heuer. Für das Gebäude selbst gelte: „Alles kommt raus.“ Die technischen Anlagen habe ein Schrotthändler bereits begutachtet.

Von Martin Lauber

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